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22.01.2011

08:58 Uhr

Kritik an Guttenberg

„Das ist kein Führungsstil“

Nach dem Skandal auf der „Gorch Fock“ hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erste Konsequenzen gezogen und dem Kapitän des Segelschulschiffs das Kommando entzogen. Ein Bauernopfer? Die Opposition fordert, dass Guttenberg persönlich für seine Fehler geradesteht. Der CSU-Politiker zeigt sich noch unbeeindruckt.

Verteidigungsminister Guttenberg: "Die Verdächtigungen sind infam." Reuters

Verteidigungsminister Guttenberg: "Die Verdächtigungen sind infam."

HB BERLIN. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufgefordert, etwaige Konsequenzen aus den Bundeswehr-Affären auch persönlich zu tragen. „Ich erwarte, dass der Minister jetzt nicht wieder Sündenböcke sucht“, sagte Steinmeier dem Magazin „Der Spiegel“. Guttenberg müsse „persönlich und unverzüglich“ Stellung zu allen Vorwürfen nehmen. „Und ich erwarte, dass er dieses Mal Manns genug ist, seine eigenen Fehler dann auch als solche einzugestehen.“

Nach den Vorgängen um eine angebliche Meuterei auf dem Bundeswehr- Schulschiff „Gorch Fock“ hatte Guttenberg erste Konsequenzen gezogen, indem er Kapitän Norbert Schatz als Kommandant des Segelschulschiffs absetzen ließ. Außerdem ordnete Guttenberg die sofortige Rückkehr der „Gorch Fock“ nach Deutschland an. Die Zukunft des Dreimasters stellte er infrage.

Der ehemalige Oberstleutnant der Bundeswehr und Vorstandsmitglied des bundeswehr-kritischen Arbeitskreises „Darmstädter Signal“, Jürgen Rose, vermutet bei den Vorfällen auf der „Gorch Fock“ einen Verstoß gegen das Prinzip der Inneren Führung. Rose sagte am Samstag im Deutschlandradio Kultur, einerseits könnte bei der Absetzung des Kommandanten der Eindruck eines „Bauernopfers“ naheliegen, um die Handlungsfähigkeit des Verteidigungsministers zu demonstrieren.

Andererseits könnten für die Absetzung auch „handfeste“ Gründe existieren: „Man wird das sicherlich nicht ohne Grund gemacht haben, denn den Medienberichten zufolge scheint es schon so gewesen zu sein, dass dort nicht entsprechend den Grundsätzen der Inneren Führung mit den Auszubildenden umgegangen worden zu sein scheint“, sagte der ehemalige Offizier, der nach seiner Kritik am Tornado-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan in den Ruhestand versetzt wurde.

Die SPD zweifelt an einer klaren Linie von Verteidigungsminister Guttenberg. Dabei stelle sich auch die Frage der Glaubwürdigkeit des Verteidigungsminister, sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier am Samstag in Berlin. Noch am Freitag habe Guttenberg die Opposition für ihre Forderung nach Konsequenzen beschimpft.

„Einen Anruf von der „Bild'-Zeitung und einen Tag später ist alles anders. Der Kapitän der „Gorch Fock' ist entlassen. Das lässt vermuten, da wird noch viel aufzuräumen sein“, sagte Steinmeier. Er äußerte die Vermutung, dass von der Aufklärung auch Guttenberg selbst betroffen sein wird. „Der Aufklärer Guttenberg wird das Thema nicht von sich weghalten können, auch wenn er weiter Untergebenen die Verantwortung zuschiebt.“

Kommentare (33)

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Carlos Anton

22.01.2011, 12:03 Uhr

Weiss soll diese Aufregung? im berufsleben kommt es leider immer wieder trotz umfangreicher Vorsichtsmassnahmen zu Unfällen, und dass der Militärdienst nicht frei von Risiko ist, sollte unmittelbar einsichtig sein. Es sollte auch klar sein, dass der Dienst auch nach einem tragischen Unfall weitergehen muss, denn die Ausbildung dient zur Vorbereitung auf den Ernstfall, der nun einmal leider mit Todesfällen verbunden sein kann. Das sollte zumindest Offiziersanwärtern klar sein.

Flug430

22.01.2011, 12:53 Uhr

Wer auf einem Segelschiff seine Ausbildung genossen hat ist im Leben kein "Weichei". Der Tod der jungen Kadettin ist tragisch und eine Ausbildung auf der Gorch Fock ist keine "Aidakreuzfahrt". Sie hat sich dafür beworben, wurde ärztlich für tauglich erklärt. Was hat da der Verteidigungsminister verkehrt gemacht Herr Tretin????

Ugur Gözel

22.01.2011, 13:00 Uhr

Jetzt zerbrechen sie sich um einen einzelnen Soldaten, der aus lauter langeweile getötet wurde, es leben die shooter games, den Kopf.

Daß auch unter ihrer Verantwortung jeden Tag dutzende Afghanen ums leben kommen, die nicht wissen was Shooter Games sind, interssiert die hiesige Presse und Politik nicht so sehr.
Wenn die toten nicht verschwiegen werden können, kauft man sich eben mit 5000 euro pro Toten frei.

Vielleicht bitten sie bei ihrem Toten auch 5000 an, ob das aber hier funktioniert wage ich zu bezweifeln. Denn der Stellenwert eines Toten beginnt erst ab dem eigenen Toten.

ihr verdient ein höchst Maß an Verachtung. Aghanistan hat euch nicht den Krieg erklärt.

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