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03.03.2004

07:00 Uhr

Kosten des "virtuellen Arbeitsmarkts" laufen aus dem Ruder

Neue Dokumente belasten BA-Chef Weise

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, war offenbar schon wesentlich früher über die Kostenexplosion bei der Online-Stellenbörse informiert, als er bislang eingeräumt hat.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Interne Dokumente der BA legen nahe, dass Weise entgegen seiner Behauptung schon seit August, spätestens seit Anfang September 2003 von den drohenden Mehrkosten des Projekts gewusst haben muss. Die Dokumente liegen dem Handelsblatt vor.

Ein Sprecher der BA bestätigte gegenüber dem Handelsblatt die Existenz eines entsprechenden e-Mail-Wechsels. Zu den Inhalten wollte er nicht Stellung nehmen.

Den Unterlagen zufolge meldete der Geschäftsbereich IT in einer Kostenübersicht zum "virtuellen Arbeitsmarkt" - "Vermerk für Herrn VF Weise" - einen Gesamt-Mehrbedarf für das Projekt von 51,6 Mill. Euro. Weise war damals Finanzvorstand der BA. Die Gesamtkosten des Projekts werden in der Vorlage mit 108,1 Mill. Euro beziffert. Dies entsprach damals schon fast einer Verdoppelung des ursprünglich mit der Unternehmensberatung Accenture vereinbarten Betrages.

Kosten des "virtuellen Arbeitsmarkts" laufen aus dem Ruder

Mittlerweile drohen die Kosten des "virtuellen Arbeitsmarkts" nach Angaben der BA sogar auf 165 Mill. Euro zu steigen. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, hat der Leiter des Geschäftsbereichs, Andreas Stöhr, Weise die Kostenübersicht am 21. August als e-Mail zugeschickt. Weise wiederum informierte am 25. August ebenfalls per e-Mail seinen zuständigen Vorstandskollegen Heinrich Alt, dass er eine "aktuelle Übersicht" über das Projekt angefordert habe.

"Den Status möchte ich (auch als Controlling-Vorstand) in den Vorstand und Ausschuss I bringen", schrieb Weise. Alt solle beurteilen, ob die Übersicht in Ordnung sei. "Die Erhöhung ist begründet", heißt es in Weises Schreiben weiter.

"Vom Verfahren stellen sich natürlich Fragen". Am 1. September ging Weise die Kostenübersicht nach einer Korrektur um plus eine Mill. Euro erneut zu, diesmal aus dem Büro seines Vorstandskollegen Alt.

Am Montag hatte Weise bestritten, dass er oder Alt die Kostenübersicht damals bekommen hätten. Er reagierte damit auf einen Bericht des Handelsblatts vom Montag, wonach er seit August über die drohende Kostenexplosion informiert gewesen war.

Am Mittwoch soll der dreiköpfige BA-Vostand vor dem Wirtschafts- und dem Haushaltsausschuss des Bundestags zu dem Finanzskandal Stellung nehmen. Bis Freitag will der Vorstand den Mitgliedern des BA-Verwaltungsrats einen Bericht zusenden.

Lesen Sie am Mittwoch im Handelsblatt mehr zu diesen Thema

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