Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.10.2016

15:43 Uhr

Kritik an Immobilien-Politik der Bundesregierung

Deutschland baut die falschen Häuser

VonSilke Kersting

Die Zahl der Baugenehmigungen steigt – aber das reicht nicht aus, meint die Bau- und Immobilienbranche. Es werden die falschen Häuser gebaut. Ihr Urteil über die Wohnungsbaupolitik der Großen Koalition ist vernichtend.

Es wird viel gebaut in Deutschland – aber meist im falschen Segment. dpa

Wohnungsbau in Deutschland

Es wird viel gebaut in Deutschland – aber meist im falschen Segment.

BerlinBoomt der Wohnungsbau in Deutschland? Von Januar bis August 2016 wurde in Deutschland der Bau von insgesamt 245.300 Wohnungen genehmigt. Das sind rund 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2015, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die Wohnungsbaubranche übte am Donnerstag dennoch deutliche Kritik an der Arbeit der Großen Koalition.

Die Wohnungsbaupolitik sei „eine offene Baustelle“, urteilt das „Verbändebündnis Wohnungsbau“, zu dem sich Organisationen und Verbände der Bau- und Immobilienbranche zusammengeschlossen haben, darunter der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Deutsche Mieterbund (DMB) und die IG Bau. „Die Wohnungen entstehen vor allem in Segmenten, wo wir keinen Mangel haben“, sagte Bündnis-Koordinator Michael Hölker dem Handelsblatt. „Es fehlen aber Wohnungen im bezahlbaren Segment.“

Der Faktencheck des Bündnisses ein Jahr vor der Bundestagswahl fällt vernichtend aus: Die schwarz-rote Koalition habe „ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, heißt es in dem am Donnerstag vorgelegten Papier. Zu den Hausaufgaben zählt das Bündnis in erster Linie das Zehn-Punkte-Programm, das Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) zum Abschluss des von ihr ins Leben gerufenen Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen entwickelt hatte. Das ist nun ein knappes Jahr her.

Welche Zusatzkosten Sie beim Hauskauf beachten müssen

Transaktionskosten

Wer beim Hauskauf nur mit dem Preis der Immobilie kalkuliert, kann am Ende eine böse Überraschung erleben. Denn oft kommen mit dem Erwerb weitere Kosten hinzu – die sogenannten Transaktionskosten. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat in der Studie „Wohn- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016“ einen Leitfaden dazu mitgegeben, der auflistet, welche Zahlungen Immobilienkäufer neben dem Kaufpreis berücksichtigen sollten.

Grunderwerbsteuer

So muss jeder, der eine Immobilie kauft, neben dem Kaufpreis auch die Grunderwerbsteuer abführen. Seit 2006 legen die Bundesländer die Höhe selbst fest. In 14 Bundesländern liegt er zwischen 4,5 und 6,5 Prozent, in Bayern und Sachsen dagegen bei 3,5 Prozent. 2015 haben die Länder so 11,2 Milliarden Euro eingenommen, der Anteil an allen Ländersteuern beträgt damit mehr als 50 Prozent. Ausnahmen von der Grunderwerbsteuer können bei Schenkungen und Erbschaften vorliegen.

Notarielle Leistungen

Neben der Steuer muss bei einem Hauskauf zudem auch der Notar bezahlt werden. Diese Kosten für beispielsweise Erstellung des Kaufvertrags, Übertragung des Eigentums und die Zahlungsabwicklung sind gesetzlich festgelegt und bewegen sich bei einer Standardkonstellation im Bereich von etwa 0,8 und 1,2 Prozent des Objektpreises. Dabei gilt: Je teurer das Objekt, desto geringer die Rate.

Grundbuch

Das Neueintragen oder das Umschreiben des Grundbuches ist ein weiterer Kostenfaktor, mit dem Hauskäufer rechnen müssen. Auch diese Kosten sind gesetzlich festgelegt. Sie liegen – je nach Objektpreis – zwischen 0,4 und 0,6 Prozent des Kaufpreises.

