Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2007

11:08 Uhr

Krise

CSU schlittert noch tiefer ins Chaos

Das Wirrwarr um die Stoiber-Nachfolge ist perfekt: Nach Angaben aus der CSU-Landtagsfraktion haben Innenminister Beckstein und Wirtschaftsminister Huber die Nachfolge des Ministerpräsidenten und Parteichefs unter sich aufgeteilt. Stoiber wollte das nicht so früh publik machen und lehnt die Regelung wieder ab. Landesgruppenchef Ramsauer hat andere Nachfolger im Visier.

Bleibt Stoiber, oder nicht? In der CSU geht es derzeit drunter und drüber. Foto: dpa dpa

Bleibt Stoiber, oder nicht? In der CSU geht es derzeit drunter und drüber. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Im Streit über die Nachfolge von Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber ist nach Angaben aus der Landtagsfraktion eine Vorentscheidung gefallen. Danach soll Innenminister Günther Beckstein (63) Regierungschef und Wirtschaftsminister Erwin Huber (60) Parteivorsitzender werden. Das bestätigten mehrere CSU-Abgeordnete sowie ein Kabinettsmitglied der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Der Zeitpunkt des geplanten Wechsels war zunächst unklar. Die Lösung werde nach Ansicht der CSU-Politiker von Stoiber mitgetragen.

Beckstein wies die Berichte in einer ersten Reaktion allerdings zurück. „Entscheidungen gibt es nicht“, sagte er am Donnerstag in Wildbad Kreuth. „Alles andere sind Spekulationen.“

Auch CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann sprach von "Spekulationen". Es gebe „keine in irgendeiner Weise getroffenen Festlegungen“, sagte er. Stoiber wolle seinen Fahrplan für die Gespräche mit der Fraktions- und Parteispitze am Montag im CSU-Vorstand präsentieren. Es gelte weiter, dass die Frage der Spitzenkandidatur für die Wahl 2008 offen sei.

Bild für Bild: Die Protagonisten im CSU-Machtkampf

Stoiber selbst äußerte sich bislang nicht. Er habe die Lösung, dass Innenminister Günther Beckstein Regierungschef und Wirtschaftsminister Erwin Huber Parteivorsitzender werden sollen, zwar selbst mit angedacht, hieß aus der CSU-Landtagsfraktion. Stoiber habe es aber nicht so rasch publik machen wollen. Er habe zuerst die Stimmung an der Basis testen wollen.

Auch für den Berliner CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer gibt es noch keine endgültige Entscheidung: „Eine Festlegung gibt es aus meiner Sicht nicht.“ Er halte es für verfrüht, „das Fell des Bären zu verteilen und auch für völlig falsch“. Ramsauer verlangte ein Mitspracherecht der Landesgruppe bei der Besetzung des Amts des Parteivorsitzenden und brachte dafür die CSU-Bundesminister Michael Glos und Horst Seehofer ins Gespräch. Insbesondere die Besetzung des Parteivorsitzendenamtes tangiere die Landesgruppe in ihrem bundespolitischen Anspruch, sagte Ramsauer. „Ohne die Landesgruppe geht nichts.“

In München nannte ein CSU-Vorstandsmitglied es auch noch denkbar, dass Landtagspräsident Alois Glück Stoibers Nachfolge als Parteichef antreten könnte. Auch müsse versucht werden, Stoiber wegen seiner Verdienste nicht zu sehr zu beschädigen. „Aber es spricht natürlich vieles für die Beckstein/Huber-Lösung, weil damit die Proportionen in der Partei gewahrt werden würden.“ Huber repräsentiert die Region Niederbayern, der Protestant Beckstein ist Franke.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×