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06.01.2011

17:18 Uhr

Kriminalität

Die Mafia erobert Italiens Norden

VonKatharina Kort

Die kriminellen Organisationen gehen dahin, wo das Geld ist – also verstärkt auch in die Region rund um Mailand. Die Politik will das nicht wahrhaben - die Menschen im Land haben das längst registriert. Deshalb regt sich von privater Seite Widerstand.

Marlon Brando als Don Corleone in Francis Ford Coppolas Film "Der Pate": Inbegriff romantisierter Mafiavorstellungen.

Marlon Brando als Don Corleone in Francis Ford Coppolas Film "Der Pate": Inbegriff romantisierter Mafiavorstellungen.

MAILAND. Mafia, Corleone, Sizilien – die Stereotypen über die organisierte Kriminalität in Italien sind meist im Süden des Landes angesiedelt. Doch spätestens seit den Morden in Duisburg vor drei Jahren weiß man auch in Deutschland, dass die mafiösen Organisationen ihre Tentakel längst Richtung Norden ausgestreckt haben. Das gilt nicht nur jenseits der Landesgrenzen, sondern auch in der eigenen Heimat.

Seit einigen Jahren ist ebenso der italienische Norden von den verschiedenen Clans der ’Ndrangheta, der Camorra und der sizilianischen Mafia durchdrungen. Doch es musste erst der Bestseller-Autor Roberto Saviano kommen, um seinen Landsleuten die Augen zu öffnen. In der erfolgreichen Fernsehsendung "Vieni via con me" bezeichnete Saviano die Lombardei rund um das Zentrum Mailand als "mafiös verseucht" und prangerte das Zusammenspiel zwischen Politikern und Kriminellen auch im Norden an.

Die Lega Nord ist empört

Der Zorn der Lega-Nord-Politiker ließ nicht lange auf sich warten. Schließlich heben die Vertreter der erfolgreichen Nord-Partei stets stolz ihre Andersartigkeit gegenüber dem korrupten Süden hervor. Innenminister Roberto Maroni beharrte gar auf einer Einladung in die Sendung, die ihm gewährt wurde. Der Präsident der Lombardei, Roberto Formigoni, stellte klar, seine Region sei nicht mafiös, aber werde "von der Mafia attackiert". Opfer und nicht Täter also.

Dabei ist klar, dass die Mafia dahin geht, wo das Geld ist – in Italien also in den Norden. Das predigt Alberto Nobili schon seit Jahren. Der Staatsanwalt war einer der ersten, die die Geschäfte der kalabrischen ’Ndrangheta in Norditalien untersucht haben. Seine Hartnäckigkeit und die seiner Kollegen hat zu fast 2500 Verhaftungen geführt. Bau-Großprojekte wie etwa die Expo, aber auch die Mailänder Finanzwelt locken die Mafiosi. "Der Mafioso von heute läuft nicht mehr mit der Coppola herum. Er trägt Anzug und Krawatte, und wenn ein Unternehmen eine Kapitalerhöhung braucht, bietet er Hilfe an", erklärt Nobili das Phänomen.

Kommentare (7)

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aruba

06.01.2011, 19:00 Uhr

Guten Tag,.... Entschuldigen Sie,.... Sie sind einer Verwechslung erlegen. Mafia und Politik ist ein und dasselbe, ( Leider nicht nur in italien ), besten Dank

Politiker

06.01.2011, 19:31 Uhr

@aruba
Jetzt verstehe ich, warum es in Deutschland so viele Lebensmittelskandale vorkommen und sich die Politiker und Juristen weigern, dagegen vor zu gehen. bei uns gibt es nur noch Täterschutz!

@ aruba @ Politiker

06.01.2011, 19:42 Uhr

aruba liebe ich sowieso, weil Sie es versteht in einen zweizeiler alles reinzupacken was geht und nichts übrig gelassen hat, Respekt!!!

Poltiker, ja leider wir leben seit dem 2.Weltkrieg in einem Täterstaat, dank Politik und Judikative.
Der Täter bekommt alles, dass Opfer meist nix!

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