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10.09.2011

09:53 Uhr

Krieg gegen den Terror

Die wahren Kosten der Anschläge

VonMarkus Ziener, Johannes Pennekamp

Die Anschläge am 11. September 2001 waren ein Angriff auf das Herz der westlichen Wirtschaft. Der ökonomische Schaden für die USA wirkt bis heute nach. Die verheerende Bilanz.

Bushs legendäre Rede am Ground Zero

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WashingtonMaximalen Schaden anzurichten, das war das Ziel von Osama bin Laden und El Kaida. Als die Terroristen die Anschläge vom 11. September 2001 planten, wollten sie möglichst viele Menschen töten und gleichzeitig den größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Deshalb steuerten sie zwei Flugzeuge in das World Trade Center, das Herz der westlichen Wirtschaftswelt.

Wie teuer der Anschlag und der darauf folgende „Krieg gegen den Terror“ die USA zu stehen kommen würde, hätte sich aber auch Bin Laden wohl niemals träumen lassen. Die Bilanz nach zehn Jahren ist verheerend: Ökonomen schätzen, dass die Kosten für die USA inzwischen ähnlich hoch sind wie im Zweiten Weltkrieg. Die enormen Ausgaben trieben die Staatsverschuldung in die Höhe, die heute schwer auf dem Land lastet. Zugleich begünstigte die Konzentration der Supermacht auf den Anti-Terrorkampf den Machtverlust gegenüber China.

Allein die Waffengänge in Afghanistan und im Irak kosteten nicht nur mehr als 6 000 US-Soldaten und zahllosen Zivilisten das Leben, sie verschlangen darüber hinaus eine unvorstellbare Menge Geld. Eine aktuelle Studie der Brown University beziffert die Ausgaben für die Kriege, die die Regierung unter Präsident George W. Bush nach den Anschlägen anzettelte, auf 3,7 bis 4,4 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Den Vietnam-Krieg taxieren Experten inflationsbereinigt auf 686 Milliarden, den Zweiten Weltkrieg auf 4,4 Billionen Dollar.

Seit dem 11. September starben weltweit hunderte Menschen bei Anschlägen

September/Oktober 2001

In den Wochen nach 9/11 erhalten US-Kongressabgeordnete Briefe mit Milzbranderregern. Fünf Menschen sterben an Lungenmilzbrand. Das FBI prüft einen terroristischen Hintergrund. Später erhärtet sich der Verdacht, dass die Bakterien aus Labors des amerikanischen Biowaffenprogramms stammen. 2008 wird dem US-Biologen Bruce Ivins vorgeworfen, für die Versendung verantwortlich zu sein. Bevor es zur Anklage kommt, nimmt sich der Wissenschaftler das Leben.

 

11. April 2002

Mit einem Lastwagen voller Flüssiggas verübt ein Tunesier einen Anschlag auf die Al-Ghriba-Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba. 21 Menschen sterben, darunter 14 deutsche Touristen. 2009 wird der Duisburger Islamist Christian G. in Paris als Komplize verurteilt - er hatte Zugang zum Al-Kaida-Führungszirkel in Afghanistan.

23. Oktober 2002

Tschetschenische Rebellen besetzen ein Musical-Theater in Moskau und nehmen 800 Geiseln. Russische Spezialkräfte stürmen zwei Tage später das Gebäude und erschießen 41 Geiselnehmer. 129 Geiseln werden getötet: zwei durch Schüsse, die übrigen durch das Narkosegas der Sicherheitskräfte. Die Täter forderten ein Ende der russischen Militäraktionen in ihrer Heimat.

16. Mai 2003

Fünf Sprengsätze detonieren fast gleichzeitig im Zentrum der marokkanischen Hafenstadt Casablanca und beschädigen ein jüdisches Gemeindezentrum, das belgische Konsulat, ein Hotel und ein spanisches Restaurant. 41 Menschen werden getötet, rund 100 Menschen verletzt. Innenminister Mustapha Sahel macht Selbstmordattentäter für die Tat verantwortlich und spricht von der „wohlbekannten Handschrift internationaler Terroristen“.

