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19.12.2011

20:49 Uhr

Kreditaffäre

Merkel stärkt Wulff den Rücken

Trotz aller Kritik: Hochrangige Politiker haben sich in der Kreditaffäre nun hinter Bundespräsident Wulff gestellt. Nicht nur Bundeskanzlerin Merkel stärkt ihm den Rücken, selbst DGB-Chef Sommer lobt seine Amtsführung.

Bundespräsident Christian Wulff mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). dapd

Bundespräsident Christian Wulff mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

BerlinKanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem in der Kritik stehenden Bundespräsidenten Christian Wulff erneut ihre Unterstützung versichert. „Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, und das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt“, sagte Merkel am Montag am Rande eines Besuchs der Bundeswehrsoldaten im Kosovo. „Deshalb glaube ich, dass es wichtig ist und richtig ist, dass heute auch bestimmte Dokumente eingesehen werden können, und dass alles für die Aufklärung getan wird.“

Die Kanzlerin ergänzte: „Ansonsten hat der Bundespräsident mein vollstes Vertrauen.“ Während Wulff auch von FDP-Politikern Rückendeckung bekam, verlangte die SPD vom Bundespräsidenten persönlich vollständige Aufklärung über dessen frühere enge Beziehungen zu Unternehmern und sprach von einem „merkwürdigen Amtsverständnis“. Wulff war wegen eines Privatkredits für sein Haus über 500 000 Euro und mehrerer Urlaubsreisen auf Kosten befreundeter Unternehmer in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident in die Kritik geraten. Merkel hatte bereits am Donnerstag betont, dass sie die Arbeit des Bundespräsidenten schätze und würdige.

Merkel: Wulff hat mein vollstes Vertrauen

Video: Merkel: Wulff hat mein vollstes Vertrauen

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Seit Montag können Journalisten die Unterlagen für den umstrittenen Kredit, den eine Unternehmer-Gattin dem Ehepaar Wulff für den Kauf eines Hauses gewährt hat, in einer Berliner Anwaltskanzlei einsehen. Viel schlauer dürfte dadurch niemand geworden sein. Wichtige Fragen bleiben weiter offen. Allerdings: Im zweiten und vielleicht wichtigsten Papier, dem Darlehensvertrag, ist die alleinige Unterschrift von Edith Geerkens ebenso eindeutig zu erkennen wie die von Bettina und Christian Wulff.

Keinen Aufschluss gibt die Seite aber naturgemäß darüber, ob Edith Geerkens Ehemann Egon den Vertrag nicht vielleicht doch eingefädelt, besprochen und mit Wulff verabredet hat, wie Kritiker des Bundespräsidenten mutmaßen. Interessant bestenfalls, dass der Zinssatz handschriftlich von zunächst 4,5 Prozent auf 4,0 Prozent reduziert wurde, die monatliche Zahlung entsprechend von 1875 auf 1666 Euro.

Neben der nun gewährten Akteneinsicht hatte Wulff am Sonntag über seine Anwälte zudem eine Liste von Urlauben veröffentlichen lassen, die er als Regierungschef bei befreundeten Unternehmern gemacht hat.

Wulffs Urlaubs-Freunde

Edith und Egon Geerkens

Egon Geerkens hat erst mit Schrott und dann mit Schmuck sein Vermögen gemacht. 2009 verbrachten Christian und Bettina Wulff ihren Weihnachtsurlaub in der Villa des Unternehmerehepaares in Florida. Geerkens sei zum Zeitpunkt der USA-Reise zum Jahreswechsel 2009/2010 nicht mehr unternehmerisch tätig gewesen. Aber auch schon 2003 und 2004 machte Wulff nach der Liste seiner Anwälte mit seiner damaligen Frau Christiane beim Ehepaar Geerkens in Spanien Urlaub. Der Bundespräsident ist mit dem medienscheuen Unternehmer seit vielen Jahren befreundet. Das Paar lebt inzwischen in Luzern in der Schweiz. In Osnabrück hatte Egon Geerkens zuletzt ein Schmuckgeschäft und mehrere Immobilien.

Wolf-Dieter Baumgartl

Der 68-Jährige Manager gilt als einer der wichtigsten Köpfe in der deutschen Versicherungsbranche. 1993 wurde er Vorstandschef des Versicherers HDI in Hannover, den er erfolgreich umbaute und auch durch Übernahmen vergrößerte. Baumgartl schuf den heute drittgrößten deutschen Versicherungskonzern Talanx. 2006 übernahm er den Talanx-Aufsichtsratsvorsitz. In einem Anwesen Baumgartls in Italien hatte sich Wulff mit seiner Frau im Jahr 2008 aufgehalten.

