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06.06.2017

19:17 Uhr

Krankenkassen

Falscher Wettbewerb im Gesundheitswesen

VonPeter Thelen

Die Monopolkommission fordert mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Krankenkassen. Sie sollen mehr Rechte und Möglichkeiten bekommen, Leistungsanbieter auszuwählen und das Angebot für die Versicherten zu gestalten.

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis in Briesen. Gesetzlich Versicherte haben meist gar keine Möglichkeit, die Kosten ihrer Behandlung zu beeinflussen. dpa

Landarztpraxis

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis in Briesen. Gesetzlich Versicherte haben meist gar keine Möglichkeit, die Kosten ihrer Behandlung zu beeinflussen.

Im deutschen Gesundheitssystem herrscht nur vordergründig der von der Politik immer wieder behauptete Wettbewerb um  die qualitativ beste und effizienteste Versorgung der rund  70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten. Zu diesem Ergebnis kommt die Monopolkommission der Bundesregierung in einem Sondergutachten und fordert Abhilfe. Vor allem verlangt sie von der Politik mit Blick auf die nächste Legislaturperiode, den Krankenkassen mehr Rechte und Möglichkeiten bei der Auswahl der Leistungsanbieter und der Gestaltung ihres Angebots an die Versicherten zu geben.

Formal herrscht so etwas wie  Preiswettbewerb im deutschen Krankenversicherungssystem. Denn jeder gesetzlich Versicherte  kann sich unter den 113 Krankenkassen, die es gibt, die nach seiner Ansicht am besten geeignete aussuchen. Dabei soll ihm auch helfen, dass die Krankenkassen unterschiedlich teuer sind.

Zwar gilt für alle Krankenkassen ein  der gleiche gesetzliche allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent, der je zur Hälfte von Versicherten und Arbeitgebern bezahlt werden und an den Gesundheitsfonds abgeführt werden muss. Doch können die Kassen Zusatzbeiträge erheben, wenn sie mit den Zuweisungen aus diesem Fonds nicht auskommen. Und das tun sie. In der Folge liegt die Spannweite beim Zusatzbeitrag zwischen 0,3 und  1,7 Prozent. Er muss von den Versicherten alleine aufgebracht werden.

Union und SPD haben dies in der Vergangenheit auch damit begründet, dass dadurch der Preiswettbewerb verstärkt werden würde. Das Dumme ist nur: Anders als die Preise von Tomaten oder Autos, bei denen es in der Regel einen Zusammenhang zwischen der Qualität  oder der Knappheit der Ware und dem Kaufpreis gibt, fehlt dieser Zusammenhang bei Krankenkassen nahezu völlig.

„Die Höhe des Zusatzbeitrags  ist kein zuverlässiges Signal für die Kaufentscheidung der Versicherten. Sie spiegelt keine Leistungsunterschiede wider“, so der  Chefanalyst des Monopolkommission Marc Bataille am Dienstag auf einer Veranstaltung der Viactiv, derzeit  mit 1,7 Prozent Zusatzbeitrag eine der teuersten deutschen Krankenkassen.  Das Problem beginne beim Behandlungsmarkt, der für den einzelnen Patienten völlig intransparent sei,  erläuterte Bataille. „Der Patient weiß ja, wenn er zum Beispiel zum Arzt geht, noch gar nicht, welches Produkt und welche Leistung er braucht. Das erzählt ihm ja in der Regel erst der Mediziner.“ 

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Hinzu kommt, dass der Versicherte auch die Kosten der vom Arzt auf Basis der Diagnose ausgelösten Behandlung nicht kennt. Er hat vielmehr mit der Zahlung seines monatlichen Beitrags eine Art Flat-Rate entrichtet, für die er unbegrenzt viele und teure Leistungen in Anspruch nehmen kann,  sofern sie im gesetzlichen Leistungskatalog stehen. Umso wichtiger wäre es eigentlich, dass die 113 Krankenkassen an seiner Stelle dafür sorgen, dass nur beste und effizient erbrachte  Leistungen bei Ärzten Kliniken und anderen Leistungsanbietern eingekauft werden. Doch das dürfen sie nur sehr eingeschränkt.  „Ihre Handlungsparameter im Wettbewerb sind nur wenige“ formuliert das Problem  der Wettbewerbsexperte Bataille. So gilt ein einheitlicher Leistungskatalog für alle Versicherten, der durch ein Gremium mit Vertretern von Krankenkassen, Ärzten, Krankenhäusern und Patienten, den gemeinsamen Bundesausschuss, ständig entsprechend dem medizinischen Fortschritt weiter entwickelt wird. „Das lässt sich in einem solidarischen System, wie der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung noch gut begründen.“ 

Kommentare (1)

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Herr Günther Schemutat

07.06.2017, 13:52 Uhr

Vielleicht sollte das Handelsblatt mal hinweisen , wer Krankenkassen ziemlich oft wechselt , der muss als Rentner den vollen Krankenkassenbeitrag zahlen, weil
dann die jetzige KK nein sagen darf und ihren halben Beitrag nicht zahlen muss.

Das wissen die meisten nicht und bitte einmal nachprüfen , es gibt Überraschungen.

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