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15.09.2013

18:08 Uhr

Landtagswahl Bayern

Seehofer? „Da gibt es keine Alternative“

VonMaike Freund

Es gab nie Zweifel daran, dass Horst Seehofer und die CSU die Wahl in Bayern für sich entscheiden würden. Dabei hat auch der Ministerpräsident große Fehler gemacht. Spurensuche in einem Land, an dem die SPD verzweifelt.

Horst Seehofer darf weiter in Bayern regieren. Reuters

Horst Seehofer darf weiter in Bayern regieren.

Bad Wiessee„Was sagst´?“ „Na, der Ude?“ „Ah, der doch nicht. Der kann gar nicht gewinnen.“ „Nicht?“ „Nein, der Seehofer macht´s. Da gibt es keine Alternative.“ Stammtischgespräch in Bad Wiessee. Hier, im 4800-Seelen-Ort am Tegernsee, 40 Kilometer südlich von München, wo der Präsident des FC Bayern München Uli Hoeneß und der Fußballspieler Philipp Lahm ein Haus haben, wo ansonsten vor allem Senioren Urlaub machen, ist der Landstrich traditionell tiefschwarz – Seehofers Vorstoß in Sachen Maut oder die Affären der CSUler um angestellten Verwandten hin oder her. So etwas nehmen die Menschen hier gelassen. „Nicht alles, was Seehofer macht und sagt, ist richtig“, sagt der Mann, der gerade Seehofer den Sieg prophezeit hat. „Aber meinen Sie, ein Ude würde es besser machen?“

Dabei ist Christian Ude, der SPD-Konkurrent von Ministerpräsident Horst Seehofer, eigentlich populär und beliebt in Bayern, und doch will es vorne und hinten nicht reichen. So mühelos er die Münchner seit 20 Jahren immer wieder als Oberbürgermeister überzeugen kann, so schwer hatte er es auf Landesebene im Wahlkampf in den vergangenen Wochen. Und das liegt eben auch an München, diese Stadt, in der nach Meinung vieler Bayern die Uhren anders ticken. Da fällt auch schon mal das Wort „Münchner Bohemien“. Und Seehofer reitet darauf herum, wo er nur kann: „Aus München heraus zu sagen: Ich sage euch, in der ländlichen Gegend, in der 60 Prozent der Bayern leben, wo ihr Windräder zu ertragen habt, damit wir in München Strom haben, so geht Politik nicht.“ Es ist klug, was Seehofer da macht. Denn er rührt da an etwas, was manch ein Bayer denkt.

Stimmen zur Wahl in Bayern

Horst Seehofer, CSU-Chef:

„Nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich habe mit der Kanzlerin heute telefoniert und ihr zugesagt, dass wir jetzt ab morgen früh alles tun werden von Bayern aus, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt.“

Hermann Gröhe, CDU-Generalsekretär:

„Rot-Grün ist ohne jede Chancen auf eine Mehrheit in Deutschland.“

„Die Zweitstimme, das ist die entscheidende Stimme im Hinblick auf die Mehrheitsverhältnisse im Land. Die ist gleichsam Merkel-Stimme. Und deswegen werben wir für beide Stimmen für die Union.“

Peer Steinbrück, SPD-Kanzlerkandidat:

„Es ist die 13. Landtagswahl hintereinander, wo die schwarz-gelbe Liebesheirat aufgekündigt worden ist.“

Zur FDP: „Wer jahrelang in Deutschland alle Wahlversprechen bricht (...), der hat es auch nicht verdient, in Landtagen und im Deutschen Bundestag zu sein.“

Sigmar Gabriel, SPD-Chef:

„Der Einzug der FDP in den Bundestag ist seit heute Abend nicht sicher.“

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin (FDP):

„In jeden Fall gibt es eine Zweitstimmenkampagne. Es war aber schon immer angelegt und immer geplant. Dazu ist ja auch das Wahlrecht im Bund da.“

