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21.11.2014

07:40 Uhr

Kritik an Rente mit 63

Wirtschaftsverbände knöpfen sich Nahles' Reform vor

Das Interesse der Deutschen an der Rente mit 63 ist enorm – rund 110.000 Antrage auf vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf laufen bereits. Wirtschaftsverbände fürchten weniger Wachstum – und haben Personalsorgen.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist die Rente mit 63 auf den Weg gebracht – die kommt bei vielen Arbeitnehmern gut an. dpa

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist die Rente mit 63 auf den Weg gebracht – die kommt bei vielen Arbeitnehmern gut an.

BerlinDie rege Nutzung der Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren hat den Streit um dieses Gesetz der großen Koalition neu belebt. Wirtschaftsverbände befürchten weniger Wachstum und größere Personalprobleme in den Betrieben. „Fehlende Fachkräfte erweisen sich in den Betrieben oftmals als Wachstums- und Innovationsbremse“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, der „Rheinischen Post“. „Die Rente mit 63 und das frühere Ausscheiden von Leistungsträgern verstärkt diese Problematik.“

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

Schweitzer sagte den „Ruhr Nachrichten“, in den nächsten Jahren sei mit einer weiter steigenden Zahl der Anträge zu rechnen. „Das führt nicht nur zu milliardenschweren Mehrbelastungen in der Rentenversicherung.“

Der Vorsitzender der Jungen Union, Paul Ziemiack, kritisierte in der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag), der Rente mit 63 werde auf Kosten der jungen Generation finanziert. Jetzt zeige sich, dass die Bundesregierung besser auf das Rentenpaket verzichtet hätte. Ziemiack forderte eine Flexi-Rente. „Es ist doch völlig unverständlich, dass jemand, der das Rentenalter erreicht hat und weiter arbeiten will, Arbeitslosenversicherung zahlen muss. Das muss geändert werden.“

Von

dpa

Kommentare (6)

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Herr Fred Meisenkaiser

21.11.2014, 08:31 Uhr

„Die Rente mit 63 und das frühere Ausscheiden von Leistungsträgern verstärkt diese Problematik.“
Deshalb bekommt man mit 50 kaum noch einen Job!

Herr Niccolo Machiavelli

21.11.2014, 08:40 Uhr

Da müssen Sie differenzen: Für die Heerscharen der Geringqualifizierten stimme ich Ihnen zu.

Dessen ungeachtet: Laut öffentlich zugänglichen Umfragen sind ca. 90 % aller Arbeitnehmer unzufrieden mit ihrem Job. Von daher verwundert es nicht, wenn sie jede Chance nutzen, sich ihres zu entledigen.

Herr Fred Meisenkaiser

21.11.2014, 09:20 Uhr

Das betriftt nicht nur Geringqualifizierte. Selbst Ingenieure haben im Metallbereich Probleme, in diesem Alter einen Job zu finden.

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