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14.04.2011

14:37 Uhr

Kosten und Nutzen

Was bringt der Umstieg auf die Alternativen?

Dass die Energiewende teuer wird ist klar, wie viele Milliarden der Atomausstieg genau kostet dagegen nicht. Aber er hat auch Vorteile: Bei der Gebäudesanierung bringt ein Fördereuro 16 Euro an Investitionen.

Windräder drehen sich vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks im brandenburgischen Jänschwalde. Quelle: dpa

Windräder drehen sich vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks im brandenburgischen Jänschwalde.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wird nicht müde, die großen Vorteile der Energiewende zu preisen. Immer wieder nennt er vor Mikrofonen die Zahl von 370.000 Jobs, die bereits im Bereich der Ökoenergien entstanden. Es gilt Argumente ins Feld zu führen gegen kritische Stimmen bei Haushältern der Koalition und Atomfreunden wie Unionsfraktionsvize Michael Fuchs. Da ist Röttgens Amtsvorgänger Jürgen Trittin ganz bei dem Minister. „Das kostet Geld, aber es bietet große ökonomische Chancen“, so der Fraktionschef der Grünen. Es gelte die globale Technologie-Marktführerschaft zu halten.  

Doch ist das Ganze eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Bei einem schnellen Atomausstieg zum Jahr 2020 drohen Milliardenlöcher bei dem von den AKW-Betreibern gespeisten Fonds zum Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Atomsteuer. „Wenn wir zurückgehen auf den rot-grünen Ausstiegsbeschluss, fehlen uns mindestens 15 Milliarden Euro“, so der energiepolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Thomas Bareiß. Er mahnt zu Realismus, für Verbraucher werde es teuer. Röttgen meint, der Preis für eine Kilowattstunde Strom werde sich in den nächsten Jahrzehnten durch die Energiewende nur um 0,1 bis 0,9 Cent erhöhen. Die Äußerung löst bei den Energiebossen Kopfschütteln aus.  

In Deutschland werden weite Landstriche zukünftig von immer mehr Windrädern geprägt werden, wenn der Umstieg auf eine zunehmende Ökoenergieversorgung gelingen soll. Windräder laufen meist auf das Jahr hochgerechnet aber nur 50 bis 60 Tage unter Vollast. Um also nur die Leistung der 17 deutschen AKW zu ersetzen, muss die installierte Leistung die der Atommeiler um ein vielfaches übertreffen. Dafür sind im Rahmen der Anschubfinanzierung hohe Milliardenbeträge notwendig, die zweifelsohne auch Atom- und Kohlekraft bekommen haben. 2011 sind es geschätzt 13,5 Milliarden Euro, die vom Verbraucher über den Strompreis für den Ökoenergieausbau zu zahlen sind, die Summe könnte aber 2012 nach Schätzung des Umweltministeriums wieder sinken.  

Hinzu kommt aber, dass der Strom, der auf der grünen Wiese und vor der Küste entsteht, transportiert werden muss. Mindestens rund zehn Milliarden Euro hält die Deutsche-Energie-Agentur für den Netzausbau im Höchstspannungsbereich für notwendig. Aber auch der Ausbau von Auf- und Abfahrten von Stromautobahnen kostet Milliardensummen im zweistelligen Bereich und dürfte Netzentgelte steigen lassen. Röttgen betont, man müsse auch „Politik aus den Augen unserer Kinder machen“. Dazu gehört es diesem Verständnis nach, für eine Abkehr vom Risiko Kernenergie höhere Strompreise notfalls in Kauf zu nehmen, Studien gehen davon aus, dass mehr Ökostrom langfristig preisdämpfend wirkt.  

Kommentare (5)

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Island

14.04.2011, 15:38 Uhr

Grundsätzlich ist die Förderung von Einsparpotenzialen begrüßenswert. Diese Programme dürfen nur dort ihre Wirkung entfalten in Regionen mit einer Geburtenrate von 1,85-2,11 (einheimische Bevölkerung) weil wir ansonsten wieder Einheiten mit Steuermitteln sanieren die wir dann wieder vom Markt nehmen. (Einheiten abreisen)

Besonders bei der Rückführung der Gastarbeiter (z. b. Berlin über 820.000) werden weitere Einheiten auf den Markt drängen.

Dabei verbessert die Abreise der Gastarbeiter, das Wohnfeld und höhere Renditen sind dann realisierbar.

Die Erfahrungen aus „Wendezeit“ sollten uns noch in Erinnerung sein, ansonsten kann man sich die Städte Bremen, Magdeburg, Görlitz anschauen.

In Bremen sind Immobilien in guter Lage nicht mehr Vermietbar, sollen wir diese auch „Sanieren“ und abreisen?

Adelheid

14.04.2011, 17:24 Uhr

Bill Gates hat Recht, sowas können sich nur bornierte Wohlhabende erlauben, und wollen, dass die Welt ihnen folgt. Lächerlich!

gerhard

14.04.2011, 17:43 Uhr

Was bringt die Energiewende?

Ganz einfach
- Stromsperren- wenn wir diese Windmühlerei Diskussion nicht bald beenden.

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