15. November 2003

Zwei Selbstmordattentäter reißen bei Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul 23 Menschen mit in den Tod. Etwa 300 Menschen werden bei den Explosionen der Autobomben verletzt.

20. November 2003

Bei Bombenanschlägen auf das britische Konsulat und eine britische Bank in Istanbul werden mindestens 30 Menschen getötet, darunter auch der britische Generalkonsul Roger Short. Rund 400 Menschen werden verletzt.

11. März 2004

Der islamistische Terror kommt nach Westeuropa: Sprengstoffattentäter greifen überfüllte Nahverkehrszüge in Madrid an. Sie haben zehn Sprengsätze in ihren Rucksäcken versteckt. 191 Menschen werden in den Tod gerissen, etwa 1.800 verletzt. Der Anschlag wurde nicht direkt von Al-Kaida geplant, ein Drahtzieher erklärt 2004 aber, im Namen der Organisation gehandelt zu haben.

1. September 2004

Tschetschenische Rebellen besetzen eine Schule im russischen Beslan und nehmen mehr als 1.200 Schulkinder und deren Angehörigen in ihre Gewalt. Die Geiselnahme endet nach drei Tagen in einem Inferno aus Explosionen und Schüssen. 330 der Geiseln sterben, fast die Hälfte von ihnen Kinder. Bei der Erstürmung des Gebäudes durch Sicherheitskräfte werden auch 31 der 32 Täter getötet.

 7. Juli 2005

Bei nahezu zeitgleichen Anschlägen auf Londoner Busse und U-Bahn-Stationen kommen 52 Menschen ums Leben. Hunderte werden verletzt. Die islamistisch motivierten Täter wohnten in England.

31. Juli 2006

Nach den Attacken in Spanien und England wollen islamistische Terroristen auch in Deutschland einen Terroranschlag verüben: Auf dem Kölner Hauptbahnhof deponieren sie zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz, die aber nicht explodieren. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft verhinderten nur die mangelhaften Chemiekenntnisse des später verurteilten Attentäters ein Blutbad unter den Reisenden

10. August 2006

Die britische Polizei verhindert nach eigener Darstellung eine Serie von Terroranschlägen auf Flugzeuge und damit einen „Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß“. 24 Verdächtige sollen geplant haben, Sprengstoff in flüssiger Form auf Transatlantikflüge in die USA zu schmuggeln und in der Luft zur Explosion zu bringen.

30. Juni 2007

Einen Tag nach der Entdeckung zweier Autobomben in London rast ein Geländewagen in die Abfertigungshalle des Flughafen Glasgow und geht in Flammen auf. Fünf Menschen werden verletzt. Die Behörden rufen die höchste Terroralarmstufe aus.

14. August 2007

Vier irakische Selbstmordattentäter zünden fast zeitgleich Sprengsätze in Wohnvierteln der religiösen Minderheit der Jasidis im Nordwesten des Landes. 175 Menschen sterben bei dem Attentat im Irak. Etwa 200 werden nach Militärangaben verletzt. Der Bürgermeister von Sindschar, einer Stadt unweit der Anschlagsorte, macht Al-Kaida im Irak für die Bluttat verantwortlich.

4. September 2007

Nach umfassenden Ermittlungen und Observationen nehmen deutsche Polizisten drei Terroristen der sogenannten Sauerland-Gruppe fest. Zwei Monate später geht den Fahndern in der Türkei der vierte Verdächtige ins Netz. Die selbst gebastelten Autobomben der Mitglieder der Al-Kaida-nahen Islamischen Dschihad-Union sollten vor US-Einrichtungen in Deutschland im Namen des Islams Hunderte von Menschen in den Tod reißen. Im März 2010 werden die Terroristen, darunter zwei deutsche Konvertiten, zu Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt.

20. September 2008

Eine Autobombe verwüstet das Marriott-Hotel in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Mindestens 54 Menschen sterben, mehr als 250 werden verletzt.

26. November 2008

Vermutlich aus Pakistan stammende Terroristen überfallen im indischen Mumbai unter anderem das Luxushotel Taj. Unter den 164 Toten sind auch Deutsche.

