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26.01.2010

17:25 Uhr

Lafontaine-Rückzug

Linke stemmt sich gegen den Zerfall

VonBarbara Gillmann

Anders als geplant gibt sich die Linkspartei auch künftig eine Doppelspitze: Im Mai soll ein Parteitag in Rostock den westdeutschen IG Metaller Klaus Ernst und die ostdeutsche Haushaltsexpertin Gesine Lötzsch auf den Schild heben. Ihre Hauptaufgabe wird die Befriedung der Partei. Ein schwieriges Unterfangen.

Klaus Ernst und Gesine Lötsch: "Es darf kein Chaos und Zerfall herrschen" dpa

Klaus Ernst und Gesine Lötsch: "Es darf kein Chaos und Zerfall herrschen"

BERLIN. Auch die Bundesgeschäftsführung werden sich künftig zwei Genossen teilen. Zudem sollen zwei "Parteibildungsbeauftragte" dafür sorgen, dass Ost- und West-Gremien in der erst 2007 aus PDS und WASG fusionierten Partei endlich besser kooperieren. So will die Linke nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine die Fliehkräfte in der heterogenen Partei bändigen.

Vor allem die beiden Vorsitzenden "müssen für die gesamte Partei stehen" sagte Fraktionschef Gregor Gysi nach einer Nachtsitzung bis in den frühen Morgen. Das gelte auch für ihre Vertreter - sogar für die Kommunistin Sahra Wagenknecht. "Die Vereinigung ist nicht weit genug gedrungen, das müssen wir nun Schritt für Schritt voranbringen", sagte Gysi. Dafür müssten in der weiteren Parteispitze "möglichst viele vertreten sein, die eine Vereinigung auch wollen", mahnte die Galionsfigur der Linken. Es dürfte "kein Chaos und Zufall herrschen". Den fehlenden bundesweiten Teamgeist illustrierten gestern bei der Präsentation unfreiwillig selbst die beiden Kandidaten: Ernst und Lötzsch vermieden jeden Blickkontakt und erwähnten einander mit keinem Wort.

Eine eigene Solo-Kandidatur hatte der gesundheitlich angeschlagene Gysi abgelehnt. Das wäre ein Signal für eine "Rückwärtsentwicklung" gewesen, sagte er. Binnen weniger Tage hat die Linke damit einen Weg aus der massiven Personalkrise der Partei gefunden.

Diese war ausgebrochen, als Lafontaine am Wochenende verkündete, wegen seiner Krebserkrankung nicht wieder für das Amt des Parteichefs antreten zu wollen, das er eigentlich allein übernehmen sollte. Sein bisheriger Co-Vorsitzender Lothar Bisky wollte ohnehin aufhören. Dazu kam, dass der mächtige Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch nach heftigen Auseinandersetzung mit Lafontaine ebenfalls hingeworfen hatte.

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