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19.03.2014

15:40 Uhr

Krim-Krise

Alice Schwarzer ergreift Partei für Putin

VonDietmar Neuerer

Alice Schwarzer sorgte zuletzt durch ihren öffentlich gewordenen Steuerbetrug für Aufsehen. Jetzt meldet sich die Frauenrechtlerin zur Krim-Krise zu Wort. Und teilt kräftig aus – Richtung westliche Politik und Medien.

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: Werben für Putin. dpa

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: Werben für Putin.

BerlinMit ungewöhnlich scharfen Worten hat sich die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer zum Vorgehen Russlands in der Krim-Krise zu Wort gemeldet – und Partei für Kreml-Chef Wladimir Putin ergriffen. Schwarzer nahm in einem auf ihrer Webseite veröffentlichen Text Stellung. Unter der Überschrift „Warum ich trotz allem Putin verstehe!“ zerpflückt sie in einem Rundumschlag sowohl das Krisenmanagement des Westens als auch die Berichterstattung westlicher Medien über den Konflikt.

„Russland wird beschuldigt, einen neuen kalten Krieg anzetteln und in die Ukraine einmarschieren zu wollen; Präsident Putin wird dämonisiert und gar mit Hitler verglichen“, schreibt Schwarzer. „Dabei war es zunächst der Westen, der keine Ruhe gab und unaufhaltsam Richtung Osten drängte – und weiter drängt.“

Wie andere bereits vor ihr sieht auch Schwarzer den Geburtsfehler des Ukraine-Konflikts darin, das Land vor die Alternative EU oder Russland gestellt zu haben. „Denn die Ukraine ist ein Brückenland, neigt halb zum Westen, halb zum Osten und genau das hätte sie auch bleiben sollen.“ Aber das scheine jetzt verspielt. Statt diese West-Ost-Lage als Stärke zu begreifen, sei sie nun eine Schwäche und befinde sich das Land in einer Zerreißprobe. „Für diese Zerreißprobe tragen beide Verantwortung: Putin, aber auch der Westen.“

Wladimir Putin über...

... mögliche Militäraktionen in der Ukraine:

„Russland erwägt keinen Anschluss der Krim.“

„Was den Einsatz von Streitkräften angeht: Bisher gibt es eine solche Notwendigkeit nicht.“

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“

„Meine Entscheidung über einen Militäreinsatz in der Ukraine wird völkerrechtlich legitim sein.“

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“

... Sanktionsforderungen

„Drohungen an die Adresse Russlands sind kontraproduktiv und schädlich.“

... den G8-Gipfel in Sotschi:

„Wenn die anderen nicht anreisen wollen, müssen sie das nicht tun.“

... über den Sturz Janukowitschs:

„Janukowitsch bleibt gesetzmäßiger Präsident der Ukraine. Er wurde in einem ungesetzlichen Verfahren seines Amtes enthoben.“

„In der Ukraine hat es einen verfassungswidrigen Umsturz und eine bewaffnete Machtergreifung gegeben.“

„Ich denke, er hat keine politische Zukunft mehr.“

„Janukowitsch ist wohlauf und wird sich noch bei der Beerdigung derjenigen erkälten, die ihm jetzt Böses wünschen.“

(Putin über Medienberichte, der entmachtete ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch sei tot)

... die US-amerikanische Ukraine-Politik:

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass hinter dem großen Teich eine Art Laborant in Amerika sitzt und Experimente macht, wie mit Ratten, ohne die Folgen seines Handelns zu begreifen.“

Schwarzer appelliert in ihrem Text mehrmals – mal direkt, mal indirekt  – an die internationale Gemeinschaft, Verständnis für die russische Seite zu zeigen. Damit sie auch und vor allem die Medien. „Die West-Medien scheinen in ihrer Herablassung Russland gegenüber und der Schuldverteilung – guter Westen, böser Osten – quasi gleichgeschaltet“, kritisiert die Herausgeberin der Frauenzeitschrift „Emma“.  Sie führt an, dass 96,77 Prozent der auf der Krim lebenden Menschen „störungsfrei“ für die Zugehörigkeit zu Russland votiert hätten, die EU und Amerika dies aber nicht anerkennten, sondern stattdessen mit Sanktionen drohten – nach dem Motto: „Was beim Kosovo recht war, die einseitig erklärte Loslösung von Serbien, ist für die Krim noch lange nicht billig.“

Ähnlich hatten sich auch schon Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) geäußert.

Kommentare (49)

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19.03.2014, 15:53 Uhr

Respekt Alice. Bin selten deiner Meinung aber hier hast's echt mal auf'n Punkt gebracht

Account gelöscht!

19.03.2014, 16:01 Uhr

Irgendwie fühle ich mich gerade unangenehm berührt, weil diese Frau Meinungsmäßig im Ukraine Konflikt in das gleiche Horn bläst wie ich. Dieser Frau bleibt nämlich im Moment nur der Massenopportunismus, nach dem sie von Leitmedien und Politikern aller Couleur nach ihrer Meinung ungerechtfertigterweise fertig gemacht wurde. Was soll ich nur davon halten?

Account gelöscht!

19.03.2014, 16:04 Uhr

Respekt Frau Schwarzer - Respekt!Das meine ich ehrlich!

Nur nicht, dass der gute Wladimr Putin, demnächst ein Röckchen tragen muss ;-)

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