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06.03.2013

17:59 Uhr

Kritik an Bundespräsident

Der #Aufschrei soll nicht verhallen

VonTobias Jobke

In einem Brief an Bundespräsident Gauck kritisieren junge Frauen dessen Äußerungen zur Sexismus-Debatte – und versuchen damit den #Aufschrei wieder aufleben zu lassen. Das kommt bei vielen nicht gut an.

Bundespräsident Joachim Gauck. dpa

Bundespräsident Joachim Gauck.

Düsseldorf„Wir vermissen in Ihren Äußerungen vor allem Feingefühl und Respekt gegenüber all den Frauen, die sexistische Erfahrungen gemacht haben.“ Mit dieser deutlichen Kritik haben sich sieben junge Frauen Anfang der Woche in einem offenen Brief an Joachim Gauck gewandt. Der Bundespräsident hatte die Sexismus-Debatte in einem Spiegel-Interview etwas heruntergespielt, sprach flapsig von „Tugendfuror“. Eine flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen könne er in Deutschland nicht erkennen.

Die Unterzeichnerinnen des offenen Briefes – darunter sind auch die beiden Initiatoren der ursprünglichen #Aufschrei-Debatte, Anne Wiezorek und Nicole von Horst – reagierten empört. Sie stören sich vor allem am Begriff „Tugendfuror“. Die darin enthaltene Abwertung „Furie“ werde verwendet, um die Wut von Frauen als übertrieben darzustellen und lächerlich zu machen. Das wollen sie nicht hinnehmen und haben den kritischen Brief über Twitter verbreitet.

Sexismus-Debatte im Netz: Der #Aufschrei geht weiter

Sexismus-Debatte im Netz

Der #Aufschrei geht weiter

Im Internet formiert sich nach den Vorwürfen gegen Rainer Brüderle weiter Protest gegen Sexismus im Alltag. In einem Blog schildern Hunderte Nutzer ihre Erfahrungen: Wenn der Kollege mit dem „besten Stück“ droht.

Die Sexismus-Debatte wird dadurch erneut befeuert. Twitter-Nutzer reagieren zum einen auf die Äußerungen des Bundespräsidenten. @robert_schuette etwa schlägt sich auf die Seite der Gauck-Kritiker und fordert: „Nachdem sich #Gauck in der #Aufschrei-Debatte positioniert hat, sollte er jetzt nicht einfach rumbrüderlen und dicht machen.“ @konradkoerner nimmt ihn dagegen in Schutz: „Er hat nur gesagt, was alle denken: Es gibt Probleme, aber man darf nicht alles überdramatisieren.“

Für Diskussionen sorgt aber auch die Rückkehr des Aufschrei-Hashtags in den Tweets an sich. Viele Nutzer halten den neuen Aufschrei der jungen Frauen für übertrieben – zum Beispiel @T_Terrier: „#Aufschrei gegen Alltagssexismus war wichtig! Aufschrei gegen #Gaucks Warnung vor #Tugendfuror überhitzt die Diskussion jedoch. @stefanantonelli argumentiert in eine ähnliche Richtung: „Jetzt hacken sie auch noch auf #Gauck herum. Langsam wird es lächerlich. Ach nee, ist es ja schon lange ...“

Grundregeln für die Büro-Beziehung

Tratsch und Klatsch

Flirten Sie nicht ganz so ungehemmt wie sonst. Jede Firma hat ihren Tratsch und Klatsch und Ihrer beruflichen Reputation wird es nichts nützen, wenn Sie die Medaille für den „Flirt des Jahres“ bekommen.

Zurückhaltung, bitte!

Wenn Sie gezielt auf der Suche nach kurzfristigen Affären sind, so suchen Sie sich lieber ein anderes Spielfeld dafür.

Keine Vorteile

Verschaffen Sie sich durch einen Flirt oder eine Beziehung keine Vorteile am Arbeitsplatz.

Bleiben Sie professionell

Bleiben Sie auch in einer Beziehung professionell und behandeln Sie den anderen im beruflichen Kontext als Kollegen, Einkäufer, Dienstleister oder was auch immer und nicht als Partner. Wenn Sie das nicht schaffen, weil Sie dann zum Beispiel nicht so hart verhandeln können, dann lassen Sie sich in diesen Situationen vertreten oder Sie lassen sich ganz versetzen.

Missverständnisse vermeiden

Lassen Sie besondere Vorsicht und Sorgfalt walten, wenn es sich um einen Flirt und vielleicht mehr mit einem Vorgesetzten oder Untergebenen kommt. Hier ist es besonders wichtig, von vornherein dafür zu sorgen, dass es keine Missverständnisse gibt und sich Dienstliches nicht mit Privatem vermischt.

Händchen halten

Achten Sie auch in einer besonders verliebten Phase auf Ihre Kommunikation und Ihr Verhalten vor Kollegen. Händchen haltenden Kollegen sind nicht unbedingt gerne gesehen.

Auf die Arbeit konzentrieren

Denken Sie daran, dass es Ihre bezahlte Arbeitszeit ist, die Sie im Unternehmen verbringen und dass Sie sich selbst große Probleme bereiten können, wenn Sie zu oft im Gespräch mit Ihrer neuen Liebe gesehen werden. Bedenken Sie auch, dass Ihre E-Mails gelesen werden könnten!

