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26.11.2013

14:21 Uhr

Länder-Vergleich

Arme deutsche Rentner

Altersarmut in Deutschland ist keine hohle Phrase, dies zeigt nun eine OECD-Studie. Deutsche verfügen über weniger Immobilienbesitz, deutsche Geringverdiener könnten bald das Prekariat der europäischen Rentner stellen.

Arm trotz Arbeit – dies dürfte für Geringverdiener vor allem im Alter gelten, wie die OECD mahnt. Deutsche Rentner stehen bezüglich ihres Wohlstandes recht weit unten in der Rangliste der europäischen Senioren. dapd

Arm trotz Arbeit – dies dürfte für Geringverdiener vor allem im Alter gelten, wie die OECD mahnt. Deutsche Rentner stehen bezüglich ihres Wohlstandes recht weit unten in der Rangliste der europäischen Senioren.

BerlinDeutsche Rentner werden einer OECD-Studie zufolge im internationalen Vergleich künftig relativ schlecht dastehen: Ihre Altersbezüge werden bei 55 bis 57 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens vor dem Renteneintritt liegen, wie aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht. Das Rentenniveau von Geringverdienern sei mit 55 Prozent niedriger als in allen anderen OECD-Staaten. Der OECD-Schnitt liege bei fast 82 Prozent. Grund: In den meisten Ländern werde zugunsten der Geringverdiener umverteilt, während in Deutschland die Rente stark von den Beitragszahlungen abhänge.

„Wir müssen aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten“, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser. „Es fehlt an einer systematischen Lösung der Altersarmut in Deutschland.“ Niedrigverdiener sollten „nachhaltig abgesichert werden“. Allerdings hätten die Probleme ihre Ursache häufig im Arbeitsmarkt und könnten nicht allein durch das Rentensystem gelöst werden.

Gegenüber dem durchschnittlichen Bruttoeinkommen liegt der Wert laut OECD-Berechnung sogar nur bei 42 Prozent. Dies liegt daran, dass die Einkommen während der Erwerbszeit höher besteuert und mit Abgaben belegt werden. Die Werte beziehen sich auf Arbeitnehmer, die 2012 ins Berufsleben gestartet sind und bis zum regulären Renteneintritt Beiträge bezahlen.

Aber auch andere Faktoren wie Immobilienbesitz, Finanzvermögen und staatliche Leistungen beeinflussen den Lebensstandard. Vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung profitiert der OECD-Studie in Deutschland mit 50 Prozent nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Rentner, hieß es in der Studie. Im OECD-Schnitt seien es 76 Prozent.

Die Rezepte der Parteien gegen Altersarmut

Gemeinsames Ziel

Im Ziel sind sich alle einig: Die Geringverdiener von heute sollen nicht die armen Rentner von morgen sein. In ihren Rezepten gegen die Altersarmut unterscheiden sich die Parteien aber. Der Vorstoß von Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat einen Wettstreit unterschiedlicher Konzepte ausgelöst.

CDU, CSU

In der Union läuft die Diskussion über Maßnahmen im Kampf gegen die Altersarmut noch. Offen ist bislang, ob CDU und CSU die Pläne von der Leyens für eine Zuschussrente überhaupt akzeptiert. Sie will die Renten von Geringverdienern auf 850 Euro aufstocken lassen; finanziert werden soll dies aus Rentenbeiträgen. Die Hürden für den Erhalt der Zuschussrente sind hoch: Voraussetzung sind ab dem Jahr 2023 dann 35 Beitragsjahre sowie 45 „Versicherungsjahre“, zu denen auch Ausbildung oder Arbeitslosigkeit gehören. Weitere Voraussetzung ist, dass der Empfänger bereits im Erwerbsleben private Zusatzvorsorge betrieben hat. Einkünfte daraus sollen nicht wie bisher bei der Grundversicherung wieder abgezogen werden.

SPD

Auch die SPD will kleine Renten auf 850 Euro aufstocken. Finanziert werden soll dies aber aus Steuermitteln. Die Partei setzt außerdem auf einen massiven Ausbau der Betriebsrenten, der sich in erhöhten Beitragszahlungen bemerkbar machen würde: Jeder Arbeitnehmer soll zwei Prozent des Bruttolohns zur Betriebsrente einzahlen - es sei denn, er widerspricht. Voraussetzung für die Mindestrente sind 30 Beitrags- und 40 Versicherungsjahre. Eine private Zusatzvorsorge ist nicht Bedingung. Wer die Rente auf 850 Euro aufgestockt bekommt, darf - anders als bei von der Leyen - keine anderen Einkünfte beziehen.

FDP

Die FDP lehnt eine beitragsfinanzierte Zuschussrente ab und bewertet auch steuerfinanzierte Modelle sehr skeptisch. Die Liberalen setzen vor allem auf Prävention und wollen die private Vorsorge und die Betriebsrenten stärken. Bei der Grundsicherung wollen sie Freibeträge für private und betriebliche Vorsorge einführen: Der Freibetrag soll bei mindestens 100 Euro liegen. Außerdem will die FDP das Renteneintrittsalter flexibel gestalten.

