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10.11.2014

15:53 Uhr

Kulturrat warnt vor Kunstverkäufen

„Deutsche Kultur ist Opfer verfehlter Wirtschaftspolitik“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDiese Woche sollen zwei Andy-Warhol-Bilder aus NRW-Besitz versteigert werden. Weitere Kunstwerke könnten folgen. Der Kulturrat ist alarmiert und fürchtet schon um die Zukunft der Kulturförderung in Deutschland.

Für Warhols „Triple Elvis“ (li.) und „Four Marlons“ könnten in New York Rekorderlöse erzielt werden. ap

Für Warhols „Triple Elvis“ (li.) und „Four Marlons“ könnten in New York Rekorderlöse erzielt werden.

BerlinNach Einschätzung des Deutschen Kulturrats stellt der Verkauf von Kunstwerken aus Landesbesitz die Kulturförderung insgesamt infrage. „Die Kultur ist nicht nur in NRW ein Opfer einer verfehlten Wirtschaftspolitik, die die Idee des Gemeinwohls pervertiert“, sagte der Geschäftsführer des Verbands, der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Beim Verkauf von Kunstwerken aus dem Vermögen der Portigon AG gehe es auch um die Frage, wohin die Liberalisierung im Rahmen des EU-Binnenmarktes und mit Blick auf die zur Rede stehenden Freihandelsabkommen Ceta und TTIP führen könne. 

Dass die Sammlung der ehemaligen Landesbank WestLB, heute Portigon AG, veräußert wird, gilt als wahrscheinlich. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) begründete dies vergangene Woche damit, dass die Aktiengesellschaft die Kosten ihrer von der EU-Kommission geforderten Abwicklung aus eigener Kraft zu tragen habe. Damit dies ohne weitere Zuführung von Kapital aus dem Landeshaushalt bewältigt werden könne, müsse die Portigon die ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, sagte der Minister vor dem Düsseldorfer Landtag. Darunter falle auch die Verwertung der Kunstgegenstände.

Zum Portigon-Besitz gehören Werke der Klassischen Moderne, darunter Gemälde von August Macke und Gabriele Münter sowie Picassos Serie von Stierlithographien, Positionen der Gegenwartskunst, so von Beuys, Knoebel, Uecker, Piene und Mack, Fotografie der Becher-Schule und mehrere Musikinstrumente.

Das wertvollste von ihnen ist die Violine „Lady Inchiquin“ von Antonio Stradivari (Cremona, 1711). Den Versicherungswert der Kunstbestände bezifferte Walter-Borjans auf 28 Millionen Euro, wobei er davon ausgeht, dass die Stücke mittlerweile noch mehr wert sind.

In der Nacht zu Donnerstag werden in New York bei Christie's zudem zwei wertvolle frühe Bilder von Andy Warhol aus dem Besitz des NRW-Casino-Betreibers Westspiel versteigert. Westspiel gehört indirekt dem Land Nordrhein-Westfalen.  Die Versteigerung erfolgt mit ausdrücklicher Unterstützung der rot-grünen Landesregierung.

Kommentare (1)

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Herr Peter Spiegel

10.11.2014, 17:53 Uhr

"Deutsche Kultur ist Opfer verfehlter Wirtschaftspolitik"
Was hat Herr Warhol mit "Deutscher Kultur" zu tun?
Das land ist pleit und das Zeug wird verkauft.
Für die Hani gib,s ja nix,

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