Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2005

10:01 Uhr

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

Pfarrer fordert SPD und CDU heraus

VonKristian Frigelj (Handelsblatt)

Sie haben einen prominenten Vorkämpfer gesucht – und fanden Jürgen Klute, 52 Jahre, Pfarrer aus Herne. Die Mitglieder der „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ (WASG) in NRW wählten am Samstag den evangelischen Geistlichen zum Spitzenkandidaten für die nahende Landtagswahl. Klute ist vor allem im linken Spektrum und in der Sozialarbeit eine populäre Persönlichkeit.

HB DÜSSELDORF. Der Verein WASG, entstanden aus dem Protest gegen die Reformagenda 2010 der Bundesregierung, verwandelt sich Ende Januar in eine Partei. Ein Großteil der bundesweit mehr als 6 000 Mitglieder hat der Parteigründung zugestimmt und unterstützt die politische Feuerprobe bei der Landtagswahl in NRW. Für den Vorstand in Berlin bleibt das große Ziel die Bundestagswahl 2006.

In der WASG haben erfahrene, von der SPD enttäuschte Gewerkschafter die Federführung übernommen. Sie versuchen mit strikter Organisation, Regionalgruppen zu etablieren und zweifelhafte, dem Kommunismus nahe stehende Personen zu verdrängen. Die Zeit ist knapp. Immerhin müssen noch Kandidaten für sämtliche 128 NRW-Wahlkreise und eine Reserveliste aufgestellt werden. Ein Parteiprogramm will man im Mai verabschieden. Im vorliegenden Entwurf werden staatliche Konjunkturprogramme gefordert, die durch Kredite finanziert werden sollen. Mit höheren Spitzensteuersätzen etwa soll das Defizit abgebaut werden. „Unser Leitbild ist die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit“, sagt der Vorstandssprecher des WASG-Landesverbandes und IG-Metall-Gewerkschaftssekretär, Hüseyin Aydin, in Düsseldorf. Rund 1 400 Mitglieder gehören den 56 Regionalgruppen in NRW an.

Die SPD demonstriert Gelassenheit und glaubt, dass die Wahlalternative keine bedeutende Rolle spielen wird. Die WASG hofft, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Für die SPD könnten indes zwei bis drei Prozent kritisch sein, da bei einem knappen Wahlausgang wichtige Stimmen für den Machterhalt von Rot-Grün in Düsseldorf fehlen würden. Jedoch beeinträchtigen die konkurrierende PDS und ein Wahrnehmungsdefizit die Erfolgschancen der werdenden Partei. Ihr fehlen prominente Zugpferde sowohl in Berlin als auch in NRW. Kontakte zu Oskar Lafontaine sind vorhanden, doch der SPD-Desperado ziert sich. Zudem muss die Wahlalternative einen finanziellen Kraftakt bewältigen. Mehr als 300 000 Euro seien nötig, um zumindest einen Wahlkampf mit primitiven Mitteln führen zu können, sagt Aydin.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×