Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.07.2017

14:29 Uhr

Krawalle bei G20

„Brandschatzend durch Altona“

VonChristoph Kapalschinski

Hamburgs Innensenator hat in anderen Bundesländern Unterstützung für seine Polizei angefordert. Obwohl weniger Gewalttäter als erwartet in der Stadt sind, ist die Lage eskaliert. Dazu hat die Polizeitaktik beigetragen.

Kommentar zu G20-Krawallen

„Keine gute Visitenkarte für Deutschland“

Kommentar zu G20-Krawallen: „Keine gute Visitenkarte für Deutschland“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

HamburgDie Polizei steht beim G20-Gipfel vor einer paradoxen Situation: Es sind weniger Gewalttäter nach Hamburg gekommen als befürchtet – und dennoch kommt die Polizei so schlecht gegen die Vorfälle an, dass Innensenator Andy Grote (SPD) einen Hilferuf ins gesamte Bundesgebiet geschickt hat. Im Laufe des Tages sollen weitere Polizeikräfte nach Hamburg kommen – zu den 20.000 bereits mobilisierten Kräften.

„Wir sehen ein hohes Maß extrem gewalttätiger Menschen“, sagte Grote bei einer Pressekonferenz am Freitagmittag. Er sprach von einer „Spur der Verwüstung durch Teile von Altona“. Tatsächlich war in der Haupteinkaufsstraße in dem Stadtteil am Morgen kaum ein Schaufenster heil. Eine zweistellige Anzahl von Autos brannte am Bahnhof Altona und auf der noblen Elbchaussee. Dabei nennt die Polizei nun eine Zahl von 3.500 gewaltbereiten Aktivisten – statt befürchteter 8.000.

Die Lage war am Freitagmorgen dennoch nicht unter Kontrolle. Immer wieder kam es zu Blockaden in der Demonstrationsverbotszone – und zu Gewalt gegen Beamte und Gegenstände.

Mit eine Ursache dafür ist offenbar die Polizeistrategie bei der Demonstration „Welcome to hell“ am Vorabend. Die Polizei stoppte den Marsch bereits nach wenigen Metern, weil sich Menschen im sogenannten „Schwarzen Block“ vermummt hatten. Eine Prinzipienfrage: „Vermummung ist eine Straftat, die dazu dient, bei weiteren Straftaten nicht erkannt zu werden. Deshalb gehen Veranstaltungen, die vermummt sind, in Hamburg nicht los“, sagte Grote. Es sei in den Gesprächen mit den Veranstaltern nicht gelungen, die Vermummung aufzulösen. Tatsächlich waren am Vorabend nur vereinzelt noch Vermummte zu sehen, als die Polizei einschritt.

Die Beamten schafften es jedoch nicht, die Verdächtigen zu verhaften. Stattdessen vertrieben sie den „Schwarzen Block“ mit Wasserwerfern und Reizgas. Andere tauchte unter. „Wir haben beobachtet, dass Demonstranten mehrfach die Farbe ihrer Kleidung wechselten“, klagte Grote. Effekte des schnellen Einschreitens: Einerseits konnte die Demonstration schließlich hinter dem Wasserwerfer zumindest die Hälfte der geplanten Route ablaufen. Andererseits verteilten sich die Gewalttäter aus dem Schwarzen Block in Kleingruppen in der westlichen Stadt und lieferten sich in den engen Altbau-Straßen ein Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei. Als Hundertschaften am Altonaer Bahnhof aufzogen, waren die Randalierer bereits verschwunden.

„Unsere Linie war, dass die Demonstration möglichst das Ziel erreicht. Wir hatten kein Interesse an Kleingruppen“, sagte Grote. Jetzt gebe es eine neue Lage, die mehr Kräfte erforderte. Die Polizei werde nicht immer einschreiten. „Wir werden nicht jedem Vermummten hinterherlaufen“, sagte Grote.

Der Veranstalter Andreas Blechschmidt warf der Polizei vor, sie habe die Situation eskalieren lassen. Während laufender Gespräche über die Vermummung seien Polizisten „sehr massiv mit Schlagstöcken reingegangen“, sagte Blechschmidt dem Sender „N-TV“. Damit habe die Polizei für die Eskalation gesorgt. Es habe „sehr viele“ verletzte Demonstranten gegeben.

Kommentare (45)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer von Horn

07.07.2017, 14:38 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte verwenden Sie keine Videos oder Links anderer Seiten.

Herr Old Harold

07.07.2017, 14:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Lothar Bitschnau

07.07.2017, 14:52 Uhr

Klar Hr. Blechschmidt ...
Wenn bundesweit und über die Grenzen Randalierer und Vandalen zusammengerufen werden unter dem Horror- und Actionmotto "Welcome to Hell" und das ganze zum
kulturellen Desaster für Deutschland verkommt, dann ist natürlich die Polizei schuld.
TRAGEN SIE VERANTWORTUNG Hr. Blechschmidt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×