Zum richtigen Zeitpunkt öffentlich machen

Überlegen Sie gut, wann ein geeigneter Zeitpunkt ist, die Kollegen darüber zu informieren, dass Sie nun ein Paar sind. Warten Sie auf jeden Fall einige Zeit ab, bis Sie diesen Schritt tun. Sie beide sollten sich sicher sein, dass Sie nun in einer festen Beziehung sind. Dann ist es auch wichtig, sich dazu zu bekennen, um eventuelle Gerüchte nicht erst aufkochen zu lassen und auch vorzubeugen, dass man Ihnen Interessenskonflikte vorwerfen könnte.

Gefühle sind Privatsache

Sprechen Sie mit Kollegen nicht ausführlich über Ihre Beziehung und Ihre Gefühle – weder in einer frisch verliebten Phasen, noch wenn Sie sich doch trennen sollten. Bleiben Sie professionell, lächeln Sie und biegen Sie das Gespräch in eine andere Richtung, falls die Fragen zu hartnäckig sind.

Kommen und gehen

Achten Sie darauf, nicht zusammen zu kommen und zu gehen, wenn Sie noch kein offizielles Paar sind.

Arbeitsessen oder Date?

Sorgen Sie auch bei sich selbst dafür, dass Ihnen in einer Phase des Kennenlernens klar ist, ob Sie nun ein Arbeitsessen oder ein „Date“ haben.

Betriebsfeste

Weihnachtsfeiern oder andere Betriebsfeste sind keine gute Möglichkeit, nach einigen Gläsern Wein all seinen Mut zusammen zu nehmen und vor der reizenden Kollegin aus der Buchhaltung auf die Knie zu sinken um ihr endlich zu sagen, wie wunderbar sie ist.

Die Zeit nach der Beziehung

Bedenken Sie bei einer Beziehung im beruflichen Umfeld immer deren mögliche Endlichkeit (auch wenn das nicht sehr romantisch ist), schließlich wird inzwischen rund jede zweite Ehe geschieden. Das Haltbarkeitsdatum für Beziehungen ist also zumindest im Durchschnitt noch kürzer. Bedenken Sie einfach die Konsequenzen, was das für Konsequenzen für Sie, Ihren Beruf und Ihre Karriere hat, wenn Sie Ihre Beziehung nun öffentlich machen und diese in sechs Monaten wieder zu Ende ist. Die Erfahrung lehrt, dass Frauen meist den Kürzeren ziehen und mit negativen Folgen rechnen müssen.

Quelle: Nandine Meyden, „Karrierekiller. Versteckte Fallen auf dem Weg nach oben“, Berlin 2011, ISBN: 978-3-430-20118-6

Andere Nutzer werden noch deutlicher. @OsmanDoenmez zum Beispiel wirft den Initiatorinnen der Sexismus-Debatte vor, nicht im Sinne der Opfer zu handeln, sondern vor allem Selbst-PR zu betreiben: „Diese mediale Präsenz der Aufschrei-Initiatorinnen hat ein Geschmäckle.“

Noch hat es der #Aufschrei nicht in die deutsche Top Ten der Twitter-Trends zurückgeschafft. Ende Januar war der Hashtag dort tagelang vertreten gewesen, tausende Frauen hatten nach einer anzüglichen Äußerung von FDP-Spitzenkandidat Brüderle gegenüber einer Journalistin ihrem Ärger über Sexismus Luft gemacht. Doch auch wenn jetzt viele offenbar keinen neuen #Aufschrei wollen – zumindest auf Twitter beschert das den Feministinnen trotzdem neue Aufmerksamkeit.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

06.03.2013, 18:24 Uhr

Sobald die ersten Sonnenstrahlen Deutschland erhellen, fallen die Hüllen und die Frauen laufen wieder knapp
bekleidet durch die Strassen und die Männer werden läufig.
Ein ganz natürlicher Vorgang der Natur. Auch in der Natur, keine Häsin zieht ihr Fell aus um stramme Männchen anzulocken geht von alleine. Wenn Frauen sich knapp bekleidet über Männer aufregen, bleibt noch Muslimin zu werden. Unter einer Burka gibt es keine Anmache und Frieden vor uns Männern.

Stein

06.03.2013, 18:40 Uhr

Es ist das Schicksal eines jeden Aufschreis zu verhallen. Wer das beklagt, kann keine nachhaltige Veränderung im Sinne haben. Nur reflektierte Analyse, Augenmaß und Fairness haben Bestand. Dummerweise erfordert das leise Töne, Konsens und gegenseitiges Verständnis. Dummerweise geht das nicht mit 140 Zeichen auf Twitter. Sexuelle Belästigung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Aber warum fragt niemand nach den Männern, denen das schon passiert ist? Frauen sind sexisitischer als sie zugeben möchten und schaffen es auch noch, dass solche Themen nicht in die Medien kommen. Selbst in der Tagesschau wurde ein Bericht gesehndet in dem eine Frau sagte, dass unsere Welt sexistisch ist weil sie von Männern dominiert wird. Ich wurde als Mann schon sexuell belästigt. Wie jeder erwachsene Mensch habe ich Grenzen gesetzt und die Situation geändert. Aber klar, das wäre ja auch zu viel verlangt von den starken unabhängigen Frauen in Deutschland. Mich nervt diese Diskussion nur noch. Ich habe nie eine Frau sexuell belästigt und habe es auch nicht vor.

Brain58

06.03.2013, 19:01 Uhr

Jede Übertreibung ist Feind des gerechterweise Gewollten. Extremismus macht Gutes kaputt. Wer schützt Belästigte vor Extrem-Meinungen, die ihre Interessen unterminieren, weil sie zu Desinteresse und Wegsehen führen?

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