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03.01.2007

08:33 Uhr

Kritik von den Gewerkschaften

Boom der Zeitarbeit sorgt für Streit

VonDieetrich Creutzburg

Der jüngste Aufschwung am Arbeitsmarkt geht mit kräftigen Zuwächsen bei der Zeitarbeit einher. Doch statt Beifall zu ernten, sieht sich die Branche zunehmend mit Vorwürfen konfrontiert, sie trage zur Verdrängung regulärer Arbeitsplätze bei. Das wollen die Unternehmen nicht auf sich sitzen lassen.

BERLIN. „Wer so argumentiert, verkennt völlig den Beitrag, den Zeitarbeit leistet, um Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, wehrte sich der Geschäftsführer des Zeitarbeitsverbandes IGZ, Werner Stolz, gegen Kritik aus dem Gewerkschaftslager. „Tatsächlich trägt die Zeitarbeit durch ihre Flexibilität in vielen Fällen dazu bei, gefährdete Arbeitsplätze zu sichern“, betont auch Thomas Hetz vom Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP).

Sie reagierten damit auf Aussagen des nordrhein-westfälischen IG-Metall-Chefs Detlef Wetzel. Dieser hatte in der „Berliner Zeitung“ beklagt, Stammpersonal werde in den Betrieben immer häufiger durch „billige Zeitarbeiter“ ersetzt oder verdrängt. „Diese Entwicklung bedroht Jobs und untergräbt alle Tarifstandards“, so Wetzel. Mit derselben Begründung wehrt sich die IG Bau dagegen, das für den Bausektor nach wie vor bestehende Verbot der Zeitarbeit aufzuheben.

Aktuelle statistische Daten über die arbeitsmarktpolitische Bedeutung der Zeitarbeit sind nach wie vor rar. Unbestritten ist aber, dass sie deutlich zugenommen hat – zumal, seit die rot-grüne Koalition 2004 einige gesetzliche Lockerungen umgesetzt hat. Von gut 300 000 ist die Zahl der Zeitarbeiter inzwischen in Richtung 500 000 gestiegen. Gesicherte Daten gibt es für die Zeit bis Ende 2005.

Doch gibt es klare Anzeichen dafür, dass der Trend anhält: Nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) entfällt auf den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung 2006 ein überproportional hoher Anteil auf die Zeitarbeit. Das sei im Übrigen typisch für den Beginn eines Konjukturaufschwungs: „Es ist durchaus rational, dass sich Betriebe zunächst nicht binden wollen, sondern auf flexible Formen setzen“, so IAB-Forscher Eugen Spitznagel.

Das Besondere der Zeitarbeit ist, dass die Beschäftigten bei dem Personaldienstleister angestellt sind, der sie gegen Entgelt an Kundenbetriebe „verleiht“. Das Risiko, das Personal nicht auslasten zu können, liegt daher bei der Zeitarbeitsfirma. Rückendeckung im Streit um Verdrängungseffekte erhält die Branche ebenfalls vom IAB. Für die „häufig formulierte Befürchtung, dass Entleihbetriebe systematisch reguläre Arbeitskräfte durch Leiharbeiter ersetzen“ gebe es „keine empirische Evidenz“.

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