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08.10.2016

07:09 Uhr

Kritik an Neumitglied Fest

Berliner CDU wirft AfD Nordkorea-Methoden vor

VonDietmar Neuerer

Die Kritik an der AfD wegen der kruden islamkritischen Thesen ihres Neumitglieds Nicolaus Fest wird lauter. Die Berliner CDU rückte den Publizisten in die Nähe des diktatorischen Regimes in Nordkorea.

Der Berliner AfD-Chef Georg Pazderski (l.) sieht in Fest einen „Vordenker“, der sich „nie angepasst habe“. Fest sagt, er wolle sich für die „Freiheit“ und „Rechtsstaatlichkeit“ in Deutschland einsetzen. dpa

AfD stellt Neuzugangs Nicolaus Fest vor.

Der Berliner AfD-Chef Georg Pazderski (l.) sieht in Fest einen „Vordenker“, der sich „nie angepasst habe“. Fest sagt, er wolle sich für die „Freiheit“ und „Rechtsstaatlichkeit“ in Deutschland einsetzen.

BerlinDie Forderung des AfD-Neumitglieds Nicolas Fest nach Schließung aller Moscheen in Deutschland erinnert den Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, an Methoden des diktatorischen Regimes in Nordkorea. „Die unterdrückerischen Zwangsmaßnahmen, die Herrn Fest vorschweben, kennt man sonst eher aus Nordkorea“, sagte Wegner dem Handelsblatt. „Die islamfeindlichen Äußerungen Nicolaus Fests hören sich an wie ein offizielles Aufnahmegesuch der AfD in die Verfassungsschutzberichte.“

Es treffe zwar zu, dass es innerhalb der islamischen Community „teilweise problematische Entwicklungen“ gebe, „bei denen wir genau hinschauen müssen“, sagte der Großstadtbeauftrage der Unions-Bundestagsfraktion weiter. „Wer aber eine vielschichtige Weltreligion mit 1,6 Milliarden Gläubigen pauschal als totalitäre Bewegung abqualifiziert, tritt unser Grundgesetz mit Füßen“, betonte Wegner.

Die Sprüche der AfD

Immer wieder im Mittelpunkt

Ob Flüchtlingspolitik oder Fußball - mit markigen Sprüchen sorgen führende AfD-Politiker immer wieder für Kopfschütteln und Empörung, wie jetzt die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch. Einige Zitate.

Quelle:dpa

Undeutsches Nationalteam

„Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne.“ (Der AfD-Bundesvize Alexander Gauland am 3. Juni im „Spiegel“)

Unerwünschter Nachbar

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ (Gauland in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 29. Mai über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng)

Bitte abschotten

„Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“ (Gauland am 24. Februar im Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ über Flüchtlinge)

Schießbefehl dringend erwünscht

„Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ (Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry in einem Interview des „Mannheimer Morgen“ vom 30. Januar 2016. Angesichts des Flüchtlingszustroms forderte sie im Notfall auch den Einsatz von Schusswaffen.)

Der Flüchtling als Angreifer

„Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen. (...) Es gibt keinen Grund, mit Gewalt unsere Grenze zu überqueren.“ (Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch Ende Januar auf ihrer Facebook-Seite über Flüchtlinge)

Nachhilfe in Rassenkunde

„Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“ (Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke am 21. November 2015 in einem Vortrag über Asylbewerber aus Afrika)

Flucht als Naturkatastrophe

„Das ist ungefähr so, als würden Sie mit Plastikeimern einen Tsunami stoppen wollen.“ (Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen am 24. Oktober 2015 bei einem Landesparteitag in Baden-Württemberg über die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise)

Der Publizist Fest hatte bei seiner offiziellen Vorstellung als neues AfD-Mitglied den Islam als totalitäre Bewegung bezeichnet. Er halte den Islam „weniger für eine Religion als eine totalitäre Bewegung“, die mit dem Nationalsozialismus vergleichbar und nicht mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar sei, sagte Fest am Donnerstag in Berlin.

„Das öffentliche Ausüben (...) dieser Ideologie muss man verhindern“, fügte er hinzu. „Genauso wie ich Hakenkreuze oder andere Symbole der Nazis nicht im öffentlichen (...) Raum sehen will, möchte ich Symbole hier sehen, die für eine andere totalitäre Ideologie stehen.“ Dies bedeute auch, dass die Moscheen in Deutschland geschlossen werden müssten, sagte der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ auf Nachfrage von Journalisten.

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