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19.01.2012

15:18 Uhr

Kreditaffäre

Costa Concordia rettet Wulff das Amt, nicht die Ehre

VonFlorian Kolf

Ist das "Stahlgewitter" vorbei? Schlagzeilen über das Schiffsunglück oder die Euro-Krise verdrängen den Bundespräsidenten von den Titelseiten. Doch wirklich helfen wird ihm das nicht, sagen Kommunikationsexperten.

Offizielles Porträt des Bundespräsidenten Christian Wulff im Amtsgericht in Rheine: "Schwer, sich noch Respekt zu erarbeiten." dpa

Offizielles Porträt des Bundespräsidenten Christian Wulff im Amtsgericht in Rheine: "Schwer, sich noch Respekt zu erarbeiten."

Für die Bild-Zeitung ist es ein gefundenes Fressen. Sie breitet die "Telefon-Protokolle vom Todesschiff" auf Seite 1 aus, weidet sich an den Ausreden des "Lügen-Kapitäns" ("Ich bin ins Rettungs-Boot gefallen") und berichtet seitenweise wie die Toten "in Smoking und Abendkleid durchs Gala-Restaurant getrieben sind". Beim Untergang der Costa Concordia vor der italienischen Küste läuft die Boulevard-Zeitung zur Hochform auf. Doch auch seriösere Tageszeitungen wie "Die Welt" oder die "Süddeutsche Zeitung" zeigen auf der ersten Seite Luftbilder der Katastrophe oder berichten über die neuesten Opfer-Zahlen.

Und die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff? Ist der Bild-Zeitung gerade mal einen unauffälligen Zweispalter auf Seite 2 wert.

Wulff hatte bei einem internen Neujahrsempfang für Mitarbeiter vor zwei Wochen die Hoffnung geäußert, "dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist". Jetzt könnte sich diese Hoffnung schneller erfüllen, als selbst Wulff wohl gedacht hat. "Andere, wichtigere aktuelle Vorfälle wie beispielsweise der Untergang der Costa Concordia verdrängen den Fall Wulff aus den Schlagzeilen", beobachtet Kommunikationsberater Hasso Mansfeld die Situation. Er wagt die Prognose: "Christian Wulff hat die Angriffe der Medien überstanden." Auch andere Megathemen wie die Rating-Herabstufung von neun Euro-Ländern lenken die Aufmerksamkeit der Politik- und Wirtschaftspresse wieder auf Themen wie die Schulden- und Eurokrise.

Bettina und Christian Wulff im Käfer-Festzelt auf dem Oktoberfest. dpa

Bettina und Christian Wulff im Käfer-Festzelt auf dem Oktoberfest.

Dazu kommt: Wirklich wichtige Neuigkeiten zum Fall Wulff sind rar geworden. "Was jetzt noch an neuen Vorwürfen kommt, wird immer belangloser", sagt Mansfeld. Da enthüllt etwa die Berliner Zeitung, dass Wulffs Sohn von einem Autohändler ein Bobby-Car zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Auch die Tatsache, dass der Bundespräsident im Flugzeug in die Business Class gebettet wird, obwohl er nur Holzklasse gebucht hat, wäre zu anderen Zeiten keine Meldung wert gewesen. "Jetzt wird dem Bundespräsidenten etwas kleinkariert jedes Bier, das ihm auf dem Oktoberfest ausgegeben worden ist, nachgehalten", kritisiert der Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg, Leiter des Instituts für Journalistik an der Universität Hamburg.

Deutlich zu beobachten ist die abnehmende Wahrnehmung der Wulff-Affäre auch beim Kurznachrichtendienst Twitter. War der Begriff "Wulff" um die Jahreswende noch eins der beherrschenden Themen in den Twitterfeeds, ist die Zahl der Tweets zu dem Thema jetzt deutlich zurückgegangen. Das Schlagwort "Concordia" dagegen hat jetzt einen Anteil an den gesamten Tweets, den die die Wulff-Affäre selbst zu ihren aufregendsten Zeiten nicht hatte.

Immer mehr zeichnet sich ab, dass Wulff es tatsächlich schaffen dürfte, die von seinem umstrittenen Privatkredit ausgelöste Aufregung im Amt auszusitzen. "Die Affäre wird in einem langweiligen juristischen Geplänkel auslaufen – ohne dass Wulff zurücktritt", sagt Kommunikationsberater Mansfeld voraus.

Kommentare (27)

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19.01.2012, 15:28 Uhr

Ach,hätten wir mehr Menschen wie Wulffosconi am Steuer würde ganz D,wie Italien und die Costa jetzt auf der Seite liegen.Bei uns sind nur die Hälfte der Besatzung von absoluter Unfähigkeit betroffen-in Italien fast 80%.

Account gelöscht!

19.01.2012, 15:28 Uhr

Dem HB gelingt es nicht, sich von dieser unseriösen Kampagne abzusetzen, und nutzt jede Gelegenheit zu einem "Nachschlag". In wessen Diensten steht dieses Blatt? Außer den Finanzdaten ist da allmählich nichts mehr glaubhaft.

Leopold

19.01.2012, 15:29 Uhr

"Kommunikationsexperten", die sich Auflage vom Rücktritt Wulffs versprochen haben. Das ist nur noch Geschäftemacherei, dieses ansonsten äusserst unseriöse Gebaren der Presse.

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