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19.04.2013

14:47 Uhr

Krisenverschärfende Forderungen

Schwere Vorwürfe gegen Chef der Anti-Euro-Partei

VonDietmar Neuerer

ExklusivBernd Lucke hat maßgeblich zum Erfolg der neuen Anti-Euro-Partei beigetragen. Doch nun holt ihn seine Vergangenheit ein. Ein führender Ökonom wirft ihm vor, einst krisenverschärfende Thesen vertreten zu haben.

AfD-Chef Bernd Lucke. Reuters

AfD-Chef Bernd Lucke.

BerlinDer Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hat schwere Vorwürfe gegen den Chef der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, erhoben. „Es ist bemerkenswert, dass führende Mitglieder dieser Partei in der Vergangenheit wirtschaftspolitische Vorschläge gemacht haben, deren Umsetzung maßgeblich zum Entstehen der Krise des Euroraums beigetragen haben“, sagte Horn Handelsblatt Online.

„So ist Professor Bernd Lucke Mitinitiator des sogenannten Hamburger Appells von 2005, in dem die Bundesregierung zu einer Politik aufgefordert wurde, die am Ende zu den Handelsungleichgewichten beigetragen hat, die am Beginn der Euro Krise stehen.“ Vor allem die Forderung nach  Lohnzurückhaltung und die Darstellung Irlands und Großbritanniens als Vorbilder wirkten vor dem Hintergrund der Krisen der vergangenen Jahre „etwas merkwürdig“.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Den Hamburger Appell hatten seinerzeit 240 deutsche Wirtschaftsprofessoren unterzeichnet, darunter auch der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) Hans-Werner Sinn, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sowie der Leiter des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar. Konkret forderten die Ökonomen damals äußerste Lohnzurückhaltung, einen strikten Sparkurs und weit reichende Einschnitte in die sozialen Sicherungssysteme.

Deutschland stecke in einer "tiefen strukturellen Krise, die drastische und schmerzhafte Reformen verlange". Doch gerade im Wahlkampf zeige die Politik wenig Bereitschaft, den Bürgern die Notwendigkeit von Reformen "mit der gebotenen Deutlichkeit" vor Augen zu führen.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Horn sieht in der bisherigen Euro Rettungspolitik und ihrer unzureichenden Resultate den Hauptgrund dafür, dass sich die Anti-Euro-Partei gegründet habe. Ihre Forderung, den Euro abzuschaffen sieht er mit großer Sorge. „Das hätte in der Tat verheerende Effekte auf die Auslandsvermögen und die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie, die unmittelbar durch eine  zu erwartende massive Aufwertung der Neo-D-Mark geschädigt würde“, sagte der IMK-Chef. „Zudem würden in Zukunft die deutschen Exporte wieder unter Währungsschwankungen zu leiden haben.“  Es sei daher zu hoffen, dass dies auch den Wählern bewusst ist. „Allerdings ist das Protestpotenzial derzeit hoch“, fügte Horn hinzu.

Die AfD hatte sich erst am Wochenende gegründet und ein Wahlprogramm verabschiedet. Darin fordert sie eine „geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes“ und schließt eine Rückkehr zur D-Mark nicht aus.

Kommentare (335)

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Account gelöscht!

19.04.2013, 14:58 Uhr

Gustav Horn ein ernst zu nehmender Ökonom. Dieses ist doch ein Widerspruch in sich.

Account gelöscht!

19.04.2013, 15:01 Uhr

...Horn hat einen heißen Draht zm HB, so eine Art Dauertopökonom

Rechner

19.04.2013, 15:05 Uhr

JUHU - beim Handelsblatt gibt es wieder Kasperletheater:

Gutwirte gegen Wutwirte.

Zwar verbrät der Herr Lucke einen Haufen Unsinn, aber gerade das was Horn ihm vorwirft gehört nicht dazu:

O-Ton Horn
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„So ist Professor Bernd Lucke Mitinitiator des sogenannten Hamburger Appells von 2005, in dem die Bundesregierung zu einer Politik aufgefordert wurde, die am Ende zu den Handelsungleichgewichten beigetragen hat, die am Beginn der Euro Krise stehen.“
Vor allem die Forderung nach Lohnzurückhaltung und die Darstellung Irlands und Großbritanniens als Vorbilder wirkten vor dem Hintergrund der Krisen der vergangenen Jahre „etwas merkwürdig“.
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Als ob die Handelsbilanzdefizite der PIGS von der deutschen Lohnzurückhaltung erzeugt worden wären.

Die sind von den MANGEL an Lohnzurückhaltung bei den PIGS erzeugt worden.

Wäre Deutschland und Guteuropa damals den Rezepten von Horn gefolgt, dann wären wir jetzt alle Griechenland.

Und der Euro würde sich vom Zimbabwe-Dollar nur durch die bessere Druckqualität unterscheiden.

...

Naja - Unterhaltungswert hat er ja, der Professor Horn.

Wenn auch wohl unfreiwillig.

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