Leistungen von Maklern

Nicht obligatorisch, aber dennoch sehr häufig muss auch ein Makler bezahlt werden. Zum Teil übernehmen diese auch Objektbewertungen und Preisverhandlungen. Schätzungen gehen davon aus, dass Makler bei knapp der Hälfte aller Verkäufe von selbstgenutzten Immobilien beteiligt sind. Die Provision richtet sich nach ortsüblichen Sätzen, ist aber auch verhandelbar. Die Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland beziffert den gängigen Höchstsatz auf sechs Prozent des Kaufpreises zuzüglich Mehrwertsteuer. Das Bestellerprinzip, nach dem derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt hat, gilt übrigens nur für Vermietungen.

„Die Große Koalition ist über die Analysephase kaum hinausgekommen“, kritisiert das Verbändebündnis. Es sei der Bundesregierung nicht gelungen, die entscheidenden Punkte für mehr Wohnungsbau voranzubringen sowie Länder und Kommunen mit ins Boot zu holen. „Statt Vollgas zu geben, fährt der Wohnungsneubau im ersten Gang.“

Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, steht beim Verbändebündnis ein Punkt ganz oben auf der Liste: die Erhöhung der linearen Abschreibung von zwei auf drei Prozent. Ebenso dringlich sei die zielgerichtete Förderung über Investitionszulagen. Beide Wohnungsbau-Anreize seien überfällig. Investoren hätten mangels einer Mindestrendite derzeit keinen Anreiz, beispielsweise in den sozialen Wohnungsbau zu investieren, sagte Hölker. Bund und Länder sollten zudem Bauland bereitstellen und dabei nicht ausschließlich auf den Profit schielen. Der Vorschriften-Dschungel im Baurecht sollte durch eine einheitliche Muster-Bauordnung in den Ländern leichter zu durchdringen sein. Auch hier, so das Bündnis: Fehlanzeige.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Leo Löwenstein

20.10.2016, 15:54 Uhr

In Deutschland gibt es genug Wohnungen.
Dort will nur keiner wohnen, weil es keine Arbeitsplätze gibt.

Würde man alle abgelehnten Asylbewerber auch konsequent nach Hause schicken, dann würde sich die Wohnsituation ebenfalls entschärfen.
Desweiteren war es nicht hilfreich um die 900.000 Flüchtlinge ungeprüft ins Land zu lassen. Die müssen ja auch nach deutschen Standards untergebracht werden. Voll bezahlt durch den deutschen Steuerzahler.

Frau Lana Ebsel

20.10.2016, 16:59 Uhr

Was machen wir dann mit den vielen neuen leerstehenden Wohnungen, wenn Merkel die abgelehnten "Asylbewerber" natürlich und selbstverständlich wieder nach Hause geschickt hat?

Anno Nymicus

20.10.2016, 17:03 Uhr

Mit zunehmender Digitalisierung und den resultierenden Möglichkeiten zur Entkopplung von Wohnort und Arbeitsort, werden bald ganz andere Anforderungen gestellt werden...
Die Lebenshaltungskosten müssen runter - für das Geld was in Deutschland das Dach über'm Kopf kostet, kann ich in Indien 3 Ingenieure einstellen. Wenn es in Deutschland in 20 Jahren noch Wissensarbeiter geben soll, dann müssen die Lebenshaltungskosten runter.
Die völlig visionslose deutsche Führung wird aber voraussichtlich weiter Pennen, und jeglichem Trend erst dann hinterherlaufen, wenn es schon zu spät ist. In diesem Falle bedeutet "zu spät", dass sich dieser Beamten- und Rentnerstaat aus seiner Not heraus sich u.U. via Art 15GG bei all jenen bedienen wird, welche nicht weglaufen können: bei den Im-Mobilen. (Was die Formulierung bei der Entschädigung dann im Ernstfall bedeutet, kann man sich ja denken...)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×