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28.01.2012

11:14 Uhr

Länderfinanzausgleich

Ärmere Bundesländer wehren sich gegen Kritik

Nach der Kritik am Länderfinanzausgleich seitens der Geberländer Bayern und Hessen, melden sich nun gleich mehrere der ärmeren Bundesländer zu Wort. Bremens Finanzsenatorin Linnert hält die Vorwürfe für groben Unfug.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering will sich von den Geberländer keine Vorschriften für seine Haushaltspolitik machen lassen. dapd

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering will sich von den Geberländer keine Vorschriften für seine Haushaltspolitik machen lassen.

SchwerinMecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hat die neuerliche Kritik aus Bayern und Hessen am Länderfinanzausgleich zurückgewiesen. „Es geht doch nicht, dass die Geberländer den Empfängern der Ausgleichszahlungen Vorschriften für deren Haushaltspolitik machen wollen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, mehr Geld für Kinder und Familien auszugeben. Das Familienbild der CSU ist für uns lange überholt“, sagte Sellering.

Er reagierte damit auf die Ankündigung der Geberländer Bayern und Hessen gegebenenfalls mit einer Klage eine Neuverteilung der Mittel im Länderfinanzausgleich durchzusetzen. „Realistisch betrachtet, gibt es da keine Chance auf Erfolg“, sagte Sellering. Die von ihm geführte SPD/CDU-Koalition kommt seit 2006 ohne neue Schulden aus.

Sellering verwies darauf, dass die 2005 vereinbarten Regelungen für den Finanzausgleich zwischen wirtschaftsstarken und -schwachen Ländern bis 2019 gelten. „Wir machen im Land eine solide Finanzpolitik. Das geht auf Dauer nur, wenn auch Vereinbarungen eingehalten werden“, betonte der SPD-Politiker. Er räumte jedoch ein, dass auch ihn die seit Jahren hohen Defizite einiger Bundesländer stören: „Der vereinbarte Bund-Länder-Pakt zum Schuldenabbau hätte mit drastischeren Sparzielen verknüpft werden müssen.“ Neben Berlin erhalten auch Länder wie Schleswig-Holstein oder Sachsen-Anhalt zusätzliche Finanzhilfen. Mecklenburg-Vorpommern als ebenfalls strukturschwaches Land muss in diesem Pakt hingegen zahlen und fühlt sich damit für seinen Sparkurs der zurückliegenden Jahre bestraft.

Für Sellering ist der Länderfinanzausgleich ein Fundament des föderalen Systems in Deutschland: Die Starken müssten den Schwächeren helfen, ihre Entwicklungsdefizite abzubauen und aufzuschließen. Bayern etwa habe jahrzehntelang davon profitiert. Mecklenburg- Vorpommern, das im Vorjahr 390 Millionen Euro aus dem Finanzausgleich erhielt, schätze die solidarische Hilfe. „Wir tun alles dafür, damit wir ab 2020 ohne besondere Ostförderung auskommen. Das geht aber nur mit Unterstützung, und die muss verlässlich sein“, sagte Sellering.

Auch Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) hat das Vorgehen von Bayern und Hessen zur Neuordnung des Länderfinanzausgleichs kritisiert. „Es ist vereinbart, über den Länderfinanzausgleich zu reden und jeder weiß, dass ein Gericht dabei wenig helfen kann“, sagte er. Er setze auf einen kollegialen Stil mit vielen Gesprächen. Bayern und Hessen schließen eine erneute Klage vor dem Bundesverfassungsgericht nicht aus, sollten Änderungen auf dem Verhandlungsweg in diesem Jahr scheitern. Das hatten die Finanzminister beider Länder, Markus Söder (CSU) und Thomas Schäfer (CDU) angekündigt.

Herr Söder solle sich einmal intensiv mit dem Haushalt eines ostdeutschen Bundeslandes wie Sachsen-Anhalt beschäftigen, sagte Bullerjahn. „Es ist ein Land, das sich müht, zu konsolidieren und trotzdem voranzukommen.“ Dabei mache es nicht alles richtig, räumte der Minister ein. Doch auch andere Länder machten Fehler.

Kommentare (8)

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SabineM

28.01.2012, 11:31 Uhr

Das ist Griechenland in klein. Es zeigt sich, dass die Nehmerländer in der Überzahl sind und sich einfach frech alimentieren lassen.

malvin

28.01.2012, 12:08 Uhr

Diese Subventionierung bringt nix, denn die Empfängerländer richten es sich gemütlich ein mit den Finanzausgleichsgeldern.

Man muss sich echt fragen, wann der Tatbestand erfüllt ist, dass ein Land "unverschuldet" in die Miesen geraten ist. Das kann ja wohl jeder behaupten.

Dass Berlin sagenhafte 3 Milliarden an Ausgleichszahlen erhält, ist nicht nachzuvollziehen. Luxusangebote für Familien und die Kultur, die es in den Geberländern nicht gibt, sollten daher ausgeschlossen werden. Es muss feste Grenzen geben bzw. eine gewisse Zweckgebundenheit geben, wofur die Länder die Unterstüztung ausgeben.

Wir haben hier eben schon den Griechenland-Effekt. Die Wähler fordern kostenlose Kultur und Kitaplätze und die Politik liefert!!!!
Der LfA sollte NUR einen Basisausgleich abdecken, jedoch nicht für Luxus in Anspruch genommen werden dürfen. Da muss es einfach Einschränkungen in der Haushaltshoheit geben. Fördern und Fordern, nur so kommen beide Seiten auf ihre Kosten.

Die immer wieder angeführten Ausgleichshilfen, die and Bayern geflossen sind, haben sich auf jährlich ca 200 Milliönchen belaufen, was wiederum bezogen auf dei Größe dieses Bundeslandes einen ziemlich geringen Betrag macht.
Wenn man die Berlin-Förderung umrechnet auf die Größe Bayerns, dann wären das an die 15 bis 18 Milliarden!!!!!
Das ist Wahnsinn. Berlin bekommt vom Bund ohnehin schon Fördergelder als Bundeshauptstaat, und Kultur gibts da eh schon genug.

Meine Meinung: LfA ja, aber weniger, und die Haushaltshoheit ist nicht von Gott gegeben; da müssen sich die Empfängerländer einschränken.

ebrav

28.01.2012, 13:24 Uhr

wozu benötigt man bremen oder hamburg als bundesland?? weg damit!! und das saarland gleich mit!!

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