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17.12.2011

10:16 Uhr

Kredit-Affäre

Wulff entschuldigt sich bei Geerkens per SMS

Bundespräsident Christian Wulff hat sich laut eines Magazinberichts bei dem Unternehmer Egon Geerkens für den Wirbel um den umstrittenen Privatkredit entschuldigt. Ausgerechnet ein SPD-Mann stärkt ihm den Rücken.

Neue Vorwürfe gegen Wulff

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München/BerlinWie das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Samstag vorab berichtete, hat Wulff während seines Kuwait-Besuches Geerkens eine SMS geschickt mit der Entschuldigung, dass er wegen des 500.000-Euro-Darlehens so in die Öffentlichkeit gezerrt werde. Der Ärger tue ihm leid, soll Wulff geschrieben haben. Der umstrittene Kredit wurde am Dienstag publik, als sich Wulff in Kuwait befand. Öffentlich nahm der Bundespräsident am Donnerstag Stellung.

Geerkens beharrte im Gespräch mit dem „Focus“ darauf, dass das Darlehen vom Konto seiner Frau stamme, er aber den Verrechnungsscheck der Bundesbank ausstellen ließ und diesen auch persönlich an Wulff übergab. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte Geerkens gesagt, er selbst habe die Verhandlungen mit Wulff geführt.

Der Grünen-Rechtspolitiker Hans-Christian Ströbele sagte dem „Focus“, wenn sich bestätige, dass Geerkens mit Wulff geführt habe, „dann könnte das die Lage völlig verändern“. Ströbele fügte hinzu: „Dann wird es eng für Herrn Wulff.

SPD-Rechtsexperte Wiefelspütz hält Wulff für „voll handlungsfähig“

Trotz der anhaltenden Vorwürfe gegen Wulff sieht der SPD-Verfassungsexperte Dieter Wiefelspütz den Bundespräsidenten nicht in seiner Arbeit beeinträchtigt. Er sei „zwar unter Druck, aber als Verfassungsorgan voll handlungsfähig“, sagte das Mitglied des Bundestagsinnenausschusses dem „Focus“ mit Blick auf die Berichte über einen Privatkredit Wulffs aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident.

„Er muss es im Kreuz haben, Gesetze, die er für evident verfassungswidrig hält, nicht zu unterzeichnen“, sagte Wiefelspütz. Dies traut er Wulff weiter zu. Dem Bundespräsidenten liegt unter anderem das umstrittene Stasiunterlagen-Gesetz zur Prüfung und Unterzeichnung vor.

Kommentare (52)

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Alfred_Neumann

17.12.2011, 10:22 Uhr

Wir fangen jetzt gerade erst an zu verstehen, was jener andere deutsche Politiker mit spendablen Gönnern in der Schweiz wirklich gemeint hat, als er von der "Spätrömischen Dekadenz" gesprochen hat. Dass sich der Wulff bei seinem Financier entschuldigt, ist ja wohl das Mindeste. Er braucht ihn ja bald wieder !

Account gelöscht!

17.12.2011, 10:36 Uhr

Das, was hier geschehen ist, ist schlicht und einfach Korruption.
Wulff hat Geld angenommen und dafür eine "freundschaftlich" Gegenleistung erbracht, nämlich Gerken in seine Wirtschaftsdelegation aufgenommen.
Daß das Ganze nicht sauber war, sieht man an den versuchten Verschleierungen. Da wird Frau Gerken als Kreditgeberin angeführt, daß Geld aber auf ein Gemeinschaftskonto zurückbezahlt. Da wird ein anonymer Bundesbankscheck verwendet, was zumindest zu genauen Rückfragen und Meldung an das Finanzamt durch die Bank hätte führen müssen, denn das Geldwäschegesetz gab es schon damals!

Also war schon damals allen Beteiligten klar, daß die Sache nicht ganz astrein war. Ich halte diese Angelegenheit für weit aus schlimmer als die Äußerung von Horst Köhler, die zu dessen Rücktritt geführt hat. Wer garantiert denn, daß Herr Wulff sich heute nicht wieder bestechen läßt? Beispielsweise um unliebsames Gesetz zu verhindern oder zu verzögern?

MaierH

17.12.2011, 10:37 Uhr

Haben wir wirklich momentan keine anderen Sorgen als sich wegen einer ollen Kamelle parteipolitisch zu exaltieren.?
Keine Partei ist ohne Fehl, trotzdem wirft fast jede in der Opposition mit Steinen.
Man erinnere sich nur an Herrn Loch Brigant in der Leuna-Affäre (Fensterdressing sei angesagt gewesen) oder der Flick-Affäre und manche weitere. Danach hat keine Partei Gründe in der heiklen Situation in der Finanz-, Banken-, Schuldenkrise auch in der BRD und seit Jahren überbordenden Verwaltungsausgaben(trotz Äußerung zu einem Schlanken Staat zu kommen) einen Nebenschauplatz für wichtiger zu erachten.
Insgesamt gesehen sind die meisten Heuchler, in Anbetracht dessen, dass die BRD bisher die am 09.12.2003 unterzeichnete UN Resolution 58/4 immer noch nicht in Deutsches Rechte umgesetzt ist.. Aus der Sicht der noch verbleibenden Nicht-Zeichnerstaaten sind wir wohl eher eine Bananenrepublik zu nennen. Da passen solche Gefechte.
Und Herr Ströble hat doch wohl ja auch schon problematische Vertretungen inne. Er sollte also nicht mit Steinen werfen
Maier H (76)

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