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20.08.2012

11:52 Uhr

Krisenmanager

Deutschlands stille Euro-Retter

VonRuth Berschens

Sie sind in Brüssel extrem wichtig, doch in der Öffentlichkeit kennt sie kaum jemand: Drei Beamte aus Deutschland sind für das Krisenmanagement der Euro-Gruppe verantwortlich. Das macht ihr Leben bisweilen unsicher.

Matthias Mors, Direktor der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen in der Europäischen Kommission. dapd

Matthias Mors, Direktor der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen in der Europäischen Kommission.

BrüsselWenn es um Uwe Corsepius geht, sind sich EU-Diplomaten weitgehend einig: "Schnell im Denken, sehr strukturiert, drückt sich manchmal recht harsch aus", sagt der Vertreter eines südeuropäischen Landes und fügt hinzu: "Sehr deutsch eben." Der gebürtige Berliner ist seit Juni 2011 Generalsekretär des Europäischen Rates und einer der einflussreichsten Beamten in Brüssel.

Corsepius, der direkt unter EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy arbeitet, wirkt hinter den Kulissen kräftig mit an der Euro-Rettung. Doch außerhalb des EU-Betriebs bemerkt man ihn kaum. Der Ökonom, früher Europa-Berater von Kanzlerin Angela Merkel, will nicht im Rampenlicht stehen.

Dabei ist Corsepius längst nicht der Einzige. Es gibt eine ganze Reihe deutscher Beamte, die in der EU-Metropole Einfluss ausüben, öffentlich sichtbar sind dabei aber meist nur zwei: Klaus Regling, der nach dem provisorischen EFSF demnächst den definitiven Euro-Rettungsfonds ESM leiten soll. Und Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank, die nach einer kräftigen Kapitalerhöhung bei der EU-Hausbank demnächst noch mehr Fördermilliarden in den EU-Krisenstaaten verteilen darf.

Ein dritter Deutscher tritt ebenfalls ab und zu vor Publikum auf: Horst Reichenbach leitet seit September 2011 die Griechenland-Task-Force der EU-Kommission. Der erfahrene EU-Spitzenbeamte soll eigentlich den Griechen aus ihrer schweren Rezession heraushelfen. Er und sein 30-köpfiges Team sollen das Land dabei unterstützen, neue Wachstumsbranchen zu entwickeln, EU-Fördermittel zu beantragen und die marode Verwaltung zu reformieren. Dabei kann Reichenbach es nicht immer vermeiden, die Griechen mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren - etwa mit der nach wie vor miserablen Steuerzahlungsmoral. Bei den Hellenen kam das nicht unbedingt gut an.

In Athen musste sich der 67-jährige Sozialdemokrat als "Gauleiter" und "Statthalter Angela Merkels" beschimpfen lassen. In seiner Heimatstadt Potsdam zündeten radikale Griechen im Mai sein Auto an und bewarfen sein Haus mit Farbbeuteln. Mit öffentlichen Statements hält sich Reichenbach seither zurück.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

20.08.2012, 12:40 Uhr

Und was soll uns dieser Artikel jetzt mitteilen? Das
Deutschland noch deutlich mehr Volksverräter hat, als die, die bislang schon offensichtlich sind?

Jeden Tag kommen neue Horrormeldungen aus dem Euroraum, jede einzelne wird Deutschland in Zukunft massiv belasten, und wirklich niemand in verantwortlicher Position kommt auf die Idee, das der Euroraum als Nationalstaaten mit eigener Währung deutlich weniger durch die Märkte erpressbar wäre?

holbeinperdchen

20.08.2012, 13:12 Uhr

zu: "Dabei kann Reichenbach es nicht immer vermeiden, die Griechen mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren - etwa mit der nach wie vor miserablen Steuerzahlungsmoral."

Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her. Laut Verfassung genießen die reichsten Griechen, die Reeder, Steuerfreiheit. Wie kann man da erwarten, daß die
einfachen Millionäre und Freiberufler ehrlich ihre Steuern zahlen. Und wie muß sich ein einfacher Gastwirt oder Busfahrer fühlen?

Warum man nichts von den größten Steuerhinterziehern hört?

Weil bei Eintritt Griechenlands in die EU die
deutschen Reeder 'aus Wettbewerbsgründen' mit der Einführung der 'Tonnagesteuer'den griechischen Reedern gleichgestellt wurden, statt umgekehrt.

Seither schoben deutsche Freiberufler mit ihren Beteiligungen an Schiffsfonds jedes Jahr Milliardengewinne an der Steuer vorbei - bisher geschätzt mindestens 25 Mrd legale Steuervermeidung.

Die schwarz-gelben politischen Vertreter der deutschen Steuer'vermeider' schimpfen lieber auf die kleinen Steuerhinterzieher in Griechenland, als zu riskieren,
mit der Forderung nach Abschaffung der Steuerfreiheit griechischer Milliardäre auch eine Diskussion über Steuerschlupflöcher in Deutschland loszutreten.
So was ist weder anständig, noch christlich!


Edelzwicker

20.08.2012, 14:04 Uhr

"Es wird immer schwieriger, konsensfähige Formulierungen zu finden."
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Sicher wird es immer schwieriger, die Sprache als Verständigungsmittel zu verwenden, wenn Verständigung nicht mehr möglich ist, weil der eine Partner in allen Teilen und Aussagen unglaubwürdig ist. Der Drops ist gelutscht: Die Griechen müssen raus!



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