Philipp Rösler, FDP-Chef:

„In Bayern ticken die Uhren anders.“

„Jetzt geht's ums Ganze.“

Claudia Roth, Grünen Chefin:

„Wir sind enttäuscht, wir haben uns wirklich mehr erhofft.“

„Schwarz-Gelb hat heute die Wahl nicht gewonnen – und das wollen wir nächste Woche auch erreichen.“

Lasse Becker, Chef der Jungliberalen:

„Das ist ein Scheißergebnis.“

Dann lenkten solche Sticheleien auch noch ab: von Seehofers vielen plötzlichen Wendemanövern im Wahlkampf, wie zum Beispiel in Sachen Windenergie. Denn der Ministerpräsident will nun plötzlich, dass der Abstand der Windräder größer ist als zuerst geplant. Doch die Bayern scheinen auch solche jähen Richtungswechsel nichts auszumachen.

Nürnberg, Kornmarkt, Auftritt Christian Ude: Er kommt auf die Bühne und hat schon gewonnen, wenigstens die meisten der rund 800 bis 1000 Zuschauer: „Politik geht nur mit Humor“, sagt er. Und die Zuhörer lachen. Und klatschen. Es ist eine der großen Open-Air-Wahlkampfveranstaltungen der SPD, jeden Tag gibt es davon eine in der letzten Woche vor der Wahl. „Der ist doch wirklich sympathisch“, sagt eine Frau während der Rede. Sie ist durch Zufall hier. Eigentlich wollte sie shoppen gehen, als sie das Zelt der SPD auf dem Kornmarkt gesehen hat, blieb sie stehen. Ob sie weiß, wen sie wählen wird? „Jetzt schon“, sagt sie. Vielleicht spielt es Ude zu, das er live einfach besser wirkt als im Fernsehen oder Radio. Denn kommt er immer ein wenig behäbig daher, weil er so langsam und schleppend spricht. Doch es ist nicht das einzige, was Ude nachhängt.

Es gab da noch seinen Fauxpas in Sachen Landeskunde während des Wahlkampfs. Versehentlich verortete der SPD-Mann Aschaffenburg in einem Interview in Oberfranken statt in Niederfranken. Das haben ihm viele Franken nicht verziehen. Die Bayern zollten es Ude mit schlechten Umfragewerten. In den vergangenen Wochen blieben die gleichbleibend schlecht. Die SPD dümpelte bei 18 bis 20 Prozent herum. Woran liegt es nur, dass gegen die CSU niemand eine Chance hat?

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

15.09.2013, 20:20 Uhr

„Da gibt es keine Alternative“

Doch, gibt es! Und zwar DIE Alternative für Deutschland.

Die haben gerade unter www.geldbombe.com eine finale Spendenaktion gestartet und in ein paar Stunden schon fast 400.000 Euro zusammen. Man kann ab 10 Euro dazu beitragen, dass es eine ECHTE Alternative zu den Blockpartien gibt.

VICTOR_KRUGER

15.09.2013, 21:25 Uhr

Mit Bedauern habe ich das Deaktivieren
der Kommentarfunktion durch die Handelsblatt-Redaktion,
betreffend "Seehofers Sieg", zur Kenntnis nehmen dürfen.

Wir stehen knapp sieben Tage vor einer
richtungsweisenden Entscheidung; Meinungen prallen hart
und ungeschminkt aufeinander.
Dem freien Wort des Souveräns sollte nicht mit
voreiliger Abschaltung entgegengetreten werden.

Skydiver

15.09.2013, 21:28 Uhr

Glückwunsch an die CSU und an Herrn Seehofer. Die FDP braucht kein Mensch mehr. Gut das die grünen Bevormunder endlich abgetraft wurden. Natürlich wähle ich am Sonntag die AFD. Nur die AFD steht für Volksentscheide und will die Demokratie der nationalen Parlamente nicht aushebeln.

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