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19.10.2013

08:27 Uhr

Kretschmann präsent wie nie

Werden die Grünen zur Realo-Partei?

Nach der Schlappe bei der Bundestagswahl kämpfen die Oberrealos um Baden-Württembergs Regierungschef Kretschmann um mehr Einfluss in der Bundespartei. Heißt von den Südwest-Grünen lernen siegen zu lernen?

Grünen-Realo Winfried Kretschmann: Er kämpft bei der Neuausrichtung gegen die Parteilinken, um die Grünen wirtschaftsnäher zu machen. dpa

Grünen-Realo Winfried Kretschmann: Er kämpft bei der Neuausrichtung gegen die Parteilinken, um die Grünen wirtschaftsnäher zu machen.

Stuttgart/BerlinBaden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gilt eigentlich als zurückhaltend. Seitdem die Grünen aber die Bundestagswahl krachend verloren haben, ist der erste grüne Regierungschef auf ungewohnt vielen Kanälen präsent. Er und seine Südwest-Realos kämpfen darum, die Grünen bei ihrer nun anstehenden Neuausrichtung wirtschaftsnäher zu machen und attraktiver für bürgerliche Wähler. Gleich an diesem Freitag will Kretschmann auch auf dem Grünen-Parteitag in Berlin das Wort ergreifen. Verschieben die Realos die Grünen hin zur Mitte?

Der Linkskurs der Grünen im Wahlkampf, die Kettung an die SPD, die Kritik an den herrschenden Verhältnissen – all das gilt als eine Hauptursache für die 8,4-Prozent-Niederlage. Doch die Realos haben seither alles andere als einen Durchmarsch hingelegt. Besser sortiert präsentierten sich die Parteilinken. Für alle sichtbar war dies, als Kretschmanns Lieblingskandidatin für die Fraktionsspitze, Kerstin Andreae, klar gegen Katrin Göring-Eckardt verlor. Göring-Eckardt konnte auch auf die Stimmen vieler Linken vertrauen. Es zeigte sich: Eine Leitfigur haben die Realos nicht.

Sondierungsgespräche: Projekt Schwarz-Grün gescheitert – vorerst

Sondierungsgespräche

Projekt Schwarz-Grün gescheitert – vorerst

Nach siebenstündigen Sondierungen gab es zwar viel Lob für den Tonfall der Gespräche – doch für eine gemeinsame Regierung zu wenig Gemeinsamkeiten. Nun richten sich die Erwartungen der Union auf die SPD.

In der Berliner Sondierungsdelegation war der schwäbische Katholik Kretschmann einer von acht Grünen. Er gilt als schwarz-grün-freundlich, auch waren von der Union danach anerkennende Töne zu hören – aber besonders gelobt wurde ausgerechnet Kretschmanns interner Gegenspieler Jürgen Trittin.

Kopfschütteln in den eigenen Reihen erregte Kretschmann mit einem „Spiegel“-Interview. „Die Partei ist aus der Spur geraten“, stellte er fest. Schwächt das nicht die Position beim Sondieren?, fragten sich manche Grüne. War auch Parteichef Cem Özdemir gemeint, auch Südwest-Realo? Er muss ohnehin um ein gutes Ergebnis bangen bei der geplanten Bestätigung beim Parteitag am Wochenende.

Eine Intention ist klar: Kretschmann und seine Mitstreiter arbeiten daran, ihren Einfluss bei den Bundes-Grünen ausbauen. Jahrelang galt der 65-jährige Schwabe in Teilen der Partei als verschroben. Seine Widersacher sollen bewusst darauf hingearbeitet haben, dass der Einfluss der Südwest-Oberrealos nicht zu groß wird.

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