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22.02.2011

13:53 Uhr

Krisenmanagement

Bundestagspräsident rügt Guttenberg

In der Affäre um die Doktorarbeit von Minister Guttenberg hat sich erstmals ein Unionspolitiker kritisch zu Wort gemeldet. Bundestagspräsident Lammert (CDU) rügte das Krisenmanagement des CSU-Politikers deutlich.

In der Kritik: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Quelle: APN

In der Kritik: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Berlin

"Die Presseerklärung, die Karl-Theodor zu Guttenberg am vergangenen Freitag gegeben hat, war jedenfalls kein überzeugender Beitrag zur Problembewältigung", sagte Lammert am Dienstag im WDR-Fernsehen. "Ich kann mir seinen Auftritt (...) nur so erklären, dass ihm zum damaligen Zeitpunkt das Ausmaß der Schlampigkeit nicht klar war, mit der die Arbeit verfasst und eingereicht worden ist."

Guttenberg hatte am Freitag erklärt: "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir." Er hatte Fehler eingeräumt und hinzugefügt: "Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht."

Lammert äußerte sich auch zu Vorwürfen, Guttenberg habe den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages unzulässig für seine Doktorarbeit genutzt. Der Bundestagspräsident betonte, dass das Recht an der Verwertung dieser gutachterlichen Stellungnahmen keineswegs an den Abgeordneten übergehe. Wenn er es weiter verwerten wolle, sei eine förmliche Genehmigung nötig. Wenn Arbeiten des Wissenschaftlichen Dienstes ohne Quellenangaben genutzt würden, dann, so Lammert wörtlich, "(...) wäre das offenkundig ein doppelter Verstoß sowohl gegenüber den Regelungen des Deutschen Bundestages in der Nutzung des Wissenschaftlichen Dienstes als auch gegenüber den wissenschaftlichen Mindeststandards bei der Verfassung von wissenschaftlichen Arbeiten". Er gehe davon aus, dass sich der Ältestenrat des Bundestages mit dem Vorgang befassen werde.

Zur Rolle der Medien angesichts der Affäre sagte Lammert: "Dass die Medien nun entdecken, dass es sich bei diesem Kollegen nicht um einen Außerirdischen handelt, den sie aber der deutschen Öffentlichkeit über Monate aber genau als solchen verkauft haben, gehört für mich auch zur notwendigen Aufarbeitung."

Von

dpa

Kommentare (1)

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Zeitbeobachter

22.02.2011, 14:58 Uhr

Der berühmte Roman von Thomas Mann "Felix Krull" endet folgendermaßen:
"Luiz", sagte sie, "das Nächstliegende wäre, Sie zu fragen, ob dies Ihre Art ist, portugiesische Gastfreundschaft zu lohnen - Schweigen Sie! Ich erspare mir die Frage und Ihnen die Antwort. Ich habe Sie nicht hierher befohlen, um Ihnen Gelegenheit zu törichten Entschuldigungen zu geben. Sie würden vergebens versuchen, die Torheit Ihrer Handlingen zu übertreffen. Die ist unüberbietbar, und alles, was Ihnen nun bleibt, Ihnen einzig zukommt, ist, zu schweigen und es reiferen Personen zu überlassen, Ihre Sache zu führen.

Ende des Zitats. Thomas Mann, Felix Krull, Fischer Verlag 1955 S.441

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