Angela Solaro und Volker Meyer

Über die beiden ist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig bekannt. Das ältere Paar lebt auf der Nordsee-Insel Norderney, einem der liebsten Urlaubsziele von Wulff. Er soll dass Paar schon besucht haben, als er noch Landesvorsitzender der Jungen Union in Niedersachsen war. Womit die langjährigen Freunde ihr Geld verdienen, ist unklar. Laut Medien besitzen sie ein Süßwaren-Spezialitätengeschäft und vertreiben Feinkost. 2008 und 2009 hatte die Familie Wulff das Ehepaar auf Norderney besucht.

Carsten Maschmeyer

Der Unternehmer gilt als schillernde Persönlichkeit und begnadeter Verkäufer. Nach dem Abbruch eines Medizinstudiums gründete der 52-Jährige den Finanzdienstleister AWD und machte Millionen. 2007 übernahm der Versicherer Swiss Life den AWD. Maschmeyer, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, gilt als wichtige Figur eines einflussreichen Kreises in Hannover aus Unternehmern, Politikern und anderen Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Sport. Er gilt als Freund sowohl von Altkanzler Gerhard Schröder als auch von Bundespräsident Christian Wulff. Wulff machte 2010 Urlaub in einem Appartement einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, stellte sich hinter den in die Kritik geratenen Bundespräsidenten Christian Wulff. „Es gibt an seiner Amtsführung als Bundespräsident bislang nichts auszusetzen“, sagte Sommer am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Er lobte ausdrücklich Wulffs Auftreten bei seiner Israel-Reise und seine Rede vor einem Jahr zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit.

Der DGB-Chef verlangte allerdings auch rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge, deretwegen Wulff in die Kritik geraten ist. „Ich glaube, dass alle Vorgänge, die Wulff selber auf den Tisch gelegt hat einschließlich seiner privaten Urlaubsreisen und seiner Beherbergung bei Freunden, offen gelegt werden müssen, um jeden Zweifel an der Integrität seiner Amtsführung als Ministerpräsident zu zerstreuen.“

Kommentare (25)

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volksvertreter

19.12.2011, 17:24 Uhr

Dass Herr Blome gestern so derart gegen Herrn Wulf schoss, setzt voraus, dass er dafür die Zustimmung von ganz oben aus der politischen Kaste haben musste. Ansonsten würde sich ein Bild-Redakteur niemals erlauben, so gegen einen Bundespräsidenten, noch dazu aus der CDU zu äußern, denn das was gegen Herrn Wulf angemerkt wurde, ist vernichtend für ihn. M.E. kann Herr Wulf sich nach der gestrigen Sendung nur noch ins Ausland absetzen, da er hier im Lande verbrannt ist. Wenn jetzt sogar noch Details aus dem früheren Privatleben unserer „Steintor-Partygängerin“ (Frau Bettina) in die Öffentlichkeit gelangen, sind sie tatsächlich erledigt. M.E. eine Intrige. Unabhängig davon dass ich das Verhalten von Herrn Wulf als absolut inakzeptabel und ihn selbst als absolut talentfrei bezeichne, ist diese Kampagne gegen ihn peinlich für unser Land. Vor dem Hintergrund, dass er im Falle eines Rücktritts bis an sein Lebensende 200.000 Euro Jahresgehalt nebst Büro und Dienstwagen erhält, sollte auch bis zu seinem Lebensende im Amt bleiben, damit er auch was tun muss für sein Geld, und wenn es nur die Funktion des Gruß-August ist. Mehr nimmt er ja eh nicht wahr.

Thomas-Melber-Stuttgart

19.12.2011, 17:34 Uhr

Wie kann sich Frau Merkel anmaßen, die Arbeit des Bundespräsidenten zu werten?

oldendorp..

19.12.2011, 17:35 Uhr

..
FREI ZUM ABSCHUSS
UND DIE MORAL BLEIBT AUF DER STRECKE
....................................
es ist alles erlaubt, was eine gute schlagzeile
und das beste foto bringt..
..
nach diesem motto sind zzt. fotografen, journalisten,
moderatoren, politiker und "volkes stimme" dabei, ohne
rücksicht über die folgen ihrer HETZJAGD" herrn wulff
in seiner würde zu beschädigen..
..
erinnern wir uns, dass einige politiker zb. der grünen
vorsitzende selbst probleme mit der justiz hatte und ins
europaparlament flüchten musste.
..
heute ist er der grosse moralapostel seiner partei und
wirft dem bundespräsidenten verfehlungen vor..
..
herr trittin hatte mit falschen behauptungen gegenüber
bundespräsident köhler zu dessen rücktritt wesentlich
beigetragen..
..
es darf nicht weiter zugelassen werden, dass aus partei-
tagtischen gründen das amt des staatoberhauptes beschä -
digt und unser land in mitleidenschaft gezogen wird..
..
die zielrichtung der GRÜNEN ist seit der der wahl in ba-
den-württenberg eindeutig..!!!
..
besetzen von landesinstitutionen und verbreitung von
unsicherheit und stillstand auf bundesebene..!!
..

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