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21.01.2010

16:17 Uhr

Krippenausbau

Kommunen bieten Regierung Lösung im Kita-Streit an

VonDietmar Neuerer

ExklusivKristina Köhler hat in ihrer ersten Bundestagsrede als Familienministerin Warnungen in den Wind geschlagen, der Ausbau der Kinderbetreuung bleibe weit hinter dem Bedarf zurück – und muss dafür gleich herbe Kritik einstecken. Die Kommunen wiesen die Kritik zurück und mahnten die Ministerin zu mehr Ernsthaftigkeit bei dem Thema. Zugleich machten sie einen Vorschlag, wie der Kita-Streit beigelegt werden könnte.

Köhler zeigt Flagge und kassiert harsche Kritik. dpa

Köhler zeigt Flagge und kassiert harsche Kritik.

DÜSSELDORF. Im Streit um den für 2013 geplanten Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kleinkinder gehen die Kommunen mit einem Kompromissangebot in die Offensive. „Ich kann mir auch einen Stufenplan zum Ausbau des Betreuungsangebots für unter Dreijährige vorstellen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Ab 2013 könnten, wie geplant, 35 Prozent der Kinder von Kindertagesstätten oder Tagesmüttern betreut werden, 2014 dann 40 Prozent. Und in den kommenden Jahren könnte man weiter aufstocken, sofern es die Finanzsituation der Kommunen zulässt.“

Zugleich forderte Landsberg die neue Familienministerin Kristina Köhler (CDU) auf, ihre Bedarfszahlen zur Kinderbetreuung "gewissenhaft" zu prüfen. „Frau Köhler macht es sich zu einfach, wenn sie unsere Befürchtungen in den Wind schlägt“, sagte er. Es gehe hier nicht um Panikmache. Worauf die Kommunen hinwiesen, sei ja nicht aus der Luft gegriffen. „Sowohl Ergebnisse einer Forsa-Umfrage als auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes legen nahe, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kleinkinder 2013 oberhalb von 35 Prozent liegen wird“, erläuterte Landsberg. Deshalb erwarte er von der Ministerin, ernsthaft zu prüfen, ob ihre Zahl nicht korrigiert werden müsse.

Laut Kinderförderungsgesetz haben Eltern vom 1. August 2013 an einen Rechtsanspruch auf Betreuung, sobald ihr Kind ein Jahr alt ist. In der Begründung des Gesetzes heißt es der Zeitung zufolge, 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren sollten dann von Kindertagesstätten oder Tagesmüttern betreut werden. Bei einer Forsa-Umfrage gaben kürzlich aber 66 Prozent der jungen Frauen an, dass sie eine Krippe oder Tagesmutter einsetzen wollen. Von den jungen Akademikerinnen rechneten sogar 78 Prozent mit einem Krippenplatz.

Experten hatten ebenfalls kritisiert, dass der Krippenausbau in Deutschland zu langsam voran gehe. Das Deutsche Jugendinstituts (DJI) in München geht ebenfalls davon aus, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kleinkinder 2013 oberhalb von 35 Prozent liegen wird. Spätestens mit Einführung des Rechtsanspruchs hätten alle Verantwortlichen wissen müssen, dass am Ende unter dem Strich auch andere Bedarfsgrößen stehen können, sagte Institutsleiter Thomas Rauschenbach.

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