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27.01.2004

14:24 Uhr

Kraftprobe mit den Arbeitgebern

IG Metall ist auf Kampf eingestellt

In der letzten Runde des Tarifkonflikts der Metall- und Elektroindustrie vor Ablauf der Friedenspflicht zeichnet sich keine Einigung ab. In der vierten Tarifrunde für die knapp 800 000 Beschäftigten im Südwesten beharrten Arbeitgeber und IG Metall am Dienstag auf ihren Positionen. Die Verhandlungsrunden drei und zwei in Niedersachsen (75 000 Beschäftigte) und im Tarifbezirk Küste (160 000 Beschäftigte) gingen ohne Ergebnisse zu Ende. Die IG Metall kündigte in beiden Bezirken Warnstreiks nach Ablauf der Friedenspflicht am Mittwoch um 24 Uhr an.

HB FRANKFURT/MAIN. Zehntausende Beschäftigte mit roten Fahnen, Trillerpfeifen und Transparenten werden das Bild in den kommenden Tagen prägen. Sollten die Arbeitsniederlegungen ihre Wirkung verfehlen, dürfte sich das Drehbuch der harten Metall-Tarifrunde 2002 wiederholen: Scheitern der Verhandlungen, Urabstimmung und Streik. „Es ist alles möglich“, sind sich Gewerkschaft und Arbeitgeber bei der Beurteilung der Lage einig.

Vordergründig geht es bei dem Streit um die Erhöhung von Löhnen und Gehälter der knapp 3,5 Mill. Beschäftigten der wichtigsten Branche. Die IG Metall hat vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate gefordert, die Arbeitgeber bislang nur stufenweise Anhebungen von je 1,2 % für insgesamt 27 Monate angeboten. Das Angebot ist aber an Öffnungsklauseln für die Arbeitszeit gekoppelt: Management und Betriebsräte sollen die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden erhöhen können und festlegen, ob die Mehrarbeit ganz, teilweise oder gar nicht bezahlt wird. „Wir werden da hart bleiben“, heißt es bei Gesamtmetall. Der Fehler eines zu hohen Abschlusses wie 2002 werde sich nicht wiederholen.

„Das Angebot mobilisiert sehr, da müssen wir gar nicht viel dazu tun“, stellt ein Gewerkschaftsfunktionär fest. Die Forderung der Arbeitgeber nach längeren Arbeitszeiten auch ohne entsprechende Bezahlung stoße bei den meisten Beschäftigten nicht auf Gegenliebe, berichtet ein Betriebsrat. Vielen Arbeitnehmern schwane langsam, dass sie damit vielleicht auch ihren eigenen Arbeitsplatz aufs Spiel setzten. Zudem gibt es in den Belegschaften im Westen noch viele Männer und Frauen, die in den 80er Jahren den Einstieg in die 35- Stunden-Woche hart erkämpft haben. Sie seien nicht bereit, „das Rad der Geschichte wieder um 20 Jahre zurückzudrehen“.

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