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15.11.2013

12:24 Uhr

Landkreis Heilbronn

Wie das Sonnenlicht dreckiges Raketenwasser reinigt

VonBenjamin Wagener

Verunreinigtes Kühlwasser bringt Raumfahrt-Ingenieure und Unternehmer auf die Idee für eine neue Form der Wasseraufbereitung. In Lampoldshausen findet sich so ein gelungener Transfer von Forschungswissen in die Praxis.

Eine riesige Wasserdampfwolke zieht bei den Versuchen an den Prüfständen des DLR gen Himmel. PR

Eine riesige Wasserdampfwolke zieht bei den Versuchen an den Prüfständen des DLR gen Himmel.

LampoldshausenTriebwerke, die Weltraumraketen den Schub verleihen, damit sie ins All fliegen, können heiß werden, sehr heiß – denn sie stoßen Brenngase mit einer Temperatur von bis zu 4000 Grad Celsius aus. Und zwar nicht nur wenn die Antriebe im All unterwegs sind, sondern auch wenn sie auf der Erde vor der langen Reise getestet werden. Wissenschaftler, die solche Triebwerke bauen und in Laboren ausprobieren, müssen ihre Anlagen deshalb kühlen – mit Wasser, mit richtig viel Wasser.

Das Institut für Raumfahrtantriebe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen im Landkreis Heilbronn tut das seit Jahren: Die Forschungseinrichtung, die im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur (ESA) die Antriebe für die Europäische Trägerrakete Ariane entwickelt, nutzt für ihre Prüfstände die kühlende Wirkung von Wasser – und schafft sich ein nicht zu unterschätzendes Problem: Nachdem das Wasser die High-Tech-Triebwerke auf dem Testgelände im Harthäuser Wald vor dem Verglühen bewahrt hat, ist es chemisch verunreinigt und muss aufwändig und teuer aufbereitet werden.

Die Auf- und Absteiger

Top 5

Massiv verbessert hat sich im aktuellen Prognos-Zukunftsatlas die Lage im Landkreis Bamberg. Er liegt dem aktuellen Ranking auf Platz 80 und machte damit gegenüber 2004 138 Plätze gut.

Top 4

Auch Plätze gut gemacht hat der Landkreis Dingolfing-Landau. Er liegt beim aktuellen Ranking auf Platz 30 und machte damit gegenüber 2004 171 Plätze gut.

Top 3

Der dritthöchste Aufsteiger ist der Landkreis Stade. Der Kreis liegt auf Platz 97 und machte damit gegenüber 2004 175 Plätze gut.

Top 2

Rhön-Grabfeld – der Landkreis entwickelte sich so gut wie kaum ein anderer. Er wanderte in dem Prognos-Handelsblatt-Ranking 180 Plätze nach oben und liegt jetzt auf Platz 106.

Top 1

Der höchste Aufsteiger ist die thüringische Stadt Erfurt. Lag sie 2004 noch auf Platz 315, machte sie in neun Jahren 191 Plätze gut und liegt jetzt auf Platz 124 des Rankings.

Flop 5

Verlierer der Studie nach ist der Landkreis Helmstedt in Niedersachsen. Der Kreis verlor gegenüber 2004 168 Plätze und liegt nur noch auf Rang 293 von insgesamt 402 Landkreisen und Städten.

Flop 4

Kräftige Einbußen verzeichnete auch die Stadt Dortmund und rutschte von Platz 154 (2004) auf Platz 323 ab.

Flop 3

Nicht gut entwickelt hat sich auch der Landkreis Kaiserslautern. Der Kreis verlor gegenüber 2004 179 Plätze und liegt nur noch auf Rang 264.

Flop 2

Die Stadt Offenbach lag 2004 noch auf einem guten Platz 28 der 402 Städte und Kreise. 2013 kommt die Stadt nur noch auf Platz 211 und verlor damit 183 Plätze.

Flop 1

Der Landkreis Goslar ist im Ranking so massiv abgestürzt wie kein anderer Kreis oder keine andere Stadt. Der Kreis lag 2004 noch auf Platz 128, verlor aber 202 Plätze und rangiert nun auf Platz 330.


Ein Problem, das einer Gruppe von Wissenschaftlern, Unternehmern und auch Lokalpolitikern im Raum Heilbronn keine Ruhe ließ, erinnert sich Hans-Jürgen Bigus, Geschäftsführer des Laborgeräteherstellers Hirschmann. „Wir saßen damals zusammen und suchten nach einer Lösung, wie man das Abwasser, das von den Raketen-Prüfständen kam, billiger und auch einfach reinigen könnte.“ Mit dabei neben Bigus der ehemalige Institutsleiter Wolfgang Koschel und Harry Brunnet, Bürgermeister der kleinen Gemeinde Hardthausen, zu der das Raketenzentrum im Norden Baden-Württembergs gehört.

Die Idee, die die Runde entwickelte: Das Licht der Sonne übernimmt die Reinigung des dreckigen Raketenwassers. „Sonnenstrahlung liefert die Prozessenergie zum Knacken der Schadstoffe“, sagt Jan-Peter Säck. Der Forscher, der am Kölner Standort des DLR arbeitet, ist heute Geschäftsführer der Sowarla GmbH – das Unternehmens, das aus den Grübeleien der Heilbronner Männerrunde über das Lampoldshausener Abwasserproblem entstand. Und die Sowarla GmbH trägt ihre Herkunft noch immer Namen, denn das Akronym steht für „Solare Wasserreinigungsanlage Lampoldshausen“.

Kommentare (2)

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petervonbremen

15.11.2013, 13:51 Uhr

Hier soll wohl etwas als Innovation verkauft werden, was schon lange in der Praxis angewandt wird (in Schwimmbädern, zur Wasseraufbereitung in Entwicklungsländern etc. etc.). Wenn es noch nicht im großen Maßstab angewendet wird, dann doch nur weil irgendwelche mächtigen Gruppen aus Wirtschaft und Politik etwas dagegen hatten. Natürliches Sonnenlicht kann man eben so schlecht verkaufen - höchstens an deutsche Politiker - dabei fällt mir ein ich muss schnell nach Berlin....

Steinweg

15.11.2013, 15:57 Uhr

Wie viel Zeit des Tages uebers Jahr gesehen die UV-Intensitaet der Sonnenstrahlung vor Ort rentabel ist ? Mir scheint die Anlage muss wegen UV-Durchgaengigkeit aus Quarz-Glas sein. Man kann natuerlich auch einen offenen Bach immer und immer wieder besonnen das waere fuer die dritte Welt guenstiger. Pumpen arbeiten ja auch per Sonnenschein.

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