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17.01.2010

12:09 Uhr

Kreditklemme

„Jetzt sind wir in der Realität angekommen“

Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Manfred Weber, warnt vor einer Kreditklemme. Grund dafür seien die schlechten Bilanzen der Unternehmen. Vorwürfe gegen die Banken wies Weber in einem Interview mit dem Tagesspiegel zurück.

Manfred Weber, Chef des Bankenverbandes, warnt vor einer Kreditklemme. Quelle: ap

Manfred Weber, Chef des Bankenverbandes, warnt vor einer Kreditklemme.

HB BERLIN. Der Bankenverband warnt vor einer finanziellen Unterversorgung deutscher Unternehmen. "Ich kann eine Kreditklemme für das Jahr 2010 nicht ausschließen", sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Weber dem "Tagesspiegel". Grund für eine mögliche Unterversorgung seien die schlechten Bilanzen aus dem Jahr 2009, die die Unternehmen jetzt im ersten Quartal vorlegten - diese seien die Grundlage für die Kreditvergabe.

Den Vorwurf, die Banken würden Eigenkapital zurückhalten, um sich selbst zu sanieren, wies Weber zurück: "Wir haben aus der Krise gelernt und tun genau dass, was unsere Aufgabe ist, nämlich Risiken noch genauer zu prüfen und adäquat zu bepreisen." Die steigenden Zinsen seien lediglich eine Anpassung an eine neue Situation. "Wir haben Verhältnisse gehabt, die langfristig nicht tragfähig waren", sagte Weber zu den Zinskonditionen vor der Wirtschaftskrise.

"Kapital hat seinen Preis, jetzt sind wir in der Realität angekommen." Zu der in den USA geplanten Sonderabgabe für große Banken sagte Weber, diese sei "kein zielführender Weg": "Von verfassungsrechtlichen Fragen und den Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung einmal ganz abgesehen: Niemand weiß heute, welche Lasten letztlich aus den Stabilisierungsmaßnahmen resultieren. In Deutschland jedenfalls sind bis dato beim SoFFin keine Verluste entstanden", betonte Weber.

Der US-Präsident hatte die Abgabe damit begründet, die Banken an den Kosten der Finanzkrise beteiligen zu wollen. In Deutschland hat der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung die Banken bislang mit rund 160 Milliarden Euro an Garantien und Kapitalspritzen unterstützt.

Kommentare (4)

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Otto

17.01.2010, 13:41 Uhr

Herr Weber sollte überlegen was und wie er es sagt. Halbe Wahrheiten sind eine Unverschämtheit. Es ist eventl. richtig, dem SoFFin-Fonds sind (noch) keine Verluste entstanden. Aber was ist durch das unverantwortliche Spielkasinohandeln der banken in der Wirtschaft geschehen. Den banken war seit Jahren klar welches Risiko sie bei der Zokkerei eingehen. Seit Jahren wird in Teilen der Presse auf die Risiken der immobilienfinanzierung und der Kreditverpackungen hingewiesen. Es wäre angesicht der blauäugigkeit und Risikoverdrängung der banken und der Ratingagenturen wichtig, dass diese über Jahrzehnte den angerichteten Schaden bezahlen müssen. Selbstverständlich sind auch die Vorstände und die Aufsichtsratsmitglieder zur Verantwortung zu ziehen. Und wenn Politiker ohne jegliche wirtschaftlichen Kenntnisse als Aufsichtsrat tätig sind, muss dies doppelt und zwar persönlich bestraft werden.

mommsen

17.01.2010, 16:30 Uhr

Leser Otto schrieb in seinem Kommentar, dass den banken doch schon seit Jahren klar gewesen sei, welche Risiken mit der "Zockerei" einhergingen. Offen gesagt: das verstehe ich nicht. Wieso Risiken?

Solange der Steuerzahler für alles aufkommt, gibt es kein Risiko. Der Gedanke, die banken hätten riskant "gezockt", führt an den Realitäten doch in Wahrheit vorbei. Statt blindlings zu "zocken", haben die banken höchst nüchtern und mit großer besonnenheit spekuliert. Die in den banken gehegte Vermutung, dass der Steuerzahler für alle Verluste am Schluss sicher bereitwilligst aufkommen werde, hat sich bislang im Grunde bewahrheitet.

Mein Fazit lautet daher: besser und umsichtiger als die Vorstände der Großbanken kann niemand wirtschaften. Gewiss, mit Marktwirtschaft hat das alles zumeist nichts mehr zu tun. Aber wegen des in Deutschland doch recht weit verbreiteten Wissens um das Scheitern der DDR, wäre es der deutschen Öffentlichkeit heute auf keinen Fall zumutbar, würden sich deutsche Politiker und banker offen zu den Prinzipien einer staatssozialistischen buchhaltung bekennen.

Ganz so, als seien Frau Merkel, Herr Ackermann, Herr Steinbrück und Herr Westerwelle nicht lernfähig, scheinen einige bürger zu glauben, die genannten Personen hätten nicht zumindest diese eine Lektion während des Untergangs der ostdeutschen Wirtschaft im Jahr 1989 gelernt: Sozialistische buchhaltung ist möglich, doch man darf sich als politisch oder wirtschaftlich verantwortliche Spitzenkraft nicht à la Erich Honecker offen zum Sozialismus bekennen!

ich finde, so viel historische Lernfähigkeit verdient großen Respekt, und sollte den Verantwortlichen nicht zum Vorwurf gemacht werden.

Wenn die Verantwortlichen gleichwohl immer wieder schweren Vorwürfe ausgesetzt sind, so streift dies meines Erachtens gelegentlich bereits die Grenze zur boshaftigkeit. Leser Otto möge mich nun aber bitte nicht falsch verstehen: ich sprach wohlgemerkt nur vom Streifen der Grenze, nicht aber von deren Übertretung! Grenzübertritte wären auf keinen Fall hinnehmbar. Aber gut - das waren sie zu Honeckers Zeiten ja auch nicht.

winawer

17.01.2010, 16:48 Uhr

#mommsen

dieser kommentar macht dem familiennamen alle ehre.
allerdings: selbst wenn er richtig verstanden wird - was soll sich ändern?

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