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20.01.2010

14:35 Uhr

Lafontaine kämpferisch

Die Lust noch lange nicht verloren

Lange wurde über den Gesundheitszustand des Linkspartei-Chefs spekuliert, immer wieder zögerte Lafontaine die Entscheidung über die Rückkehr in die Politik heraus. Nun meldete sich der Saarländer mit einer kämpferischen Rede vor seinen Genossen zurück - ohne jedoch Klarheit zu schaffen.

Lafontaine: Kämpferische Rede. DAPD

Lafontaine: Kämpferische Rede.

HB SAARBRÜCKEN. Es sind nur drei Worte, aber sie könnten in den kommenden Monaten innerhalb der Linkspartei noch häufig zitiert werden: "Niemand ist unersetzlich". Linken-Chef Oskar Lafontaine hat seiner Partei bei seinem ersten politischen Auftritt nach seiner Krebsoperation im November den Weg in die Programmdebatte gewiesen, inhaltliche Forderungen bekräftigt - und kurz und deutlich den heftig streitenden Genossen die Leviten gelesen. Doch zu einer Frage, die nicht nur in seiner Partei viele bewegt, schwieg Lafontaine.

Ob er selbst auf dem Rostocker Parteitag im Mai erneut für den Vorsitz kandidieren will, ließ er am Dienstagabend bei einem Neujahrsempfang der Linksfraktion in Saarbrücken offen. Auch die Entscheidung, ob er weiter Fraktionschef im saarländischen Landtag bleiben will, habe er noch nicht getroffen. Zu "gegebener Zeit" werde er sich dazu äußern. Die quälende Personaldebatte in der Linken dürfte damit nicht beendet sein. Dennoch werden Lafontaines Widersacher auch die übrigen Worte ihres Parteichefs genau registriert haben.

Dass auch der Umkehrschluss von Lafontaines Aussage - "Jeder ist ersetzbar" - gilt, hatte wenige Tage zuvor Noch-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch schmerzlich erfahren. Im stummen Fernduell mit dem 66-jährigen Saarländer hatte er den Kürzeren gezogen und auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi habe zu den Personaldebatten alles wesentliche gesagt, bescheidet Lafontaine am Abend knapp.

Was er damit meint, scheint klar: Es war ein überraschend offen vorgetragener Illoyalitäts-Vorwurf Gysis an die Adresse seines Freundes Bartsch gewesen, der dessen Schicksal besiegelte - und auch in Gysis Umfeld für Kritik gesorgt hatte. Auch weil Lafontaines Vorsitzender Lothar Bisky sich noch kurz zuvor für Bartsch stark gemacht hatte: "Wir alle brauchen Oskar Lafontaine, aber auch Dietmar Bartsch, dessen Verdienste um die Entwicklung der Partei nicht ignoriert werden sollten", hatte Bisky gesagt. Gemunkelt wird, dass Lafontaine Gysi zu einem Abrücken von Bartsch gedrängt habe.

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