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22.05.2012

15:25 Uhr

Krisenmanagement

Wirtschaft gibt Merkel Rückhalt

VonFrank Matthias Drost, Kirsten Ludowig, Klaus Stratmann

Angela Merkel ist international isoliert: Ob Hollande oder Obama, alle plädieren für Konjunkturprogramme. Die Spitzen der deutschen Wirtschaft unterstützen ihren Sparkurs - Euro-Bonds und Konjunkturpakete lehnen sie ab.

Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes. dpa

Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes.

Der wichtigste Verbündete der Kanzlerin in ihrem Kampf gegen schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme und gegen die Vergemeinschaftung von Schulden durch Euro-Bonds ist die deutsche Wirtschaft. Beim Treffen der acht größten Industriestaaten in Camp David war Angela Merkel am Wochenende weitgehend isoliert. Von Frankreichs neuem Präsidenten François Hollande musste sie sich belehren lassen, nicht Sparen, sondern Wachstum habe "oberste Priorität". Und US-Außenministerin Hillary Clinton sagte an die Adresse der Deutschen: "Anpassungen in der Sparpolitik sind erforderlich."

Konjunkturprogramme - Kein Wachstum auf Pump

Um was geht es?

Die deutsche Wirtschaft ist gegen schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme. Stattdessen teilt sie den Kurs der Bundesregierung und fordert eine neue Balance von Spar- und Wirtschaftspolitik. Dabei sollen vor allem die Strukturreformen in Südeuropa vorangetrieben werden.

Hans Peter Keitel, Präsident Bund Deutscher Industrie

„Nur durch eine Kombination von intelligentem Sparen und nachhaltigem Wachstum lassen sich die Staatsschulden auf Dauer in den Griff bekommen.“

Eckhard Cordes, Ex-Metro-Chef

„Merkels Sparkurs ist richtig.“
„Haushaltskonsolidierung und Wachstum müssen keine Gegensätze sein.“

Anton Börner, Chef des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel

„Die Euro-Krise ist in erster Linie eine Staatsschuldenkrise, deshalb ist Konsolidierung nach wie vor das Gebot der Stunde.“

Michael Diekmann, Allianz-Chef

„Wenn jetzt lautstark Konjunkturprogramme gefordert werden, dann muss man meines Erachtens sehr vorsichtig sein.“

Dieter Hundt, Arbeitgeber-Präsident

„Wachstum ist weniger eine Frage des Geldes als der Strukturen. Die Verwaltungen müssen effizient arbeiten und die Märkte wettbewerblich organisiert sein.“

Josef Sanktjohanser, Rewe-Vorstand

„Die Sparanstrengungen dürfen die Konjunktur nicht völlig abwürgen.“
„Den Gegebenheiten in den einzelnen Euro-Staaten muss Rechnung getragen werden.“

Auf den Chefetagen deutscher Firmen findet Merkels Austeritätspolitik jedoch breite Unterstützung. "Teure staatliche Ausgabenprogramme und Wachstum sind ein Widerspruch - nicht aber Haushaltskonsolidierung und Wachstum", sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben. Auch der Präsident des Verbands "Die Familienunternehmer", Lutz Goebel, nimmt gegen die keynesianische Strategie von Frankreichs Präsident François Hollande Stellung: "Wachstum durch noch mehr Schulden ankurbeln zu wollen dreht nur die Schuldenspirale weiter nach oben. Konjunkturprogramme entfachen meist nur Strohfeuer."

Gemeinschaftsanleihen - Euro-Bonds belohnen die Sünder

Um was geht es?

Auch bei Euro-Bonds sind sich Deutschlands Wirtschaftslenker und Bundeskanzlerin Merkel einig: Gemeinsame Anleihen würden verschuldeten Ländern den Anreize nehmen, durch Reformen wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Und dennoch: Langfristig ist die Vergemeinschaftung von Schulden vorstellbar.

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

„Gemeinsame europäische Schuldversprechen verwischen Haftung und Anreize.“

Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

„Euro-Bonds sind der falsche Weg. Denn was für ein Signal sendet man damit? Doch nur, dass man Schuldenpolitik leichter machen will.“

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank

„Euro-Bonds mit gesamtschuldnerischer Haftung verletzen das urdemokratische Prinzip von no taxation without representation.“

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken

„Hierzu (für Gemeinschaftsanleihen, d. Red.) brauchen wir einen passenden institutionellen Rahmen, den wir noch nicht haben. Haftung darf es nur im Gegenzug zu ausreichenden Kontrollinstrumenten geben.“

Eindringlich warnt auch Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbands, vor Euro-Bonds: "Gemeinsame Schulden sind ohne gemeinsame Haushaltsführung sinnlos." Zu Beginn der Währungsunion seien die Zinsunterschiede zwischen den Euro-Staaten bereits minimal gewesen - mit den bekannten Folgen: "Massive Fehllenkung von Kapital, eine nicht nachhaltige Finanzpolitik und der Verzicht auf nötige Wirtschaftsreformen in vielen Euro-Staaten."

Kommentare (4)

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uri125

22.05.2012, 18:25 Uhr

Heisst man will Griechenland weiter in die Armut führen, und eine ganze junge Generation vor dem Nichts stehen lassen.
Obwohl durch die EU Politik von Merkel u. Sarkozy Griechenland schon ein dritte Welt Land ist. Armut, Hunger und eine immer schlechtere Gesundheitsversorgung gehen mit Prostitution, Verkauf von Kinder etc. Hand in Hand. Das Volk ist ausgeblutet und die Daumenschrauben müssen weg. Hollande hat Recht, Griechenland braucht Aufbauhilfe. Der Target2 hat nur die Banken reich gemacht und Griechenland immer weiter in die Armut getrieben. An Schuldentilgung ist in Jahrzehnten nicht zu denken.

Sparen_muss_sein

22.05.2012, 18:48 Uhr

Wie blauäugig die meisten Menschen doch sind. Sparen heißt nicht hungern, man kann auch die Wahl der Speisen, die Laden und die Essgewohnheiten ändern. Genau dies ist mit Haushaltskonsolidierung gemeint.

Jeder Mensch ist so klug und läßt den Kavier stehen, wenn das Geld knapp ist. Nur die Politiker in Europa nicht, da wird höchstens gesucht wo man noch Geld für das teure Essen herbekommt (Reichensteuer, Finanztransaktionssteuer, etc.).

Sparen durch einen effizienten Staat führt auch automatisch zu Wachstum.

Account gelöscht!

22.05.2012, 20:07 Uhr

Natürlich ist die deutsche Wirtschaft für Austerität. Wer hat sich schließlich über Jahre mit Schuldscheinen bezahlen lassen?
Aber hilft man dem Barmann, der nachdem er den arbeitslosen Alkoholiker 342525243 mal hat anschreiben lassen an sein Geld zu kommen? Vor allem wenn er so dumm war allen ernstes davon auszugehen, dass er das Geld wieder bekommt und damit auchnoch weiter geschäfte gemacht hat, die mindestens genauso dumm waren?
Aber diese Topmanager sind nicht dumm, es interessiert sie einfach nicht, sie haben ihr Gehalt und ihre Boni.
Der Markt ist heute dem Sozialismus näher als die Linke.

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