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24.09.2011

09:39 Uhr

Krisenstrategien

Wege aus der Schuldenfalle

Es gibt eine Reihe historischer Beispiele für Industriestaaten, die ihre Schuldenberge auf erträgliche Größen reduziert haben. Dabei gibt es drei Wege, die zum Ziel führen. Am besten ist eine Kombination aus allen dreien.

Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler. dpa

Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler.

DüsseldorfHohe Staatsschulden sind heute das größte Problem der westlichen Industriestaaten. Schon vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise war die Schuldenlast in vielen Staaten bedenklich hoch. Die Ausgaben in Billionenhöhe für Bankenrettung und Konjunkturstützung haben sie seither in so kritische Höhen getrieben, dass die Finanzmärkte eine Kette von Staatspleiten fürchten.

Zahlen der Industrieländerorganisation OECD zeigen das ganze Ausmaß der Bedrohung: Der Schuldenberg der 30 Mitgliedstaaten ist von bereits hohen 73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Vorkrisenjahr 2007 auf voraussichtlich 102 Prozent im laufenden Jahr gestiegen. Bei 90 Prozent liegt aber nach der Analyse der US-Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart die Grenze, ab der Schulden das Wachstum lähmen.

Eine hohe Staatsverschuldung schränkt den Gestaltungsspielraum der Politik ein. Je mehr ein Staat für Zinszahlungen ausgeben muss, desto weniger kann er in Infrastruktur oder Bildung investieren. Je mehr die Zinsen steigen, desto bedrohlicher wird die Lage, und je stärker ein Land im Ausland verschuldet ist, desto gefährlicher ist es. Am Ende droht die Staatspleite.

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird die Konsolidierung der Staatsfinanzen für die Regierungen der Industrieländer ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Dabei werden die wenigsten Länder so weit kommen, dass sie den Schuldenberg tatsächlich abbauen. Entscheidend ist aber, dass die Schuldenquote sinkt. Sie misst das Verhältnis der Staatsschulden zur Wirtschaftsleistung des Landes, dem BIP. Wer die Einnahmen erhöht und die Ausgaben senkt, mindert die Schulden und dreht dementsprechend am Zähler der Quote. Ein höheres Wirtschaftswachstum wiederum steigert den Nenner und senkt die Quote damit auch.

Die Regierung kann also sparen, mehr Geld eintreiben oder das Wirtschaftswachstum fördern. Am besten tut sie alles gleichzeitig, sagt Alfons Weichenrieder, Professor für Finanzwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt. „Eine Kombination aus allen drei Wegen ist am sinnvollsten, um den Schuldenstand schnell und nachhaltig zu senken.“

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

24.09.2011, 10:40 Uhr

Wer die Einnahmen erhöht und die Ausgaben senkt, mindert die Schulden und dreht dementsprechend am Zähler der Quote.
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Wer nicht mehr ausgibt als er einnimmt macht keine schulden , wer schulden hat muss mehr einnehmen als er ausgibt um seine schulden zurück zu zahlen .
Das ist bei einem Staat nicht anders als bei jedem anderen Bürger auch !!!

Dann ist rot / grün eher nicht dazu geeignet Schulden abzubauen , die wissen wie sie Geld ausgeben können , wie sie aber welches einnehmen wissen sie nicht !
Beispiel NRW Frau Kraft .

whisky

24.09.2011, 11:19 Uhr

Rot/Grün hat es unter Schröder vergessen, daß man auch Geld einnehmen muss. Damals wurden nur die Steuern für die Reichen und die Unternehmen gesenkt. Kapitalertragssteuern fast auf die Höhe von Irland (15%, IRL 12,5% - EU-Durchschnitt 25%), Senkung des Spitzensteuersatzes um 10%, Senkungen der Erbschaftssteuern, Abschaffung der Vermögenssteuern, Senkung des Spitzensteuersatzes für Kapitaleinkünfte auf 25% durch Einführung der Quellensteuer. Zur teilweisen Kompensation dieser Einnahmensenkungen wurde z. B. Hartz IV eingeführt.
Schwarz/Rot und Schwarz/Gelb - weitere Einnahmesenkungen durch weitere Kürzungen der Erbschaftssteuern, Hotelbesteuerung usw.

Account gelöscht!

24.09.2011, 12:01 Uhr

Jede Familie -soweit es heute sowas noch gibt- kann nicht mehr ausgeben als sie einnimmt. Beim Staat ist das nicht anders. Und genau das kann auch Frau Merkel nicht. Warum sie es nicht kann, hat viele Gründe. Diese liegen in ihrer Ausbildung, ihrer Person, ihrem Umfeld, ihrem Metier. Egal: sie ist unfähig diesen Staat zu verschlanken.

Für andere "Politik-Profis" trifft das allerdings auch zu. Egal ob diese aus dem Lager der sozialen Umverteiler (der SPD) oder der Naturreligionen (der Grünen) kommen. Letztlich hat der Wähler die Verantwortung und muß sich jeden einzelnen Kandidaten sehr genau ansehen. Wobei unser Wahlrecht leider ein großes Hindernis ist. Wenn verantwortungsbewusste Familienvorstände auch für ihre Kinder stimmen dürften, gäbe es wohl auch der Allgemeinheit gegenüber verantwortungsvolle Politiker. Außerdem sind Zwangs-Stimmen für Listenpakete von Parteien immer Mogelpackungen, nur gefüllt mit den Fröschen, die am lautesten quaken.

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