Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.10.2014

17:30 Uhr

Kritik aus der Opposition

Bundesregierung ernennt Ebola-Beauftragten

Obwohl die Kanzlerin bereits einen persönlichen Afrika-Beauftragten hat, ernennt die Bundesregierung jetzt einen eigenen Ebola-Beauftragten. Die Opposition reagiert verschnupft und sieht noch viele offene Fragen.

Walter Lindner, früher oberster Krisenmanager des Auswärtigen Amts, wird Ebola-Beauftragter der Bundesregierung. dpa

Walter Lindner, früher oberster Krisenmanager des Auswärtigen Amts, wird Ebola-Beauftragter der Bundesregierung.

BerlinDie Bundesregierung will mit der Ernennung eines eigenen Ebola-Beauftragten ihre Hilfe für die betroffenen afrikanischen Staaten international stärker abstimmen. Den Posten übernehme der frühere Leiter des Krisenreaktionszentrums des Auswärtigen Amtes und jetzige Botschafter in Venezuela, Walter Lindner, teilte die Regierung am Mittwoch in Berlin mit. Zu Einsätzen in den Krisengebieten haben sich bisher mehr als 5000 Freiwillige beim Verteidigungsministerium und beim Deutschen Roten Kreuz gemeldet. Aus ihnen werden nun geeignete Helfer ausgewählt.

Politiker von Linken und Grünen im Bundestag, reagierten mit Kritik auf die Personalie. „Wo ist eigentlich Herr Nooke, der Afrikabeauftragte der Bundesregierung?“, fragte Niema Movassat, Obmann der Linksfraktion im Entwicklungsausschuss, im Gespräch mit dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Dass die Bundesregierung erst drei Monate nachdem die Epidemie außer Kontrolle zu geraten begann erkennt, dass es großen Koordinierungsbedarf gibt, sagt viel über das schlechte Krisenmanagement aus.“ Es zeige außerdem, dass die Verlagerung der humanitären Hilfe ins Auswärtige Amt ein Fehler gewesen sei. Das Entwicklungshilfeministerium habe in der Vergangenheit „wesentlich schneller und professioneller auf internationale Katastrophen reagiert“.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Kritik äußerte auch Kordula Schulz-Asche, Sprecherin der Grünen-Bundestagfraktion für Prävention und Gesundheitswirtschaft. „Nachdem sich Merkels Afrika-Beauftragter in der Ebola-Krise als Totalausfall entpuppte, zaubert nun die Bundesregierung einen eigenen Ebola-Beauftragten aus dem Hut“, sagte Schulz-Asche dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Da die Bundesregierung bisher nicht fähig oder willig war, ein effektives Krisenmanagement zu installieren, soll nun Herr Linder eine längst überfällige Systematik in die Hilfen der Bundesregierung für die betroffenen Länder bringen.“

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ylander Ylander

01.10.2014, 17:51 Uhr

Gibt es auch schon einen Draghi-Beuaftragten?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×