Grüne

Die Grünen wollen jedem Bürger eine Garantierente zusichern, damit sie nicht auf die Grundsicherung angewiesen sind. Sie soll laut Fraktionschef Jürgen Trittin jedem zustehen, der 33 Jahre lang dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestanden hat. Diese Garantierente soll leicht über der bisherigen Grundsicherung liegen. Die Bedingungen für diese Garantierente sollen weniger rigide sein als bei von der Leyen geplant.

Linkspartei

Die Linke setzt sich für eine Mindestrente ein, die mindestens 1000 Euro betragen soll. Um die Finanzierung zu gewährleisten, sollen anders als bislang auch Freiberufler, Beamte und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Nach Einschätzung der OECD hat die Finanzkrise dazu beigetragen, dass die Mehrzahl der OECD-Mitgliedsstaaten ihre Rentensysteme reformiert oder bereits geplante Reformen beschleunigt habe, etwa durch die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters. Im Großteil der OECD-Länder liege die Last der Reformen vor allem auf den Schultern von Durchschnitts- und Besserverdienern. In der OECD haben sich die hoch entwickelten Industrieländer zusammengeschlossen.

Nunmehr müsse dauerhaft für ein angemessenes Rentenniveau gesorgt werden, empfiehlt die Studie. „Die Reformen waren wichtig und die Regierungen haben gut daran getan, Geringverdiener nicht noch stärker zu belasten“, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. „Wir müssen aber aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten.“ In Deutschland würden die Rentenbezüge für Menschen mit verhältnismäßig kleinem Gehalt gegen Mitte dieses Jahrhunderts so niedrig sein wie in kaum einem anderen OECD-Land.

Union und SPD verhandeln in ihren Koalitionsgesprächen über die Einführung einer solidarischen Lebensleistungsrente. Dabei sollen die Rentenansprüche von Geringverdienern auf bis zu etwa 850 Euro aufgestockt werden. Voraussetzung sind 40 Beitragsjahre in der Rentenversicherung, wobei auch bis zu fünf Jahre Arbeitslosigkeit als Beitragsjahre gelten sollen. Für Minijobber bis 450 Euro – die dies nicht als Nebenjob und nicht als Schüler, Studenten oder Rentner machen – soll künftig die Rentenversicherungspflicht greifen. Die erst in diesem Jahr eingeführte Ausstiegsklausel wird demnach wieder abgeschafft.

Insgesamt sieht die OECD das deutsche Rentensystem aber auf einem guten Weg. Es sei finanziell vergleichsweise stabil. Außerdem sei die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer kräftig gestiegen. So arbeiteten heute gut zehn Prozent der 65- bis 69-Jährigen - fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. „Deutschland hat hier eine Vorreiterfunktion“, sagte Queisser.

Kommentare (10)

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icg

26.11.2013, 14:47 Uhr

Nur nicht undankbar sein. Dafür hat Deutschland im internationalen Vergleich sehr gut gestellte Pensionäre.

Mazi

26.11.2013, 14:56 Uhr

Die Renten sollten den Pensionen der Politiker angeglichen werden.

Im Gegensatz zu den Politikern weisen Rentner in der Regel Rentenbeiträge aus produktiver Arbeit nach. Wir alle leben davon.

Politiker und Beamte können auf derartige soziales Engagement, der Sicherstellung unserer Versorgung, nicht hinweisen. Wie wir erfahren mussten, machen sie sogar noch den schnellen Euro, indem sie Personaldaten ihrer Kollegen verkaufen.

Auf diesen Beitrag zur Güterversorgung der Mitbürger können Politiker und sonstige Beamte nicht verweisen.

Es ist schon Luxus, den sich die Bürger mit der Politiker- und Beamtenversorung leisten.

Gewiss kann man behaupten, dass sie schon immer durchgeschleppt wurden, also kann man dies auch für den Rest deren Lebens so beibehalten. so geht es wenigstens einer Gruppe gut.

Tabu

26.11.2013, 15:59 Uhr

deutsche Geringverdiener könnten bald das Prekariat der europäischen Rentner stellen.
Das Rentenniveau von Geringverdienern sei mit 55 Prozent niedriger als in allen anderen OECD-Staaten. Der OECD-Schnitt liege bei fast 82 Prozent
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ja..weil man zwei Billionen für Aufbau Ost brauchte..
der Grif in die Rentenkasse war nicht das eintige Vergehen
an den deutschen Rentnern,die zum einem dieses Land wieder
auf die Beine brachte und das Wirtschaftwunder möglich machten.
Heute zahlen sie für Zuwanderung in die Sozialkassen,mußten
Streichungen wie Sterbegeld,Zahnersatz und sonstige medizinische
Leistungen hinnehmen und jetzt all das selbst finanzieren.
Zusätzlich,wird ihnen was von der Demographie-Lüge ins
Gewissen geredet..
Wie schrieb der Demograf und Politikberater Ernst Kistler:
Das hinter der Lüge handfeste politische und wirtschaftliche Interessen stehen,um politische Konzepte wie Sozialabbau oder
Rente mit 67 in der Bevölkerung durchzudrücken.
Ein Täuschungsmanöver welches moralisch Straftatbestand hätte,
wenn es um Verantwortung und Moral ginge..
Politik und Wirtschaft haben keine Ethik und schon gar keine
moralischen Bedenken.


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