Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.07.2015

17:23 Uhr

Kritik aus EZB-Kreisen

Bafin verteidigt Sicherheitsnetz für deutsche Lebensversicherer

Das geplante Sicherheitsnetz für deutsche Lebensversicherer stößt beim Systemrisikorat der EZB auf Kritik. Nationale Alleingänge seien ungeeignet, um große Krisen zu verhindern. Doch die Bafin hält an ihrer Lösung fest.

Die Protektor Lebensversicherungs-AG soll im Insolvenzfall die Verpflichtungen von in Schieflage geratenen Versicherern übernehmen. dpa

Protektor AG

Die Protektor Lebensversicherungs-AG soll im Insolvenzfall die Verpflichtungen von in Schieflage geratenen Versicherern übernehmen.

FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin nimmt das deutsche Sicherheitsnetz für in Schieflage geratene Versicherer in Schutz. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wies am Donnerstag den Vorwurf des Europäischen Systemrisikorats (ESRB) zurück, dass nationale Lösungen wie die Auffanggesellschaft Protektor künftig nicht ausreichten. „Die Sicherungseinrichtung Protektor ist so konstruiert worden, dass sie auch in der Lage ist, den Ausfall eines größeren Versicherungsunternehmens zu verkraften“, betonte die BaFin. „Klar ist aber auch, dass keine Sicherungseinrichtung unbegrenzt belastbar ist“, schränkte sie ein.

Die Protektor AG wird von der Lebensversicherungsbranche finanziert. Sie musste bisher nur die Mannheimer Leben retten, die durch ihre riskante Expansion in Schieflage geraten war. Ein Sicherungsfonds für die Branche ist seit 2004 gesetzlich vorgeschrieben.

Krise der Assekuranz: Die Lebensversicherer und der große Geldschwund

Krise der Assekuranz

Premium Die Lebensversicherer und der große Geldschwund

Immer mehr Anbieter verabschieden sich von der klassischen Lebensversicherung. Die historisch niedrigen Zinsen machen den Unternehmen zu schaffen, die Kapitaldecke schrumpft. Die EZB warnt bereits vor einer Schieflage.

In dem Reuters vorliegenden vertraulichen Papier des ESRB heißt es, nationale Sicherungssysteme seien „ungeeignet, mit der möglichen Pleite großer Lebensversicherer oder der gleichzeitigen Pleite mehrerer mittelgroßer Lebensversicherer fertig zu werden.“ Daher spricht sich das Gremium für einen EU-weiten Auffangmechanismus aus. Der bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte ESRB soll als Frühwarnsystem für Probleme im Finanzsektor dienen. Ihm gehören Experten der EZB und von Aufsichtsbehörden an. Die „Süddeutsche Zeitung“ und das Online-Portal „versicherungsmonitor.de“ hatten zuerst über die Inhalte des Papiers berichtet. Der ESRB wollte sich dazu nicht äußern.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Auch die ESRB-Kritik am neuen Kapital-Regelwerk „Solvency II“ lässt die Bafin nicht gelten. Die dort vorgeschriebenen langfristigen Zinsannahmen seien „aus Sicht der Bafin derzeit nicht zu hoch“, hieß es in der Stellungnahme. Die Annahmen und die dahinter stehende Methodik würden aber ständig überprüft. Die Bafin sei daran beteiligt, die Entscheidung darüber treffe aber die EU-Kommission. Der ESRB bezweifelt, dass die Versicherer von einer langfristigen risikofreien Rendite von 4,2 Prozent ausgehen könnten. Damit unterschätzten sie zum Teil die Höhe der Verpflichtungen gegenüber den Versicherten, warnen die Experten. Je geringer die Rendite, desto mehr Eigenkapital müssten die Versicherer zurücklegen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×