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28.03.2011

17:21 Uhr

Kritik an Anti-Atom-Kurs

Arbeitergeber wenden sich von Merkel ab

Das CDU-Debakel in Baden-Württemberg schreckt die Wirtschaftsverbände auf. Arbeitgeberpräsident Hundt reagierte höchst verärgert auf das Ergebnis und machte dafür den Anti-Atom-Kurs der Kanzlerin verantwortlich.

Im Clinch: Merkel und Hundt. Quelle: ap

Im Clinch: Merkel und Hundt.

Berlin"Nach meiner Beurteilung war das Moratorium ein großer Fehler", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Montag mit Blick auf die Aussetzung der erst kürzlich beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. "Sachlich erkenne ich kein Argument für diese Maßnahme, weil die Katastrophe in Japan die Sicherheitslage unserer Kernkraftwerke nicht beeinträchtigt."

Das Moratorium habe der Glaubwürdigkeit der Regierungsparteien geschadet, erklärte Hundt. Deutschland sei aus ökologischen und ökonomischen Gründen aus seiner Sicht weiter darauf angewiesen, die Kernkraft zu nutzen. "Ich rufe die Politik auf, zu Vernunft, Rationalität und Zuverlässigkeit zurückzukehren", erklärte der Arbeitgeberpräsident. Die wirtschaftliche Situation im Lande verlange nach einer handlungsfähigen Regierung und stabilen Verhältnissen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte zuvor seine Forderung bekräftigt, dass Deutschland schneller aus der Kernenergie aussteigen müsse. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, durch die Atom-Katastrophe in Japan habe sich auch für sie als Befürworterin der zivilen Nutzung der Kernkraft die Sichtweise verändert. Sie wolle aber nicht den Ergebnissen der AKW-Sicherheitsüberprüfung des bis Mitte Juni geltenden Moratoriums vorgreifen.

Außenhandelsverbandspräsident Anton Börner sieht in dem politischen Erdbeben nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz indessen keinen Anlass zur Sorge für die Wirtschaft. "Beunruhigt, nein, das bin ich nicht", sagte Börner am Montag in einem Reuters-Interview. Auch eine Schwächung Deutschlands in der Welt erwarte er nicht.

"Deutschland ist deswegen nicht unberechenbarer geworden", sagte er. Bundeskanzlerin Merkel sollte aus den Wahlergebnissen mitnehmen, dass es mehr Standhaftigkeit brauche. "Ich bin ein Vertreter von klaren, verlässlichen, langfristig orientierten Ansätzen." Merkel "muss beherzigen, dass man eine klare Vision für die Zukunft braucht, dass man klare Führungsstrukturen braucht, die man auch klar durchzieht, und nicht momentane Stimmungen zu stark gewichtet und dann seine Meinungen ändert", kritisierte er den Kurs der Kanzlerin.

"Ich glaube dieses Wahlergebnis zeigt, dass man mit einer klaren Linie - die mag man gut oder schlecht finden kann - mit klaren Überzeugungen und mit Persönlichkeiten, die diese klare Linie haben, punkten kann beim Wähler", sagte der Verbandschef mit Blick auf Baden-Württemberg. Der Wähler honoriere das Lavieren, das "Hin-und-Her-Springen" je nach Tagesereignissen, offenbar nicht. "Ich glaube, der Wähler möchte Verlässlichkeit haben".

Kommentare (11)

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Brentano

28.03.2011, 18:15 Uhr

Da haben doch der Hundt und Kumpanen den Schuss nicht gehört !

Das Volk will keine Kernkraft !

Damit muss man sich endgültig abfinden. Die schwarz/gelbe Laufzeitverlängerung war schon gegen die Bevölkerung und nach Japan ist die Gefahr der Abwahl für alle politischen Befürworter der Kernenergie zu gross.

Wie kann ein rechnender Mensch in der Wirtschaft eine Technologie unterstützen, für die er nicht mal eine ernsthafte Haftpflichtversicherung abschliessen kann ? Das ist doch ein Punkt, an dem einen ALLE Alarmglocken angehen müssen. Die Atomenergie hält sich nur deshalb, weil das Betriebsrisiko auf den Staat übergeht und er dafür haftet. Und da der Staat = das Volk, sollte man die Ablehnung der Kernenergie ernstnehmen. Ich denke, die CDU begreift das so langsam.

Morchel

28.03.2011, 18:35 Uhr

schluss jetzt mit demokratie,die wolln blos nicht arbeiten die aufstocker , hartz 4ler. atomstrm ist sauber. Honnecker behält recht was die da lernen mussten über den spekulativen kap. trfft doch ein tatsächlich ein.Lasst uns achnell noch den iran helfen sonst komm noch mehr aus afganistan zurück,man kommt ganz durcheinander.die anstalt

Account gelöscht!

28.03.2011, 18:40 Uhr

Vielen Dank für diesen Beitrag, zeigt er doch das wahre Gesicht unserer hochgelobten Demokratie. Die Parteien und Politiker sind doch nur Marionetten und Sprachrohre der wirklich Mächtigen, d.h. der Wirtschaft und des Kapitals. Sie steuern in der Realität unser Land, die Parteien sollen das Volk beschwichtigen und für ideale Bedingungen zur Profitmaximierung sorgen. Klappt das nicht, droht man mit Sympathie- oder besser Kapitalentzug, was ja in der globalen Wirtschaft einfach zu machen ist. Diese Wahl hat etwas an diesem Lack gekratzt, aber ich befürchte, auch die Grünen werden den Karren weiter in die gewünschte Richtung ziehen.

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