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03.06.2016

16:25 Uhr

Kuka-Übernahme

China verbittet sich eine Einmischung aus Berlin

Der Fall Kuka schreckt Chinas Unternehmer auf. Minister Gabriel will kein Gegenangebot organisieren, aber die chinesische Handelskammer sieht „protektionistische Tendenzen“. Investor Midea meldet sich erstmals zu Wort.

Kuka, Aixtron, SGL Carbon

Chinas Shopping-Wut stößt Merkel und Co. sauer auf

Kuka, Aixtron, SGL Carbon: Chinas Shopping-Wut stößt Merkel und Co. sauer auf

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Peking/BerlinWie offen ist Deutschland für Investoren aus China? Sehr offen, antworteten stets die deutschen Vertreter, und chinesische Unternehmer pflichteten bei. Aber die Diskussion um das chinesische Übernahmeangebot für den Roboterbauer Kuka könnte Deutschlands Bild in China nachhaltig geschadet haben. Nachdem sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) besorgt zeigte, und offen über ein europäisches Gegenangebot spekulierte, gaben sich chinesische Unternehmen in Deutschland alarmiert.

Die chinesische Handelskammer in Deutschland sah „protektionistische Tendenzen in Europa und Deutschland“. Die Kammer forderte, „dass die zuständigen Regierungsbehörden in Deutschland die Marktmechanismen respektieren und das abgegebene Angebot ohne politische Einflussnahme geprüft und bewertet werden kann.“ Vor dem Hintergrund einer schwächelnden Weltwirtschaft werde Protektionismus der Entwicklung der deutschen und europäischen Wirtschaft über kurz oder lang schaden.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Das Wirtschaftsministerium in Berlin wies Kritik zurück. „Der Minister organisiert kein alternatives Anbieterkonsortium“, versicherte ein Sprecher am Freitag in Berlin. Gabriel habe lediglich gesagt, er fände es gut, wenn es eine deutsche oder europäische Alternative dazu „aus der Wirtschaft selbst heraus“ gäbe. Dann könnten die Eigentümer entscheiden, welches Angebot für das Unternehmen und den Standort Deutschland das Bessere sei. Im Grundsatz gehe es aber um unternehmerische Vorgänge, in die die Bundesregierung nicht aktiv eingreife.

Midea selbst meldet sich am Freitag erstmals seit dem Vorstoß aus Berlin zu Wort. „Der Ausbau der Partnerschaft mit Midea ist für Kuka eine große Chance“, teilte das Unternehmen mit. Deutsche Spitzentechnologie lasse sich mit Mideas Wissen über den chinesischen Markt kombinieren. „So können wir die schnellen Wachstumschancen in unterschiedlichsten Wirtschaftssektoren in China optimal nutzen“, argumentierte die Firma. „Das schafft auf viele Jahre sichere Arbeitsplätze in Deutschland.“

Gabriel selbst hatte in dieser Woche davon gesprochen, dass er in Sachen Kuka Gespräche geführt habe, ohne Namen zu nennen. Das High-Tech-Unternehmen gilt als eine der Schlüsselgesellschaften für die Modernisierung der deutschen Wirtschaft. In der Politik gibt es die Sorge, dass über Verkäufe solcher Unternehmen technologisches Wissen aus Deutschland etwa an den weltwirtschaftlichen Konkurrenten China abfließen könnte.

Eingriffsmöglichkeiten aber hat die deutsche Politik kaum, wie Gabriel vor Kurzem eingestand. Das Außenwirtschaftsrecht eröffnet dafür nur Wege, wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Deutschland berührt sind. Automatisch geprüft werden Fälle wie die mögliche Anteilsaufstockung bei Kuka durch den chinesischen Kühlschränke- und Klimaanlagenhersteller Midea aber nicht.

Was Kuka so attraktiv macht: Kollege iiwa

Was Kuka so attraktiv macht

Premium Kollege iiwa

Sie werden von Gewerkschaften gefürchtet, von Laien bestaunt und von den Chinesen umworben: Den Robotern von Kuka gehört die Zukunft. Warum sie so begehrt sind, zeigt eine Weißbier-Präsentation.

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