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16.10.2014

12:33 Uhr

Kulturrat attackiert NRW

Bundesregierung soll Warhol-Auktion stoppen

ExklusivDas klamme Nordrhein-Westfalen will offenbar über die Versteigerung von landeseigenen Warhol-Bildern seinen Haushalt sanieren. Der Deutsche Kulturrat ist empört und fordert, dass die Bundesregierung einschreitet.

Der Spielcasinobetreiber Westspiel will die Bilder „Triple Elvis“ von 1963 und „Four Marlons“ von 1966 in New York bei Christie's versteigern lassen und erhofft sich dafür 100 Millionen Euro. ap

Der Spielcasinobetreiber Westspiel will die Bilder „Triple Elvis“ von 1963 und „Four Marlons“ von 1966 in New York bei Christie's versteigern lassen und erhofft sich dafür 100 Millionen Euro.

BerlinDer Deutsche Kulturrat hat angesichts der geplanten Versteigerung von Andy-Warhol-Kunstwerken durch ein Unternehmen des Landes Nordrhein-Westfalen vor einem Dammbruch gewarnt und die Bundesregierung zum Eingreifen aufgefordert. „Kulturstaatsministerin Monika Grütters sollte sich dringend dieses Falls annehmen und den Verantwortlichen in NRW auf die Finger klopfen“, sagte der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, Handelsblatt Online.

„Wenn es Schule machen sollte, dass öffentliche Unternehmen wertvolle Kunstwerke aus ihrem Bestand verkaufen, wäre der nächste Schritt, die verschuldeten kommunalen Haushalte mittels dieser Kunstbestände zu sanieren. Ich will mir gar nicht ausmalen, was für Konsequenzen dies hätte.“

Der Spielcasinobetreiber Westspiel will die Bilder „Triple Elvis“ von 1963 und „Four Marlons“ von 1966 in New York bei Christie’s versteigern lassen und erhofft sich dafür 100 Millionen Euro. Westspiel ist ein Tochterunternehmen der NRW-Bank. Die Erlöse der Spielbank fließen größtenteils an das Land und die Kommunen.

Die deutschen Schuldenhochburgen (Stand: August 2013)

Platz 10

Auf dem zehnten Platz befindet sich die Stadt Essen. Mit Kassenkrediten von rund 3766 Euro pro Einwohner ist die Stadt zwar hoch verschuldet, im Jahr 2007 belegte sie allerdings noch Platz 9.

Platz 9

Auch Mainz ist hoch verschuldet. Mit Kassenkrediten von rund 3857 Euro pro Einwohner belegt die Stadt den neunten Platz. Im Jahr 2007 belegte sie Platz 8.

Platz 8

Ludwigshafen belegt mit 4043 Euro Kassenkredite pro Einwohner den achten Platz. 2007 war es noch Platz 7.

Platz 7

Die Einwohner in Wuppertal haben Kassenkredite von rund 4215 Euro pro Einwohner. Damit belegt die Stadt Platz 7.

Platz 6

Der sechste Platz geht an Zweibrücken. Die Einwohner hier haben Kassenkredite von rund 4230 Euro pro Kopf. Zum Vergleich: 2007 war Zweibrücken auf Platz 12 zu finden.

Platz 5

Remscheid hat sich leicht verbessert: War die Stadt 2007 noch auf den vierten Platz zu finden, ist sie jetzt mit 4998 Euro Kassenkredite pro Einwohner „nur“ noch auf Platz 5.

Platz 4

Auch Hagen hat sich verbessert: 2007 hat die Höhe der Schulden noch für Platz 3 gereicht, mittlerweile befindet sich die Stadt mit Kassenkrediten von 5618 Euro pro Einwohner auf dem vierten Platz.

Platz 3

Der dritte Platz geht an Kaiserslautern. Mit 6040 Euro Kassenkredite pro Einwohner schafft es die Stadt damit unter die ersten drei im Ranking. 2007 lag Kaiserlautern allerdings noch auf Platz 2.

Platz 2

Pirmasens ist ein echter „Aufsteiger“: Von Platz 5 im Jahr 2007 bis zu Platz 2 im Jahre 2013. Allerdings ist es kein Aufstieg der guten Sorte. Die Kassenkredite pro Einwohner betragen 6215 Euro.

Platz 1

Oberhausen bleibt auf dem ersten Platz: Mit Kassenkrediten von 6870 Euro pro Einwohner hat sich die Stadt nicht verbessert - auch 2007 war Oberhausen Platz 1 im Ranking.

Zimmermann sagte, ein landeseigenes Unternehmen wie die Westdeutsche Spielbank müsse „mit einer anderen Elle gemessen werden als ein x-beliebiges privates Unternehmen“. Landeseigene Unternehmen müssten das Gemeinwohl im Auge haben und dazu gehöre auch der Schutz von Kulturgut. Als geradezu einen Witz bezeichnete Zimmermann es, dass sich Deutschland aktuell in der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Kulturgutschutz befinde, die unter anderem dazu dienen soll, national wertvolles Kulturgut im Land zu halten, während „in NRW der Kulturgutschutz mit Füßen getreten wird“.

Kommentare (2)

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Herr Markus Gerle

16.10.2014, 13:27 Uhr

Zitat: "Landeseigene Unternehmen müssten das Gemeinwohl im Auge haben und dazu gehöre auch der Schutz von Kulturgut." Seit wann dient eine Spielbank dem Gemeinwohl? Wenn die Kunstwerke in so einer Spielbank hängen, dann haben nur Zocker was davon. Da ist es deutlich sinnvoller, diese zu verkaufen, bevor NRW weiter Steuern und Abgaben erhöht. Das dient nämlich definitiv nicht dem Gemeinwohl.

Herr man reg

16.10.2014, 18:35 Uhr

Aber natürlich muss der Plunder verkauft werden. Es ist doch ganz einfach - und das gilt natürlich auch für Kommunen: wenn man klamm ist, geht´s halt ans Eingemachte (welches übrigens in früheren Zeiten auch mit Steuergeldern angeschafft wurde). Liebe Museumsdirektoren, jeder weiß,dass Sie vom Stamme "Nimm" sind. Der erste Reflex eurer Specis ist immer der Ruf nach mehr Geld!! Wenn keins da ist, dann gibts halt nix. Basta. Geht das nicht in eure Köpfe? Wenn es RNW wieder besser geht, können die Schinken vom Andrej ja zurückgekauft werden.

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