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27.02.2014

14:35 Uhr

„Krisenstaat ohne Perspektive“

Politik stellt sich auf Endloshilfe für Griechenland ein

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie EU-Kommission sieht Griechenland vor einem Mini-Comeback – zumindest, was das Wachstum betrifft. Die Schuldenentwicklung nimmt dagegen bedrohliche Ausmaße an. Das sorgt für Unruhe in der Berliner Politik.

Eine griechische, eine deutsche und eine europäische Flagge: Athen wird auch in Zukunft auf EU-Hilfe angewiesen sein. dpa

Eine griechische, eine deutsche und eine europäische Flagge: Athen wird auch in Zukunft auf EU-Hilfe angewiesen sein.

BerlinAls die EU-Kommission am Dienstag ihre Konjunkturprognose veröffentlichte, herrschte allenthalben große Zuversicht und Entspannung. Der positive Überschwang hat jedoch auch eine Kehrseite.  Wenn Brüssel der Euro-Zone nach zwei Rezessionsjahren wieder einen Aufschwung zutraut, dann ist das vor allem dem deutschen Konjunkturmotor zu verdanken. Die Kommission räumt auch selbst ein, dass der gemeinsame Währungsraum getrieben von der größten Volkswirtschaft langsam in Schwung kommt. Selbst die meisten Krisenländer könnten zu Wachstum zurückkehren – darunter auch Griechenland.

Trotz der erwarteten Besserung überwiegen jedoch die schlechten Nachrichten aus dem Mittelmeerland. Die Arbeitslosigkeit dürfte demnach mit 26 Prozent 2014 und auch 2015 mit 24 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Die Verschuldung bleibt ebenfalls problematisch: Sie soll dann immer noch bei fast 172 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. In diesem Jahr werden 177 Prozent erwartet.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch geht deshalb davon aus, dass Griechenland auch in ferner Zukunft auf finanzielle Hilfe der EU-Partner angewiesen sein wird. Seine Einschätzung begründet das Mitglied im Wirtschaftsausschuss auch mit Überlegungen der Bundesregierung, im Fall eines dritten Rettungspakets weniger kleinteilige Reformauflagen zu verlangen und Athen stattdessen mehr Freiheiten einzuräumen.

„Dass man auf die griechische Weigerung, die vereinbarten Strukturreformen umzusetzen, dergestalt reagiert, dass man zukünftig mit bloßer Reformprosa zufrieden sein will und auf die Vorgabe konkreter vorzunehmender Maßnahmen verzichtet, belegt, dass man sich auf die dauerhafte Alimentierung Griechenlands einstellt“, sagte Willsch Handelsblatt Online. Für nicht akzeptabel hält der CDU-Politiker zudem, dass sich die Geldgeber nach Ausreichung von 240 Milliarden „Insolvenzhilfe“ an Griechenland inzwischen auch noch anhören müssten, wenn nicht weitergezahlt werde, würden dort extremistische Parteien gewählt. „Das zeigt, wie weitgehend die verfehlte Bailout-Politik die selbstverschuldeten Probleme Griechenlands inzwischen zum Problem der Euro-Zone insgesamt gemacht hat“, sagte Willsch.

Kommentare (42)

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27.02.2014, 12:53 Uhr

Zitat : Politik stellt sich auf Endloshilfe für Griechenland ein

- und was würde Schäuble dazu sagen.......die sind auf dem richtigen Weg....:-)

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27.02.2014, 13:06 Uhr

Die CEP-Ergebnisse sind insofern beachtenswert, weil hierbei nicht nur untersucht wird, wieviel, sondern vor allem auch in was(!) Gelder eingesetzt werden.
Z.B. ist nach Lüder Gerken die vielgepriesene Verbesserung des Export-Import-Verhältnisses eine Folge des zurückgehenden Imports von Investitionsgütern, also ein Hinweis darauf, dass genau genau das Gegenteil dessen passiert, was die Rettungspolitik bewirken wollte.

Account gelöscht!

27.02.2014, 13:10 Uhr

Die EU und Deutschland verschulden sich immer mehr...Nur damit eine politisch diktierte Währungs-Ideologie (EU-Konstrukt) am Leben gehalten wird.
Mit dieser EU-Deutschen EURO und Energiewendepoltiik wird der über viele Jahrzehnte hart erarbeitete Wohlstand Schritt für Schritt VERNICHTET.
Wenn die EU weiter an diesen absurden EURO Währungszwang festhält und an dieser ökosozialistsichen (wertevernichtenden) Energiewendepolitik (CO2 Verbot), wird es in 10 Jahren keine EU mehr geben. Es wird Mangel, Armut und Unruhen über das Europa der Völker hereinbrechen.

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