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10.01.2005

14:01 Uhr

Kurzfristige Verkaufsziele

Gewerkschaftsholding will Beteiligungen verkaufen

Die deutschen Gewerkschaften wollen sich zügig von weiteren Bank- und Immobilienbeteiligungen trennen. Mit den Erlösen will die Gewerkschaftsholding BGAG nach Zeitungsberichten die Finanzlage der Gewerkschaften verbessern.

HB FRANKFURT. Die deutschen Gewerkschaften wollen sich zügig von weiteren Bank- und Immobilienbeteiligungen trennen. Mit den Erlösen will die Gewerkschaftsholding BGAG nach Zeitungsberichten die Finanzlage der Gewerkschaften verbessern. Auf dem Prüfstand stünden vor allem die Pakete der BGAG am Baufinanzierer BHW, an der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) sowie das Immobilienengagement, sagte der Ende Dezember zum BGAG-Vorstand berufene Helmut Balthasar der „Financial Times Deutschland“ (FTD, Montagausgabe). Er werde Verkäufe vorantreiben, wo gewerkschaftliches Engagement nicht mehr gebraucht werde. „Am Ende des Prozesses wird sich die Frage stellen, ob es die BGAG in ihrer heutigen Form noch geben wird“, ergänzte Balthasar.

Es sei aber noch unklar, ob die BGAG ihr Paket von knapp 40 Prozent an der BHW Holding und die 50-prozentige Beteiligung an der BHW-Tochter AHBR verkaufen werde, schränkte Balthasar ein. „Aber es gibt keine Denkverbote.“ Die Stimmrechte der BGAG an der AHBR liegen bei dem Hamelner Baufinanzierer BHW. An der BGAG sind der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit rund 20 Prozent und weitere Einzelgewerkschaften beteiligt. „Wir haben jetzt kurzfristige Verkaufsziele“, sagte BGAG-Vorstandschef Rolf Freyberg dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Die BGAG ist auch mit zehn Prozent an der Fondsgesellschaft Frankfurt Trust beteiligt. Zudem gehört der Gewerkschaftsholding unter anderem die BauBeCon Holding, ein Immobiliendienstleister, die Hamburger GGI-Gesellschaft für Gewerbeimmobilien und der Frankfurter Bund-Verlag, der mit Fachbüchern und Zeitschriften auf Arbeits- und Sozialrecht spezialisiert ist. Große Beteiligungen hatte die BGAG in den vergangenen Jahren bereits verkauft. Die Anteile an den Kreditinstituten BfG und DiBa waren an die schwedischen Bank SEB beziehungsweise an die niederländische ING gegangen.

Einzelwertberichtigungsbedarf wegen Ost-Immobilien

Hintergrund für die geplanten Veräußerungen könnte nach Angaben der FTD auch der zusätzliche Kapitalbedarf der AHBR sein. Die mangelnde Kapitalausstattung habe die Eigner bereits 650 Millionen Euro gekostet. Die Finanzaufsichtsbehörde BaFin hat nach Angaben der Zeitung eine weitere Finanzspritze von 600 Millionen Euro für den Immobilienfinanzierer von dessen Eignern gefordert. Der „Spiegel“ bezifferte den Nachschussbedarf auf 380 Millionen Euro. Die BaFin wolte die Berichte nicht kommentieren. Ein BGAG-Sprecher sagte, von einem zusätzlichen Kapitalbedarf sei ihm nichts bekannt.

Sprecher von BHW und AHBR wollten sich nicht konkret zu den Zahlen äußern. Es habe eine Prüfung durch die BaFin gegeben, deren Abschlussbericht in den nächsten Wochen vorliegen werde. „Es zeichnet sich aber ab, dass es einen Einzelwertberichtigungsbedarf vor allem wegen Ost-Immobilien im hohen zweistelligen Millionen-Bereich geben wird“, sagte BHW-Sprecher Norbert Esser. Die Wertberichtigungen seien durch Reserven gedeckt, ergänzte AHBR-Sprecher Esser. Die AHBR ist nach Jahren der Restrukturierung mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung. BHW-Sprecher Esser sagte, die Hypothekenbank werde für 2004 einen geringen Gewinn ausweisen, nachdem der Nettogewinn nach den ersten neun Monaten 2004 bei 13,4 (Vorjahr: 12,7) Millionen Euro gelegen hatte. Die im Kleinwerte-Index SDax notierten BHW-Aktien fielen am Montag um 0,4 Prozent auf 10,30 Euro.

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