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28.01.2016

07:53 Uhr

Lageso in Berlin

Der tragische Tod eines Flüchtlings war frei erfunden

Im Internet verbreitete die Falschmeldung sich wie ein Lauffeuer: Ein Flüchtling sei wegen der Missstände vor dem Lageso in Berlin gestorben. Nun gab der Urheber der Mitteilung zu, sich das Ganze ausgedacht zu haben.

Flüchtlinge warten am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin. Nach einer Falschmeldung über einen Toten hatten Besucher Kerzen niedergelegt. AFP

Lageso in Berlin

Flüchtlinge warten am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin. Nach einer Falschmeldung über einen Toten hatten Besucher Kerzen niedergelegt.

BerlinDer Fall eines angeblich toten Flüchtlings in Berlin ist frei erfunden. Wie ein Polizeisprecher am Mittwochabend mitteilte, gab ein Helfer in einer Vernehmung zu, sich die Geschichte ausgedacht zu haben. „Die Motive kennen wir nicht“, sagte der Polizeisprecher. Es werde weiter ermittelt. Bereits nach der ersten Befragung des Mannes hatte eine Polizeisprecherin klargestellt: „Wir haben keinen toten Flüchtling.“ Der Helfer habe zwar „die ganze Republik verrückt gemacht“ – aber eine Straftat sei sein folgenreicher Internet-Eintrag nicht.

Der Flüchtlingshelfer hatte auf Facebook über den Fall berichtet. Das Netzwerk „Moabit hilft“ hatte erklärt, ein 24-Jähriger aus Syrien sei infolge der Missstände am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) gestorben. Später löschte der Helfer den Facebook-Eintrag wieder – und tauchte einen Tag lang unter.

Bereits am Nachmittag hatte ein Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales gesagt: „Weder Rettungsstellen noch Krankenhäuser noch Polizei oder Feuerwehr haben irgendeinen Hinweis darauf.“ Am Abend sagte Sozialsenator Mario Czaja dann, es gebe keine Hinweise darauf, dass es einen Toten gegeben hat. „Und darüber sind wir auch froh.“

Ein Sprecherin von „Moabit hilft“ betonte in der RBB-„Abendschau“ jedoch noch, man habe derzeit keinen Anlass, die Angaben des Mannes anzuzweifeln. Der Mann sei sehr vertrauenswürdig. Wenn sich der Fall bewahrheite, müsse „die direkte Konsequenz“ der Rücktritt von Sozialsenator Czaja sein.

Der Senator betonte, dass eine weitere enge Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern sehr wichtig sei. Mit Blick auf den Mann, der die Nachricht ins Rollen brachte, sagte Czaja: „Ich bin nicht der Auffassung, dass man zu Vorverurteilungen oder Allgemeinverurteilungen kommen sollte, wenn eine Person etwas getan hat, das für uns schwer verständlich ist.“

Das Bündnis „Moabit hilft“ und die Lageso-Führung streiten sich seit Monaten wegen der Missstände beim Flüchtlingsmanagement in Berlin. Am Dienstag hatte der zuständige Sozialsenator Mario Czaja (CDU) Medienberichte bestätigt, wonach wegen eines Bearbeitungsstaus beim Lageso Flüchtlinge über viele Tage kein Geld ausbezahlt bekamen. Den Berichten zufolge konnten sich die Betroffenen zeitweise keine Lebensmittel kaufen und waren auf Spenden angewiesen.

Von

afp

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