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18.12.2011

12:34 Uhr

Kredit-Affäre

Tumultartige Szenen bei Wulff-Auftritt

Der Druck auf Bundespräsident Christian Wulff nimmt immer weiter zu. Bei einem Auftritt gab es regelrechte Jagdszenen, die Opposition fordert mit immer schärferen Worten Aufklärung. Wulff selbst sieht sich im Recht.

Bundespräsident Christian Wulff beim Verlassen der Berliner Gedächtniskirche: für Tumult entschuldigt. Reuters

Bundespräsident Christian Wulff beim Verlassen der Berliner Gedächtniskirche: für Tumult entschuldigt.

BerlinBundespräsident Christian Wulff gerät in der Affäre im seinen umstrittenen Privat-Kredit immer weiter unter Druck. Am Sonntagmorgen kam es in Berlin zu tumultartigen Szenen als das Staatsoberhaupt an einem Festgottesdienst anlässlich des 50. Jahrestages der Wiedereröffnung der Gedächtniskirche teilnahm. Vor Beginn der Messfeier wurde Wulff von zahlreichen Journalisten sowie Foto- und Kameraleuten regelrecht bestürmt und mit Fragen bombardiert. Wulff sah sich genötigt, sich im Anschluss an die Feier bei der Kirchenleitung für die Tumulte zu entschuldigen. Auf die zugerufenen Fragen der Journalisten reagierte er nicht.

Bereits am Samstag hatte Wulff zu dem Privatkredit persönlich Stellung genommen. „Man muss selber wissen, was man macht“, sagte er in Wittenberg. „Das muss man verantworten - das kann ich“, ergänzte er auf die Frage, wie er den politischen Druck aushalte.

Er könne sich weiter wunderbar mit den Bürgern unterhalten, erklärte Wulff kurz nach der Aufzeichnung einer ZDF-Weihnachtssendung bei einem Empfang. „Und das ist doch eigentlich das Wichtige, das Wesentliche, dass man die Dinge bewertet, beurteilt und dann dazu steht und dann auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden“, sagte Wulff. „Das muss man voneinander trennen.“

Anfang der Woche war bekanntgeworden, dass Wulff 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident mit einem privaten 500.000-Euro-Kredit sein Haus finanziert hatte. Das Geld hatte er nach eigener Darstellung bei der befreundeten Unternehmergattin Edith Geerkens aufgenommen. 2010 hatte er bei einer Befragung im Landtag den Kredit nicht erwähnt, als er nach seinen Geschäftsbeziehungen zu Geerkens Mann gefragt worden war.

Wulff betont, der Kredit stamme von Frau Geerkens und sei auch über ihr Konto bei der Sparkasse Osnabrück abgewickelt worden. Laut „Spiegel“ lassen Äußerungen von Egon Geerkens aber den Schluss zu, dass das Geld de facto doch von ihm stammt. „Ich habe mit Wulff verhandelt“, zitierte das Magazin Egon Geerkens. „Ich habe mir überlegt, wie das Geschäft abgewickelt werden könnte.“ Zugleich sagte der Unternehmer, mit dem Wulff seit vielen Jahren eng befreundet ist, über das Geld aber auch: „Das stammt von meiner Frau.“

Als Motivation für den Kredit nannte Geerkens in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ Freundschaft. Dazu sei die Überlegung gekommen, dass vier Prozent Zinsen von den Wulffs besser seien als „drei Prozent fürs Tagesgeld.

Kommentare (57)

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phkort

18.12.2011, 12:48 Uhr

Vielleicht war der Ministerpräsident Niedersachsens verarmt, als er sich entschloss, ein bescheidenes Einfamilienhaus mit einem Privatkredit zu finanzieren, weil er nicht genug gespart hatte. Dafür muss man doch Verständnis haben...

Lutz

18.12.2011, 12:51 Uhr

Mit Wulff hat das Amt des Bundespräsidenten eindeutig seinen Tiefpunkt erreicht.

“Vom organisierten Geld regiert zu werden ist genauso gefährlich wie vom organisierten Mob regiert zu werden.“

Das ist ein US-präsidiales Zitat (1938). Das trifft auf den gegenwärtig noch amtierenden BP Wulff zu.

alecks

18.12.2011, 13:03 Uhr

Ich habe letztes Jahr in einem Internetblog noch wesentlich mehr sehr Bedenkliches/Kritisches über Bundespräsident Christian Wulff gelesen. Wenn nur eine von vielen Aussagen dort zutreffen würden, wäre das ein Skandal, dachte ich mir. Nun ist es soweit, das Erste davon ist raus an die Öffentlichkeit... Aber die Spitze des Eisbergs kommt noch, zumindest rechne ich damit, wenn er nicht zurücktritt. Denn ER ist wohl in wesentlich mehr verwickelt, als wir heute nur erahnen können. Wohl ist der Kredit (den er ja indirekt über seinen Gönner erhalten hat) noch das Kleinste, es wird dicker kommen und die Glaubwürdigkeit unserer Politik (ich mag das Wort "Demokratie" hier vermeiden) auf das Äußerste beschädigen. Die Bürger haben ein Recht zu wissen, was da alles im Hintergrund abläuft. Das waren/sind doch keine Fehler, Wulff hat nicht damit gerechnet, dass die Sache an die Öffentlichkeit kommt, was nicht aufging. Ein Bundespräsident, der pokert? Nein, das darf nicht sein. Wehret den Anfängen.

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