25. Dezember 2009

Am Weihnachtstag scheitert der Selbstmordanschlag eines Nigerianers an Bord eines US-Passagierflugzeugs nach Detroit; der in seiner Unterhose versteckte Sprengsatz zündet nicht. Der Al-Kaida-Zweig auf der arabischen Halbinsel übernimmt die Verantwortung, später stellt sich auch Bin Laden selbst dahinter.

1. Mai 2010

Ein aus Pakistan stammender US-Bürger will in einem von ihm auf dem New Yorker Times Square abgestellten Geländewagen drei Bomben zünden. Alle drei Sprengsätze werden aber rechtzeitig entschärft. Der in Pakistan ausgebildete Taliban-Kämpfer wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

11. Juli 2010

Bei einem Doppelanschlag auf Fußballfans in Uganda kommen 76 Menschen ums Leben. In der Hauptstadt Kampala explodieren während der Übertragung des WM-Finales in einem äthiopischen Restaurant und einem Rugby-Klub Sprengsätze. Die islamistische somalische Al-Shabab-Miliz bekennt sich zu den Anschlägen und erklärt, sie seien die Rache für die Beteiligung Ugandas an der Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) in Somalia.

29. Oktober 2010

Paketbomben aus dem Jemen sorgen für Aufregung. Sie sind an Synagogen im Großraum Chicago adressiert. Eine der Paketbomben wird per Luftpost über Deutschland transportiert. Sie kann nach einem Hinweis der deutschen Sicherheitsbehörden in Großbritannien abgefangen werden. Die Al-Kaida-Filiale auf der arabischen Halbinsel bekennt sich zu dem Anschlagsversuch. Er löst eine Diskussion über die Sicherheit im Luftfrachtverkehr aus.

31. Oktober 2010

Selbstmordattentäter nehmen Gläubige in einer katholischen Kirche in Bagdad als Geiseln und bringen Stunden später ihre Sprengstoffgürtel zur Explosion. 68 Menschen sterben. Eine Gruppe mit Verbindungen zu Al-Kaida bekennt sich später zu der Tat. Ein Dreivierteljahr nach der Geiselnahme verurteilt ein irakisches Gericht drei Angeklagte als Drahtzieher der Bluttat zum Tode.

11. Dezember 2010

In der Innenstadt von Stockholm detoniert zunächst ein Auto, kurz darauf kommt ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter bei einer weiteren Explosion in der Nähe ums Leben. Zwei Menschen werden verletzt. Medienberichten zufolge deutet ein Bekennerschreiben auf einen islamistischen Hintergrund hin. Die schwedische Polizei geht davon aus, dass die Explosionen auf der Einkaufsstraße von einem Einzeltäter verübt wurden.

24. Januar 2011

Bei einem Terroranschlag mit Sprengstoffgürteln auf einem Moskauer Flughafen sterben 36 Menschen. 180 weitere werden nach Regierungsangaben verletzt, unter ihnen auch ein Deutscher. Präsident Dmitri Medwedew spricht von einem Terrorakt. Der Selbstmordattentäter soll russischen Ermittlern zufolge ein 20-jähriger Mann aus dem Kaukasus gewesen sein. Später bekennt sich der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow zu dem Anschlag.

2. März 2011

Zum ersten Mal endet ein islamistisch motivierter Terroranschlag in Deutschland tödlich: Ein 21-jähriger Kosovare mit Wohnsitz in Frankfurt schießt am Flughafen der Stadt zwei US-Soldaten nieder und verletzt zwei weitere. Es soll sich um einen Einzeltäter handeln, der sich im Internet radikalisiert haben soll. Das Verfahren gegen ihn beginnt am 31. August.

29. März 2011

Bei einer Geiselnahme in einem Regierungsgebäude im Irak sterben mindestens 56 Menschen. Am Ende des mehrstündigen Dramas mit heftigen Feuergefechten in der Stadt Tikrit werden 15 Geiseln durch Kopfschüsse hingerichtet, bevor sich die Täter selbst in die Luft sprengen. Mindestens 98 weitere Menschen wurden verletzt. Die Behörden machen den irakischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida für die Tat verantwortlich.

11. April 2011

In Weißrussland sterben bei einem Terroranschlag auf eine U-Bahn-Station im Zentrum von Minsk 13 Menschen. Mehr als 200 werden verletzt.

