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15.03.2004

10:53 Uhr

Längere Abfertigungszeiten auf Flughäfen einplanen

Auswärtiges Amt erneuert Sicherheitshinweis

Vier Tage nach den Terroranschlägen von Madrid mit 200 Toten hat das Außenministerium in Berlin am Montag seinen weltweiten Sicherheitshinweis erneuert. Die Anschläge hätten gezeigt, „dass auch Mitgliedstaaten der Europäischen Union Ziel schwerster terroristischer Attentate sein können“, heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amts.

HB BERLIN. Reisende sollten sich vor diesem Hintergrund „auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen einstellen und mit längeren Abfertigungszeiten auf Flughäfen und an den EU-Außengrenzen rechnen“.

Schon vor den Anschlägen in der vergangenen Woche hatte das Auswärtige Amt darauf aufmerksam gemacht, dass es weltweit Hinweise auf Attentatsplanungen gebe.

Als vorrangige Ziele von Anschlägen werden „Orte mit Symbolcharakter“ wie „religiöse Versammlungsorte, Regierungsgebäude, Verkehrsinfrastrukturen oder Wirtschafts- und Tourismuszentren sowie Orte mit großen Menschenansammlungen“ genannt. Ziele von Attentaten könnten auch die USA und Russland sowie der internationale Luft- und Seeverkehr sein. Besonders hoch sei die Gefahr von Anschlägen jedoch weiterhin im Nahen und Mittleren Osten und in Afghanistan.

Regierung verschärft Sicherheitsmaßnahmen

Die Bundesregierung hat angesichts des möglichen islamistischen Hintergrunds der Attentate von Madrid die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) warnte aber vor Panik und Überreaktionen. „Wir müssen besonnen bleiben“, sagte er am Sonntagabend nach einer Telefonkonferenz mit den Innenministern der Länder in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. Die Sicherheitslage in Deutschland habe sich durch die Ereignisse in Spanien „so grundlegend nicht verändert“. In der Union gibt es unterschiedliche Analysen der Bedrohungslage in der Bundesrepublik.

Schily rief die Bürger auf, aus Solidarität zur spanischen Bevölkerung den Opfern der Terroranschläge heute (Montag) um 12.00 Uhr mit drei Schweigeminuten zu gedenken. Deutschland schließe sich damit der Staatstrauer in Spanien an, heißt es in einer Mitteilung des Innenministers. Die Schweigeminuten gehen auf eine Initiative der irischen EU-Ratspräsidentschaft zurück.

Während Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) keine akute Gefahr von islamistischen Attentaten in Deutschland sah, warnte sein bayerischer Amtskollege Günther Beckstein (CSU), im Kampf gegen die Taliban spiele die Bundesrepublik eine führende Rolle. „Damit sind wir genauso im Blickfeld von Osama bin Laden.“ Hysterie helfe zwar nicht, „aber eine falsche Entwarnung wäre fehl am Platz“. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Friedbert Pflüger (CDU), sagte der „Braunschweiger Zeitung“ (Montag): „Auch wir sind im Fadenkreuz der Terroristen.“

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