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04.03.2017

17:25 Uhr

Landtagswahl

Im Saarland ticken die Menschen ein bisschen anders

In drei Wochen wählen die Saarländer einen neuen Landtag. Hier ist manches anders als im Rest der Republik. Die Menschen sind katholischer, genussfreudiger und heimatverbundener als andernorts. Manches kann man erklären.

Das Saarland ist grüner, als mancher denkt. dpa

Industrielandschaftsgarten in Völklingen

Das Saarland ist grüner, als mancher denkt.

SaarbrückenBei Klaus Hiery leuchtet immer eine Grubenlampe. Sie hängt an seinem Hauseingang, oben am Türrahmen. Jeder Besucher geht unter ihr hindurch. „Ohne Licht kein Leben“, sagt er. Hiery muss es wissen: Er hat fast 40 Jahre unter Tage gearbeitet. Im Kohlebergbau. Jeden Tag ging es mit dem Aufzug minutenlang in die Grube, mal 400, mal 1600 Meter tief. Neben dem Licht zählten da unten die Kumpels. „Einer ist auf den anderen angewiesen“, sagt der Bergmann. „Man muss zusammenhalten.“

Wie Hiery sind Zehntausende Saarländer jahrelang „eingefahren“. Seit 2012 ist der Bergbau im Saarland zwar Geschichte, er hat das kleinste deutsche Flächenland aber über 250 Jahre geprägt. „Ohne den Bergbau gäbe es das Saarland gar nicht“, meint Hiery, der in seinem Haus zig Regale voll mit Grubenlampen stehen hat. „Und ohne den Bergbau wären wir nicht so, wie wir sind.“

Nur knapp eine Million Menschen lebt in dem westdeutschen Bundesland, das an Frankreich und Luxemburg grenzt. Die Saarländer sind in vielem besonders: Sie sind katholischer, sie sind geselliger und sie sind heimatverbundener als andere in Deutschland. Und sie haben auch wegen der Nähe zum „Savoir-vivre“ in Frankreich ein Faible für gutes Essen und Lebenslust.

Ulrich Graf von Plettenberg war sechs Jahre lang Pfarrer in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg im Saarland. „Das war für mich ein neues Erlebnis“, sagt der heutige Generalvikar des Bistums Trier. „Es gibt dort noch volkskirchliche Tendenzen, wo also Volk und Kirche praktisch in eins fallen.“ Bürgermeister und Pastor treffen sich jede Woche, haben Termine zusammen. „Meine erste Amtshandlung 2010 in Tholey war die Segnung einer neuen Sauna.“

Gemessen am Anteil der Bevölkerung leben im Saarland so viele Katholiken wie nirgendwo sonst in der Republik. 61 Prozent gehören der Kirche um Papst Franziskus an, weist die Statistik der Deutschen Bischofskonferenz aus. Auch Schlagersängerin Nicole („Ein bisschen Frieden“), Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Linke-Politiker Oskar Lafontaine gehören dazu. Und der langjährige saarländische CDU-Regierungschef Peter Müller (1999-2011) war als Kind ebenso Messdiener wie Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD).

Dass die Saarländer so katholisch sind, hat auch historische Gründe: Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 gehörte das Gebiet des heutigen Saarlandes zum großen Teil zum Erzbistum Trier – und hatte somit in der Vergangenheit überwiegend katholische Herrscher. Hinzu kommt die Bergbau- und Stahltradition: „So eine Bodenständigkeit kommt dem Katholischen entgegen“, sagt Generalvikar von Plettenberg. „Es prägt das Katholische, die Gemeinschaft, den Zusammenhalt.“

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