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19.08.2013

15:44 Uhr

Kritische Lage

Kopten fordern Aufnahme ägyptischer Christen in Deutschland

Die Lage in Ägypten spitzt sich zu. Daher fordert das Oberhaupt der Kopten in Deutschland nun, das die teils verfolgten Christen nach Deutschland einreisen dürfen: „Die Tür nach Deutschland ist so gut wie verriegelt.“

Auch für Christen ist die Sicherheit in Ägypten nicht mehr gewährleistet. Bekommen sie nun Hilfe aus Deutschland? dpa

Auch für Christen ist die Sicherheit in Ägypten nicht mehr gewährleistet. Bekommen sie nun Hilfe aus Deutschland?

BerlinDas Oberhaupt der Kopten in Deutschland hat die Bundesregierung gebeten, verfolgte Christen aus Ägypten aufzunehmen. Es gehe besonders um verletzte oder traumatisierte Kopten, sagte Bischof Anba Damian der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Bisher sei es diesen Menschen kaum möglich einzureisen. „Die Tür nach Deutschland ist so gut wie verriegelt“, sagte Damian. „Einzelne Menschen hierher zu holen, sogar als Besucher oder Touristen oder zur medizinischen Behandlung, da gehört sehr viel Mühe dazu.“

Die Bundesregierung zeigte sich zwar besorgt über die Lage der Kopten und forderte ein Ende der Gewalt, denkt aber nach bisherigen Angaben nicht über ein gezieltes Aufnahme-Programm für ägyptische Christen nach. „Die ägyptische Regierung muss alles tun, sie muss sicherstellen, dass ihre Bürger ihre Religionsfreiheit leben können und dass sie vor genau solchen Übergriffen geschützt sind - das muss jetzt erst einmal das Ziel sein“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Übergriffe auf die Kopten würden aber sicher Thema beim Sondertreffen der EU-Außenminister zur Lage in Ägypten am Mittwoch sein.

Fragen und Antworten zur Reise nach Ägypten

Was sagt das Auswärtige Amt?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät seit Ende September nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land – ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer – besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nil-Kreuzfahrten) und in das Nildelta wird abgeraten. Auch in die anderen Gebiete wie die Touristen-Hochburgen am Roten Meer sollten Deutsche derzeit aber nicht fahren. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten sollten unbedingt gemieden werden.

Das Auswärtige Amt rät außerdem von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara eindringlich ab. Dies gilt insbesondere für die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan.

Kann ich meine Reise jetzt kostenlos stornieren?

Da unterscheiden sich die Meinungen. Zahlreiche Reiseveranstalter akzeptieren kostenlose Stornierungen nur bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, wie sie für den Nordsinai und das Grenzgebiet zu Israel gilt. Der Reiserechtler Paul Degott sagt aber, eine Kündigung sei immer in einer Situation höherer Gewalt möglich, wenn diese die Reise konkret betreffe und so zum Beispiel „der planmäßige Erholungsurlaub nicht mehr möglich ist“. Dies sei in Ägypten mittlerweile der Fall. Die Anbieter müssten bei Stornierung also den gesamten Reisepreis zurückzahlen. Bei vorzeitiger Abreise müsse vom Verbraucher nur der erbrachte Teil der Reise und die Rückreise bezahlt werden.

Wie reagieren die Anbieter in der aktuellen Situation?

Zahlreiche Anbieter haben ihre Reisen für die kommenden Wochen komplett abgesagt. Andere bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen, wollen aber keine Stornierungen akzeptieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Verbraucher eine Umbuchung durch ihren Reiseveranstalter nicht akzeptieren müssen.

Was sollten Touristen tun, die schon vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt hält die Lage in den Touristenorten am Roten Meer noch für „ruhig“. Nach Angaben von TUI und Thomas Cook können Urlauber, die bereits in Ägypten sind, ihre Reise fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten und wie gebucht zurückfliegen. In Hurghada ist das Auswärtige Amt bereits durch einen Honorarkonsul vertreten, auch in andere Reiseorte soll Botschaftspersonal entsandt werden, das für Fragen zur Verfügung steht.

Hilft mir eine Reiserücktritt-Versicherung?

Selbst wer eine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen hat, ist bei Streit mit dem Reiseveranstalter nicht auf der sicheren Seite. Die Police schließt Ereignisse höherer Gewalt wie Anschläge oder Naturkatastrophen regelmäßig aus. Sie deckt nur persönliche Risiken ab, etwa eine schwere Krankheit oder der Tod eines Angehörigen vor Reiseantritt. Sollte der Anbieter eine kostenlose Stornierung verweigern und wollen Verbraucher dagegen vorgehen, wären sie also auf eine Rechtsschutz-Versicherung angewiesen.

Damian ist das geistliche Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Gemeinde in Deutschland, die nach seinen Angaben etwa 8500 Menschen umfasst. Er residiert in Höxter in einem alten Zisterzienser-Kloster, das die Kopten übernommen haben. In Ägypten sind etwa zehn Prozent der 84 Millionen Einwohner Kopten. Die Minderheit wird seit Jahrzehnten diskriminiert und war von den Ausschreitungen der vergangenen Tage besonders betroffen. Die Zahl der Angriffe auf Kopten hatte nach dem Amtsantritt des inzwischen abgesetzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi sprunghaft zugenommen. Der Kopten-Papst Tawadros zog sich später den Zorn der islamistischen Muslimbrüder zu, weil er die Absetzung Mursis durch das Militär begrüßte. Die Muslimbrüder bestreiten jedoch Vorwürfe, sie attackierten gezielt die Kopten.

Bischof Damian appellierte an die deutsche Politik, die ägyptische Übergangsregierung zu unterstützen und die Armee nicht ständig zu verurteilen. Zudem warb Damian grundsätzlich für mehr Offenheit zur Aufnahme von Kopten in Deutschland. Davon könnten beide Seiten profitieren. So herrsche in Ägypten eine Ärzteschwemme, viele Kopten aber dürften den Beruf aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit nicht ausüben. „Es ist eine Win-Win-Situation - Deutschland braucht diese Menschen auch“, sagte der Bischof.

Von

rtr

Kommentare (18)

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django

19.08.2013, 18:35 Uhr

Fänd ich ausnahmsweise mal in Ordnung, und am besten für jeden Christen gleich zwei Islamisten wieder zurück schicken...

007

19.08.2013, 18:56 Uhr

Nein, das finde ich nicht in Ordnung. Erstens wird durch die Aufnahme ägyptischer Christen nicht ein Moslem weniger im Bundesgebiet festgestellt werden können und zum zweiten stellt sich doch die Frage: was ist die BRD eigentlich? Die Heimstatt des deutschen Volkes oder nur noch ein koloniales Territorium in das Jeder kommen kann, der will? So ungefähr wie die Indianergebiete Nordamerikas, in die Siedler und Landnehmer aus aller Herren Länder sich niederlassen konnten und die eigentlichen Eigentümer der Gebiete in die Reservate abgeschoben wurden?
Warum gehen koptische Christen nicht in die tolerante Türkei? Die Türken sagen doch uns, wie Toleranz aussieht. Also, nicht nach Mitteleuropa, sondern in ein Nachbarland, also die tolerante Türkei, ist das Ziel verfolgter Christen aus Ägypten.

Herodes

19.08.2013, 19:12 Uhr

Und warum nicht der stinkreiche Vatikan ?

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