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18.04.2012

09:59 Uhr

Kristina Schröder

Die Anti-Emanze

VonDietmar Neuerer

Als Familienministerin hat Kristina Schröder wenig erreicht. Jetzt geht die CDU-Frau in die Offensive – mit einem Buch. Ihr neues Kampffeld: der Feminismus. Darin outet sie sich als Anti-Emanze. Kann das gut gehen?

Schröder verteidigt freiwillige Frauenquote

Video: Schröder verteidigt freiwillige Frauenquote

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BerlinDer Veranstaltungsort ist ganz nach dem Geschmack von Kristina Schröder. Hier, auf dem Gelände der denkmalgeschützten Backfabrik im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg ist die Bundesfamilienministerin ihrem Herzensthema ganz nahe. Es geht um Frauen und ihre Lebensentwürfe, also auch um Familien. Die findet sie in diesem kinderreichen Stadtteil zuhauf. Das passt ganz gut für die CDU-Frau. Denn Schröder hat an diesem Dienstagabend große Pläne: sie stellt ihr Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber!“ vor - eine Abrechnung mit den Anmaßungen des deutschen Feminismus.

Die Resonanz ist gewaltig. Schon im Vorfeld hagelte es Verrisse für das Buch. Und auch an diesem Abend gibt es nur kritische Töne. Schröder dürfte mit einem Entrüstungs-Sturm gerechnet haben. Die Nervosität ist ihr sichtlich anzumerken. Mit weißem Blazer, rotem Top und Jeans betritt sie die Bühne. Danach posiert sie für die Fotografen. Fast könnte man meinen, Germany’s next Topmodel präsentiert sich der Öffentlichkeit. Es ist aber nur eine unscheinbare Bundesministerin, die sich später lautstark gegen Anwürfe von allen Seiten wehrt mit Worten wie „Ich bin aber nicht die Gouvernante der Nation“ oder „Ich kann doch nicht ein Modell ad acta legen, das medial nicht so richtig flutscht“.

Glücklicherweise sitzt auf dem Podium noch die Publizistin Ursula Weidenfeld, die eigens vom Piper-Verlag engagiert wurde, um Schröder zu ihrem Werk zu befragen. Das tut sie auch: „Politisch flutscht Ihre Frauenquote aber doch auch nicht richtig“, fragt sie die Ministerin, die dann ein bisschen ins Schlingern gerät. Zu Recht, möchte man meinen. Denn Schröder hat mit ihrer Idee einer flexiblen Quote bisher nicht viel erreicht. Ihre Kabinettskollegin, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), ist dagegen auf dem aussichtsreicheren Weg unterwegs. Ihr Modell für eine starre Quote findet sogar die Unterstützung der Opposition. Sollte daraus ein Gesetz werden, war es das mit Schröder. Jedenfalls hat die Ministerin schon angekündigt, im Fall der Einführung einer gesetzlichen Frauenquote für Spitzenjobs in der Wirtschaft ihr Amt niederzulegen.

Familienpolitische Leistungen und ihre Folgen

195 Milliarden pro Jahr

Die Förderung von Familie und Ehe lässt sich der Staat viel kosten. Die Förderung setzt sich aus 160 Einzelmaßnahmen zusammen und kostet nach den aktuellsten Zahlen 195 Milliarden Euro pro Jahr.

Kindergeld

Für das Kindergeld zahlt der Staat jährlich gut 33 Milliarden Euro aus - hinzu kommen weitere drei Milliarden Euro steuerliche Familienförderung.

Ehegattensplitting

Der Einnahmeverlust des Staates durch das Ehegattensplitting beläuft sich auf jährlich gut 20 Milliarden Euro. Vom Splitting profitieren sowohl Paare mit und ohne Kinder. Ökonomen kritisieren, das Ehegattensplitting biete Müttern einen Anreiz, eher weniger oder gar nicht zu arbeiten. Tatsächlich ist die Erwerbstätigenquote der Frauen in Deutschland relativ niedrig, und die durchschnittliche Teilzeit umfasst weit weniger Stunden als in den meisten anderen Industrieländern.
Unter den 34 OECD-Staaten ist Deutschland das Land, das am stärksten auf Steuervergünstigungen setzt: Hier entfällt rund ein Drittel aller Familienleistungen darauf - im OECD-Schnitt sind es nur zehn Prozent.

Monetäre Leistungen

Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung kosten den Staat 11,5 Milliarden, das Bafög für Studenten 1,6 Milliarden.

Krankenversicherung

Die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung kostet jährlich rund 15 Milliarden Euro. Die Summe wurde bisher vom Bund erstattet, weil es sich um „versicherungsfremde Leistungen“ handelt.
Die beitragsfreie Mitversicherung nichterwerbstätiger Ehegatten kostet weitere elf Milliarden Euro.

Elterngeld

2011 gab der Staat dafür 4,7 Milliarden Euro aus.

Kitas

Die Kinder- und Jugendhilfe kostete Bund, Länder und Gemeinden zuletzt rund 29 Milliarden Euro, fast 18 Milliarden davon entfielen auf die Kindertagesbetreuung.

Mit einem Schlag wäre eine Blitzkarriere im Berliner Politikbetrieb beendet. Denn eines hat Kristina Schröder beharrlich und mit offenem Visier verfolgt – ihren politischen Werdegang. In kurzer Zeit hat sie es bis ins Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel geschafft. Die Spannung war groß, wie sie sich dort als Familienministerin machen würde. Heute lässt sich sagen, von Schröders Elan als Bundestagsabgeordnete ist im Ministeriums-Alltag nicht mehr viel übrig geblieben. Dabei gibt es viele Themen, mit denen sie sich in der Öffentlichkeit Gehör und Profil verschaffen könnte.

Kommentare (37)

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VolkerRacho

18.04.2012, 10:24 Uhr

Am meisten hat mich Kristina Schröder letztes Jahr überrascht, als sie ihr Kind zur Welt brachte. (...) +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Lazlo

18.04.2012, 10:27 Uhr

Auch wenn sie nicht viel umgesetzt hat, mit Ihren Aussagen liegt sie absolut richtig. Der männer- und familienfeindlichkeit Radikalfeminismus von Frau Schwarzer wird zum Glück nicht von allen Frauen unterstützt.

parlant

18.04.2012, 10:34 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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