Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.05.2012

12:51 Uhr

Kriminalität

Deutlicher Anstieg politischer Gewalt

In Deutschland kommt es immer öfter zu Gewalt im Namen von Ideologien und Überzeugungen. Der Bundesinnenminister reagiert mit deutlichen Worten.

Hans-Peter Friedrich (CSU) will intensive Beobachtungen. dapd

Hans-Peter Friedrich (CSU) will intensive Beobachtungen.

BerlinDie Zahl der politisch motivierten Gewalttaten in Deutschland ist 2011 auf einen Höchststand gestiegen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden vergangnes Jahr 3.108 politische Gewaltakte registriert. Das bedeutet gegenüber 2010 eine Zunahme um 17,9 Prozent. Die Straftaten mitpolitischem Hintergrund nahmen um 11,2 Prozent zu.

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte sich besorgt. Die Befürchtung habe sich bestätigt, dass der Rückgang linker Gewalttaten im Jahr 2010 eher eine Ausnahme gewesen sei.

Friedrich hob den starken Anstieg von fremdenfeindlichen Gewalttaten hervor, die auf 256 mit 22,7 Prozent in erschreckendem Umfang zugenommen hätten. Allerdings stammt das Gros der politisch motivierten Gewalttaten von Anhängern der linken oder rechten Szene. Sympathisanten des linken Milieus wurden bei 1.809 Übergriffen gezählt, knapp ein Drittel mehr als 2010. Aus der rechten Szene stammen 828 Taten, 2,7 Prozent mehr.

Der Bundesinnenminister rief zu einem entschlossenen Handeln der Polizei und der Gerichte auf: „Es ist notwendig, und ich hoffe sehr auf die Mithilfe der Justiz, dass dort die Strafrahmen, vor allem für die Gewalttätigkeiten, auch ausgeschöpft werden“.

Laut dem Minister müssen „die politischen Extremisten weiterhin konsequent und noch intensiver als bisher“ von den Sicherheitsbehörden unter Beobachtung gestellt werden. Zudem sei es notwendig, „dass wir eine gesellschaftliche Ächtung von Gewalt, vor allem gegen Polizeibeamte, noch stärker befördern“, sagte Friedrich.

Für den Anstieg machen die Sicherheitsbehörden unter anderem die sieben Wahlen im vergangenen Jahr und die damit zusammenhängende Zerstörung und Beschädigung von Wahlplakaten verantwortlich, die sich als Sachbeschädigung in der Statistik niederschlägt.

In der Statistik tauchen zwei Tote auf, nämlich die beiden US-Soldaten, die beim ersten vollendeten islamistischen Anschlag in Deutschland im März in Frankfurt getötet wurden. Verletzt wurden 2011 insgesamt 2.314, das sind 18 Prozent mehr als 2010. Dabei werden in der Tendenz immer mehr Menschen von Tätern aus der linken Szene verletzt, während der Anteil der Angreifer aus dem rechten Milieu in der Relation sinkt.

Die im vergangenen Jahr aufgedeckte Neonazi-Mordserie kommt in der aktuellen Statistik nicht zum Tragen, da diese Verbrechen den Tatjahren direkt zugeordnet wurden.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Selberdenker

11.05.2012, 13:18 Uhr

Eine kurze Analyse, da wieder viel zwischen den Zeilen gelesen werden muss: 3'108 politische Gewaltakte 2011. Davon 256 (8%) fremdenfeindlich. Die absolute Anzahl der "Gewalttaten" (1809 vs 828) kann wohl zur bestimmung der Häufung körperlicher Gewalt vernachlässigt werden, wenn wie im Artikel beschrieben "Zerstörung und Beschädigung von Wahlplakaten" dazugezählt werden. Bleiben noch 2'313 Verletzte, bei denen nicht gesagt wird (warum?) wie sich die Häufigkeit körperliche Gewalt bei den politischen Mileus verteilt. Und wozu wird eigentlich islamische Gewalt gezählt? Auch zu der rechten Gewalt, da die Ideologie mit dem Deckmäntelchen einer Religion im Kern auch faschistisch ist?

Ergaenzung

11.05.2012, 14:13 Uhr

Ein paar fehlende bzw. falsch übernommene Zahlen:

Verletzte bei rechtsextremen Gewalttaten: 824 (5 mal versuchte Tötung) bei 699 Körperverletzungsdelikten
Verletzte bei linksextremen Gewalttaten: 1124 (3 mal versuchte Tötung) bei 870 Körperverletzungsdelikten

Die im Kommentar erwähnte "islamische Gewalt" wurde im Artikel auch nicht genannt, taucht aber in der Pressemitteilung mit auf:
Politisch motivierte Gewalttaten durch Ausländer: 253, davon 157 Körperverletzungsdelikte, dadurch 2 Todesopfer, 2 versuchte Tötungen, keine Verletztenzahl genannt

Zur Interpretation der Zahlenverhältnisse:
1 Täter, 1 Opfer -> 1 Delikt, 1 Verletzter
10 Täter, 1 Opfer -> 10 Delikte, immer noch 1 Verletzter!

Die Verletztenrate bei linksextremer Gewalt ist leicht höher, um etwa 10%.

Die Zahl fremdenfeindlicher Gewalttaten liegt bei 372, nicht bei 256.

Die komplette Pressemitteilung gibt es hier:
www.bmi.bund.de

Tabu

11.05.2012, 15:32 Uhr

Das aus den gelebten Erfahrungen über die Jahrzehnte
hinweg,ob in Schulen,öffentlichen Räumen,immer mehr Menschen einfach genug haben,von einer zwangsbunten
Gesellschaft in der sie weitgehendst sich anzupassen hatten,wird erst garnicht in Betracht gezogen.
Vordem,waren die meisten politisch desinteressiert.
Ich hab auch mal grün gewählt.Ist mir gründlich
ausgetrieben worden..

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×