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14.11.2013

14:49 Uhr

Landkreis Rhön-Grabfeld

Zwischen Provinz und High-Tech

VonKirsten Krumrey

Rhön-Grabfeld ist eine ländliche Region in Nordbayern. Doch wer zwischen die Hügel und Wälder blickt, entdeckt zahlreiche Weltmarktführer. Die Provinz kann also ziemlich interessant sein.

Hier sieht es nach Landwirtschaft aus. Doch in Rhön-Grabfeld gibt es auch High-Tech. Alex Kraus

Hier sieht es nach Landwirtschaft aus. Doch in Rhön-Grabfeld gibt es auch High-Tech.

Bad NeustadtAuf der einen Seite Provinz: Die Kirchenglocken bimmeln, ein älterer Schnauzbartträger startet seinen kleinen grünen Traktor und fährt davon. Auf der anderen Straßenseite das Silicon Valley: ein futuristisches Gebäude in Form eines „C“. Doch was wie der Unternehmenssitz eines Internetkonzerns aussieht, ist tatsächlich ein Schullandheim und Seminarhaus im nordbayerischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Offiziell heißt der Stelzenbau „Umweltbildungsstätte Oberelsbach“. Die Rhöner sprechen aber wegen der ungewöhnlichen Architektur auch gern vom „Elefanten-Klo“.

Die Kirche und das Schullandheim sind nur eines von vielen Beispielen für die Kontraste im Landkreis Rhön-Grabfeld, zu dem das beschauliche Oberelsbach gehört. Hier, an der Grenze zu Hessen und Thüringen, gibt es High-Tech-Unternehmen in 1000-Seelen-Dörfchen. Und es gibt Produktionsräume im Stil eines Genlabors, irgendwo zwischen historischer Stadtmauer in Herzform und fränkischer Saale.  Zwischen den Hügelketten und Wäldern der Region verstecken sich mehrere heimliche Weltmarktführer, erzählt Landrat Thomas Habermann stolz. So stellt das Unternehmen Texpa Frottiermaschinen her, also Anlagen, die unter anderem Handtücher produzieren. Und die Firma Binder Flugmotoren- und Flugzeugbau steht an der Spitze bei Segelflugzeugen in der offenen Klasse– was nach eigenen Angaben die Formel 1 der Szene ist.

Die Auf- und Absteiger

Top 5

Massiv verbessert hat sich im aktuellen Prognos-Zukunftsatlas die Lage im Landkreis Bamberg. Er liegt dem aktuellen Ranking auf Platz 80 und machte damit gegenüber 2004 138 Plätze gut.

Top 4

Auch Plätze gut gemacht hat der Landkreis Dingolfing-Landau. Er liegt beim aktuellen Ranking auf Platz 30 und machte damit gegenüber 2004 171 Plätze gut.

Top 3

Der dritthöchste Aufsteiger ist der Landkreis Stade. Der Kreis liegt auf Platz 97 und machte damit gegenüber 2004 175 Plätze gut.

Top 2

Rhön-Grabfeld – der Landkreis entwickelte sich so gut wie kaum ein anderer. Er wanderte in dem Prognos-Handelsblatt-Ranking 180 Plätze nach oben und liegt jetzt auf Platz 106.

Top 1

Der höchste Aufsteiger ist die thüringische Stadt Erfurt. Lag sie 2004 noch auf Platz 315, machte sie in neun Jahren 191 Plätze gut und liegt jetzt auf Platz 124 des Rankings.

Flop 5

Verlierer der Studie nach ist der Landkreis Helmstedt in Niedersachsen. Der Kreis verlor gegenüber 2004 168 Plätze und liegt nur noch auf Rang 293 von insgesamt 402 Landkreisen und Städten.

Flop 4

Kräftige Einbußen verzeichnete auch die Stadt Dortmund und rutschte von Platz 154 (2004) auf Platz 323 ab.

Flop 3

Nicht gut entwickelt hat sich auch der Landkreis Kaiserslautern. Der Kreis verlor gegenüber 2004 179 Plätze und liegt nur noch auf Rang 264.

Flop 2

Die Stadt Offenbach lag 2004 noch auf einem guten Platz 28 der 402 Städte und Kreise. 2013 kommt die Stadt nur noch auf Platz 211 und verlor damit 183 Plätze.

Flop 1

Der Landkreis Goslar ist im Ranking so massiv abgestürzt wie kein anderer Kreis oder keine andere Stadt. Der Kreis lag 2004 noch auf Platz 128, verlor aber 202 Plätze und rangiert nun auf Platz 330.

Die vielen mittelständischen Unternehmen bringen den Landkreis wirtschaftlich kräftig voran. Im Regionen-Ranking des Zukunftsatlas, den das Schweizer Forschungsinstitut Prognos und das Handelsblatt alle drei Jahre veröffentlichen, holt Rhön-Grabfeld immer weiter auf. Vor sechs Jahren war es noch Rang 318, dieses Mal sieht Prognos die Region auf Platz 106 von 402.

Für Wirtschaftsförderer Jörg Geier stehen die Unternehmen und ihre Bedürfnisse an erster Stelle. Aber auch das Schullandheim liegt ihm am Herzen. Geier bemüht sich seit Jahren, neue Arbeitnehmer in die Region zu locken. Denn in Rhön-Grabfeld mangelt es wegen Landflucht und rückläufiger Geburtenzahlen an Fachkräften. Als Wirtschaftsförderer muss er dagegen angehen. Das Schullandheim sieht er als eine Möglichkeit, die Region bekannter zu machen und gerade bei Schülern mit positiven Erinnerungen zu verknüpfen.

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