28. April 2011

Bei einem Bombenanschlag auf ein Café in Marrakesch kommen 16 Menschen um, darunter 14 Ausländer. Die marokkanische Regierung vermutet Al-Kaida dahinter.

29. April 2011

Die Bundesanwaltschaft lässt drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder in Bochum und Düsseldorf festnehmen. Die Männer seien beim Bau eines Sprengsatzes „noch in der Experimentierphase“ gewesen, hätten aber den Auftrag gehabt, einen Anschlag in Deutschland zu begehen.

 

22. Juli 2011

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik verübt einen Doppelanschlag. Durch die Explosion einer selbst gebauten Bombe am Osloer Regierungssitz sterben acht Menschen. Anschließend erschießt Breivik in einem Jugendlager auf der norwegischen Insel Utöya 69 Menschen. Der 32-Jährige gesteht die Taten und erklärt, sie seien Teil einer Kulturrevolution gegen eine „Islamisierung“ Europas.

Der amerikanische Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat dazu seine eigene Rechnung aufgemacht. Der Wirtschaftsprofessor der Columbia University kalkulierte die Kriegskosten bereits 2008 auf drei bis fünf Billionen Dollar. Heute, betont Stiglitz, sei diese Annahme längst von der Realität überholt: Addiere man alle finanziellen Belastungen hinzu, die durch Invalidenrenten und Behandlungskosten für viele zum Teil schwer verletzte Soldaten entstünden, dann steige die Summe noch einmal um bis zu 900 Milliarden Dollar. Zusätzlich hätten die im Zuge der Kriege gestiegenen Ölpreise die US-Verbraucher gezwungen, deutlich mehr Geld für Benzin statt für den Kauf amerikanischer Waren auszugeben.

Am meisten bekümmert den meinungsstarken Wirtschaftsprofessor aber, dass die Kriege auf Pump finanziert wurden. Als Bush im Januar 2001 die Regierungsgeschäfte von Bill Clinton übernahm, hinterließ der einen ordentlichen Haushaltsüberschuss. Bush ordnete nicht nur zwei große Kriege an, er beglückte die amerikanische Oberklasse auch noch mit Steuergeschenken. Die Steuersenkungen der Jahre 2001 und 2003 sowie die gestiegenen Militärausgaben sind laut Stiglitz „der Schlüssel dafür, warum wir von einem Überschuss in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts jetzt in eine prekäre Defizit- und Schuldenposition geraten sind“.

Dagegen wirken die direkten Schäden der Anschläge vom 11. September geradezu winzig. Die eingestürzten Gebäude, die zerstörte Infrastruktur und die Aufräumarbeiten rund um das World Trade Center kosteten laut einer Studie zusammen rund 22,7 Milliarden Dollar.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

10.09.2011, 10:13 Uhr

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"Angriff auf das Herz der westlichen Wirtschaft"



Meint ihr gerade die Organe eurer Wirtschaft (Banken, Finanzdienstleister und co.) die in den Gebäuden untergebracht waren, die sich heute von selbst zerbröseln.

Scheinbar seht ihr selbst in diesen Institutionen wenig Bedarf. Da könnt ihr doch froh sein, daß das ganze vor 10 Jahren eingeleitet wurde.
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AblenkungdurchfalschePropagana

10.09.2011, 10:18 Uhr

Blödsinn. Handelsblatt, du solltest dich schämen, so ein Unfug hier zu verbreiten. Wer hat dir diesen Artikel untergejubelt und wieviel hat er gezahlt.

Es ist ja wirklich nicht zu glauben, für wie dumm uns diese Zeitung hier hält.

Ich bin enttäuscht.

Account gelöscht!

10.09.2011, 10:59 Uhr

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Ihr könnt euch heute noch garnicht vorstellen,
was ihr Atta und co. zu verdanken habt.
Selbst wenn ihr es viel späteren Jahren überhaupt nicht zugeben würdet.
Denn Atta habt ihr es zu verdanken, daß das Erdöl heute, nach zehn Jahren, nicht mehr 10 sondern 100 Dollar kostet.

Nur wer diesem Umsatnd einen Gewinn abringen kann, hat auch die Realitäten begriffen.
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