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20.06.2013

17:08 Uhr

Kritik am Betreuungsgeld

Schwarz-gelbe Familienpolitik unter Beschuss

VonDietmar Neuerer

ExklusivJahrelang wurde die Familienförderung analysiert. Der Spielraum für Änderungen ist gering. Mit einer Ausnahme: Aus Expertensicht hat die Koalition beim Betreuungsgeld aufs falsche Pferd gesetzt – in vielerlei Hinsicht.

Von einer besseren Kinderbetreuung würden Familien, aber auch die Wirtschaft profitieren. dpa

Von einer besseren Kinderbetreuung würden Familien, aber auch die Wirtschaft profitieren.

BerlinIn ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und FDP angekündigt, alle familienpolitischen Leistungen des Staates auf den Prüfstand zu stellen – ein hoher Anspruch, den die Bundesregierung nun mit der aufwendigen Gesamtüberprüfung der „ehe- und familienbezogenen Leistungen“ einzulösen versucht. Seit 2006 analysierten weit mehr als 100 Wissenschaftler verschiedener Forschungsinstitute im Regierungsauftrag jeden Euro, den der Staat für Kinder, Ehepaare, Alleinerziehende und Witwen ausgibt.

Das Ergebnis ist ernüchternd – und hätte man wohl auch ohne die Expertise schon  erahnen können. Denn viele – vor allem finanzielle – Leistungen des Staates sind durch die Verfassung und entsprechende Karlsruher Urteile so festgezurrt, dass kaum Spielraum für Neugestaltung bleibt. Das gilt insbesondere für den Kinderfreibetrag bei der Steuer – und damit politisch auch für das Kindergeld. Was erst gar nicht groß thematisiert wird ist das höchst umstrittene Betreuungsgeld, wenngleich diese Leistung von Experten, als wenig gewinnbringend gesehen wird. Im Gegenteil: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht sich durch die jetzt vorgelegte Untersuchung in seiner Kritik am Betreuungsgeld bestätigt.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

„Die Evaluation zeigt, dass direkte monetäre Leistungen nicht unbedingt die erhoffte Wirkung zeigen. Dies stellt auch dem Betreuungsgeld eine ungünstige Prognose aus“, sagte der Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik beim IW, Hans-Peter Klös, Handelsblatt Online. Demgegenüber sei ein weiterer Ausbau der Betreuungsinfrastruktur eine gute Voraussetzung dafür, dass Mütter und in selteneren Fällen auch Väter so viel arbeiten könnten, wie sie es für möglich hielten.

Laut Klös sind entsprechende Betreuungsangebote ein gutes Mittel gegen Fachkräfteengpässe. „Denn nur wenn Eltern den Nachwuchs gut versorgt wissen, können sie dem Arbeitsmarkt mit ihren Qualifikationen zur Verfügung stehen, wenn sie dies wollen“, sagte er. „Gäbe es mehr Kitas und Ganztagsschulen, so stünden dem Arbeitsmarkt nach unseren Berechnungen bereits kurzfristig 240.000 qualifizierte Vollzeitkräfte zusätzlich zur Verfügung.“

Klös‘ Einschätzung ergibt sich auch aus dem Umstand, dass sich viele Eltern laut der Evaluation eine noch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen. „Dabei kommt der Kinderbetreuung die wichtigste Rolle zu: 82 Prozent der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt sind überzeugt, dass es vor allem die Kinderbetreuung ist, mithilfe derer sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen“, heißt es in dem Bericht für die Bundesregierung.

Kommentare (11)

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Auslandsdeutscher

20.06.2013, 18:00 Uhr

Man kann die Pro-Kita-Anti-Betreuungs-und-Kindergeldpropaganda der von der linken DPA auch mit Hilfe des Handelsblatts ins Volk gestreuten Propaganda ja schon nicht mehr lesen.
Was wir grundsätzlich benötigen, ist ein Zurückdrängen des Staates, und zwar auf allen Ebenen, damit die Steuer- und Abgabenbelastung der Bürger und Familien gesenkt werden kann.
Und die Familien und insbesondere auch die Frauen benötigen eine Stärkung der Institution der Ehe, konkret eine Verschärfung des Scheidungsrechtes.
Dann werden die Familien und unser Volk wieder gesunden und mithin auch die Bereitschaft (die ja oft Opferbereitschaft ist) zu Kindern wieder zunehmen.

Finger

20.06.2013, 18:06 Uhr

Geld für Familien ist immer noch besser als Krieg in Afghanistan, als Drohnenpleiten, als nicht funktionierende Gewehre und Abwehrraketen, als überbordende Kosten für Verwaltungsebenen und das Monster EU und vieles mehr. Leider müssen bei immer schlechteren Löhnen in der Familie immer beide Ehepartner arbeiten, weil es sonst nicht mehr geht. Die Frage sei erlaubt, ob das normal ist? Oder war es früher doch besser, als ein Ehepartener die Familie und Kinder ernähren konnte? Viel des heutigen Leistungsquatsches wäre überflüssig. Es geht im Leben nicht nur um Arbeit, es gibt auch andere lebenswerte Dinge. Die Politik rafft das aber nicht. Leider.

whisky

20.06.2013, 18:27 Uhr

Ddie Steuer- und Abgabenbelastung ist doch in den letzten Jahren - seit CDU/FDP-Regierung Kohl - massiv gesenkt worden. Allerdings hauptsächlich für die Reichen und Superreichen. Zum Beispiel der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer auf Kapitaleinkünfte von 53% auf 25% ("Quellensteuer"). Oder der Wegfall der Vermögenssteuer. Oder die etlichen Senkungen der Erbschaftssteuern. Nicht zu vergessen, die Senkung der Körperschaftssteuern auf 15%.
Dafür haben wir jetzt schlechte Straßen, marode Schulen und Unis usw.
Übrigens: Senkung der Staatsausgaben um 1 % bewirkt eine Senkung des BIP um 0,9% bis 1,7% - lt. IWF.
Aber Sie wollen ja was Anderes. Privatisieren. Das heißt, was jetzt noch allen Deutschen gehört, soll dann Wenigen gehören. Die damit dann die Bevölkerung ausquetschen können. Also wählen Sie Frau Merkel. Die will das auch. Zum Beispiel die Wasserwerke privatisieren. Sie sagt zwar was anderes, handelt aber nicht so.

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